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Recycling Schätze aus Schrottautos

Bis 2015 will die EU erreichen, dass der Anteil wieder verwertbarer Stoffe bei Autos deutlich steigt. 90 Prozent des Materials ausgedienter Schrottkarossen soll wieder verwendet, verwertet oder recycelt werden. Wissenschaftsreporterin Lena Ganschow hat sich angeschaut, welche Schätze noch in Altautos stecken und wie man an sie herankommt.

Schrottplatz

Schrottplatz


Erst mal trocken legen
Bevor ein Shredder Kleinholz aus einem Wagen macht, sind umfangreiche Vorarbeiten nötig. Als erstes muss das Auto "trocken gelegt" werden.

Lena Ganschow beim entfernen des Benzins.

Lena Ganschow beim entfernen des Benzins.

Erich Bucher, KFZ-Meister bei einem Autoverwerter in der Nähe von Lahr zeigt Lena Ganschow, wie das geht. Das Versuchsobjekt: ein ausrangierter VW-Golf. Im Blaumann und mit Schraubenschlüssel legen die beiden los. Sie entfernen zuerst die Gefahrenstoffe: alle Öle, die Bremsflüssigkeit, das Benzin und Kühlmittel. Auch die Batterie muss raus. Sie ist nahezu vollständig recycelbar: Das in ihr enthaltene Blei wird fast komplett zurück gewonnen, die giftige Schwefelsäure geht zurück an die chemische Industrie. Selbst der Kunststoff des Gehäuses kann wiederverwertet werden.


Alles muss raus

Die Airbags werden per Knopfdruck ausgelöst.

Die Airbags werden ausgelöst.

Auch die Airbags müssen raus. Erich Bucher fischt unter der Konsole zielsicher die richtigen Kabel hervor, schließt sie an und drückt Lena Ganschow in sicherer Entfernung den Auslöser in die Hand. Auf Knopfdruck, so erklärt er, wird eine kleine Sprengladung gezündet, mit der Airbags auch im Ernstfall auslöst werden. Zwei laute Explosionen und die Sache ist erledigt. Erich Bucher betont jedoch, dass nur Fachleute mit pyrotechnischer Lizenz so etwas dürfen – also auf keinen Fall zuhause nachmachen!


Handarbeit ist unumgänglich
Vieles ist Handarbeit. Alles was mit "vertretbarem" Aufwand zu entfernen ist, kommt raus, z.B. Scheiben und Plastikteile. Vertretbar heißt: es muss sich rechnen.

Lackierte Plastikteile, wie z.B. Stoßstangen, stellen beim Recyclingprozess ein Problem dar.

Lackierte Plastikteile

Plastikteile sind dabei das Sorgenkind der Recyclingbranche, vor allem wenn es sich um Kunststoffmischungen handelt. Die, so erklärt der Fachmann unserer Reporterin, bekommt man oft nicht mehr getrennt. Deswegen sind sie auch nicht recycelbar. Deswegen zielt die EU-Verordnung auch hauptsächlich auf die Wiederverwertung von Kunststoffen ab. Hier soll die Automobilindustrie nachbessern und nur noch solche Plastiksorten verwenden, die problemlos zu recyceln sind.

Reif für die Schrottpresse

Das Auto in der Schrottpresse.

Das Auto in der Schrottpresse.

Zum Schluss holen Lena Ganschow und Erich Bucher alles aus dem Auto heraus, was noch als Ersatzteil taugt: Scheinwerfer, Motor, Türen. Der Rest der Karosse wandert in die hauseigene Schrottpresse. Die bringt das Blechkleid unter hohem Druck und mit martialisch-metallischem Sound in ein handliches Transportformat. Platt wie eine Flunder kommt "unser Auto" mit zahlreichen "Leidensgenossen" in einen Container und ab geht's zur Shredderanlage nach Eppingen bei Heilbronn.

Endstation Shredder
Auf dem Hof des Schrottplatzes: riesige Berge von Schrott, dazwischen aufgetürmt jede Menge zusammengefalteter Autos.

Lena Ganschow im Steuerstand der Shredderanlage.

Shredderanlage

Vertriebsleiter Manfred Fahrner zeigt Lena Ganschow das Herzstück der Firma: die Shredderanlage. Ein blaues Ungetüm mit vielen Förderbändern und einem Mahlwerk aus Stahl. Das zerhackt mit brachialer Kraft jedes Auto in kleine Stücke – und immer wieder fliegen Teile heraus, wie kleine Geschosse. Deswegen sitzt unsere Reporterin im Steuerstand der Anlage auch hinter Panzerglas. Unter fachkundiger Anleitung befördert sie einige Karossen eigenhändig in den Shredder.

Leichte Materialien, wie Polster- und Kunststoffreste, werden einfach abgesaugt und in einem Container gesammelt.

Leichte Materialien werden abgesaugt.

Hauptaufgabe des Shredders: Stoffe trennen. Leichte Materialien, wie Polster- und Kunststoffreste, werden einfach abgesaugt und in einem Container gesammelt – das sind die so genannten Shredderrückstände, die in einem Kraftwerk verbrannt werden. Ökologisch ist das zwar die schlechteste Methode, sie zählt aber trotzdem als Rohstoffverwertung, weil damit Strom oder Fernwärme produziert wird.


Rohstoffschätze: Material trennen und wieder verwerten

Viele gebrauchte Autos werden ins Ausland gebracht.

Gebrauchtwagen

Übrig bleiben wertvolle Metalle, die weitgehend automatisch getrennt werden: Stahl, Aluminium, Messing und Kupfer. Lediglich letzte materialfremde Reste werden per Hand aussortiert. Das kostet zwar, macht die Metalle aber sortenreiner und damit hochwertiger. Eine halbe Tonne Stahl, so erfährt Lena Ganschow von Manfred Fahrner, bekommt man im Schnitt aus einem Schrottauto offkreisläufe geschlossen halten", so der Experte.

In Zukunft sollten noch mehr Autos recyclet werden.

In Zukunft sollten noch mehr Autos recyclet werden.

Zudem handelt man sich mit dem Export von Altautos zwei weitere Probleme ein. Zum einen muss man befürchten, dass die Entsorgung der Karossen in anderen Ländern wenig ökologisch sein wird. Zum anderen sind diese Autos als Rohstofflieferanten für den deutschen Markt verloren. Fazit: Vermutlich ist dieser Weg nur noch so lange das bessere Geschäft, bis Rohstoffe bei uns noch knapper und noch teurer sind.

Elektroschrott

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