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Basalt Gestein aus den Tiefen der Vulkane

Die Erde ist in ihrem Innern nicht kalt wie eine Höhle, sondern im Erdkern herrschen Temperaturen von 4.000 bis 5.000 Grad Celsius. Bereits in 30 Kilometer Tiefe sind die Temperaturen erheblich. Sie schwanken für Europa an der Grenze von Kruste und Mantel zwischen 280 und 900 Grad Celsius. Das wusste im 18. Jahrhundert noch niemand. So kam es zum großen Streit zwischen Plutonisten und Neptunisten, welche versuchten zu erklären, woher das Vulkangestein Basalt stammt.

Stromboli

Der italienische Vulkan Stromboli

So wie noch heute ozeanische Kruste gebildet wird, ist bereits vor mehr als vier Milliarden Jahren die frühe Basaltkruste der Erde entstanden. Geologen von der Universität Bonn haben die neue Hypothese vorgestellt, dass die ozeanische Ur-Kruste die späteren Kontinente direkt "ausgeschwitzt" habe.

Grabenbruch in Island

Grabenbruch in Island

Ein wichtiger Ort der Erzeugung von Erdkruste ist der Mittelatlantische Rücken. Auf dieser Spreizungszone ist vor etwa 17 bis 20 Millionen Jahren Island entstanden. "Spreizung" oder englisch "Spreading" bedeutet in der Geologie, dass sich zwischen den Platten des Ozeanbodens Risse bilden, die immer wieder neu durch Magma aufgefüllt werden. In Island sind die Fördermengen an Basalt im Gefolge der Spreizung weitaus größer als bei den Vulkanen inmitten der europäischen Kontinentalplatte. Auch die chemische Zusammensetzung unterscheidet sich.


Planet mit Fußbodenheizung

Basaltbrunnen in Stolpen

Basaltbrunnen in Stolpen

Die Erde ist in ihrem Innern nicht kalt wie eine Höhle, sondern im Erdkern herrschen Temperaturen von 4.000 bis 5.000 Grad Celsius. Bereits in 30 Kilometer Tiefe sind die Temperaturen erheblich. Sie schwanken für Europa an der Grenze von Kruste und Mantel zwischen 280 und 900 Grad Celsius. Das wusste im 18. Jahrhundert noch niemand. Auch nicht der Star-Geologe Werner, der von 1775 bis 1817 an der Bergakademie Freiberg die Naturforscher-Schule formte, aus der sowohl Voigt als auch Alexander von Humboldt und Leopold von Buch hervorgingen. Im Basalt-Streit von 1787 vertrat Werner vehement die Ansicht, dass Basalt neptunistisch und das heißt im Urmeer entstanden sei.


Der Meeresgott wirft mit Steinen

Spindelbombe aus Basalt vom Laacher See

Spindelbombe aus Basalt vom Laacher See

Dem wortgewandten Werner, der nie einen aktiven Vulkan gesehen hatte, gelang es im September 1789, den 40-jährigen Goethe vom Neptunismus zu überzeugen. Obwohl Goethe zwei Jahre zuvor eine heftige Eruption des Vesuvs erlebt hatte, ließ er sich von der Ansicht Werners anstecken, dass Vulkanismus nur ein zufälliges Phänomen der späten Erdgeschichte sei. Ein Jahrzehnt zuvor war Goethe noch ein bekennender Plutonist. Im Ergebnis gemeinsamer Exkursionen mit seinem geologischen Berater Voigt in der Rhön formulierte Goethe am 27. Dezember 1780 beim hypothetischen Blick auf die "Basaltberge bei Stolpen", dass eine "ungeheure vulcanische Wuth" der Erde auch in Sachsen gewirkt habe. Diese frühe plutonistische Ansicht traf aus heutiger Sicht den Nagel auf den Kopf. Goethe bekam in seinem ersten größeren Bericht zur Geologie Thüringens an Herzog Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg 1780 überhaupt einen wichtigen Teilabschnitt des tertiären mitteleuropäischen Vulkangürtels in den Blick.

Mit der Wut des Durchbruchs

Rosarote Eruptionswolke

Rosarote Eruptionswolke

Das Lausitzer Granitmassiv bildet eine mächtige Platte. Um eine derartige Panzerung beim Aufstieg aus den Tiefen des Erdmantels zu durchbrechen, müssen heiße Urgewalten wirken. Das war beim Basaltdurchbruch in der Gegend des heutigen Stolpen der Fall. Die vor allem auf den streitbaren Plutonisten Voigt zurückgehende Metapher von der "Wut der Vulkane" , an der ein Sprachschöpfer wie Goethe munter mitgewirkt haben dürfte, beschreibt das Geschehen vermenschlicht, aber dennoch zutreffend als ein plötzliches und heftiges Ereignis.

Nationales Geotop Burg Stolpen

Nationales Geotop Burg Stolpen

Auch wenn es sich im Vergleich zu heute aktiven Vulkanen – wie dem Ätna auf Sizilien – nur um winzige magmatische Ereignisse handelt, sind die tertiären Feuerberge der Oberlausitz keine unwichtige Vulkanprovinz. Holt Olaf Tietz eines der eindrucksvollsten Handstücke der Basalt-Sammlung in Görlitz aus dem Rollschrank hervor, verrät das Farbspiel eindringlich: Durch die Hitze des Erdinneren kann hartes Gestein dünnflüssig werden. Vor vielen Millionen Jahren war hier der Teufel los: Aktiver Vulkanismus mit Hitze, Lärm, Gestank und Basaltausfluss. Die vulkanische Energie wütete.


Europa auf zarter Bodenkruste

Die Gerichtsgruppe aus Basalt in Stolpen

Die Gerichtsgruppe aus Basalt in Stolpen

Die Erdkruste inmitten von Europa ist weniger stabil und vulkanisch aktiver als bislang gedacht. Die Feldarbeit von Olaf Tietz und seinen Kollegen zur Oberlausitzer Vulkanprovinz bildet bei der Erforschung des mitteleuropäischen Vulkangürtels deshalb ein wichtiges Teilsegment. Der Freiberger Geologe Klaus Stanek wiederum hat herausgefunden, dass sich das Alter der Vulkane in der Oberlausitzer Vulkanprovinz überraschenderweise auf etwa 30 Millionen Jahre einpegelt und dichter beieinanderliegt als noch vor zehn Jahren angenommen.


Basalt unter dem Mikroskop

Basalt unter dem Mikroskop

Die Frage ist: Wann?

Während der Vulkanismus bei Stolpen ebenso als erloschen gilt wie die Vulkane der Auvergne im Zentralmassiv von Frankreich, kann das vom Vulkanismus in der Eifel nicht behauptet werden. Die letzten Vulkanausbrüche liegen hier nur etwa 10.000 Jahre zurück. Der Eifelbasalt in der Sammlung des Senckenberg-Museums für Naturkunde in Görlitz sieht entsprechend jungfräulich aus. In der vulkanischen Eifel kann ein Vulkan entstehen. Im Egergraben bei Karlovy Vary ist der Vulkanismus ebenfalls nicht erloschen. Lange dachte man, dass die heißen Quellen bei Karlovy Vary Nachwirkungen eines abklingenden Vulkanismus sind. Doch auch in der Nähe des Goethe-Ortes kann die vulkanische Wut von gestern wiederkehren. Auch in Mitteleuropa ist keine vulkanisch absolute Ruhezone. Darum könnte in näherer Zukunft einer der europäischen Vulkane wieder anfangen, aktiv zu werden.

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