Abfallverwertung Aus Plastikmüll Kraftstoff machen – geht das?

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Eine Firma aus Sachsen hat eine Anlage entwickelt, mit der aus Plastikabfällen Diesel-Kraftstoff gewonnen werden kann. Die Umsetzung sei aber noch nicht ausgereift, sagt Diplom-Ingenieur Roman Maletz von der TU Dresden.

Plastikmüll ist weltweit ein Problem. Besonders im Meer, an Küsten und auf Inseln werden Kunststoffabfälle zur unkontrollierbaren Plage. Doch nun ist Hilfe in Sicht. Eine Firma aus Rossendorf bei Dresden will nicht mehr verwertbaren Plastikmüll in Kraftstoff umwandeln. Ausgelegt ist die Anlage bislang für etwas 250 Kilogramm pro Tag, aus denen 250 Liter Kraftstoff entstehen. Ein Kilo Plastik gleich ein Liter Kraftstoff, so die Rechnung.

Diplom-Ingenieur Roman Maletz vom Institut für Abfall- und Kreislaufwirtschaft der TU Dresden hat sich mit dem Verfahren beschäftigt. Das Zauberwort heißt Pyrolyse. „Es handelt sich um ein thermisches Verfahren ohne Sauerstoff. Das heißt, das Material wird vergast und es entstehen Rückstände oder energiehaltige Reststoffe, die man neben anderen Rückständen gegebenenfalls als Treibstoff verwenden kann.“ Maletz findet den Ansatz richtig, nach Lösungen für sinnvolle Entsorgungswege zu suchen, gerade bei Plastik. Doch ob das Verfahren der Firma aus Sachsen geeignet ist, „wird sich erst noch zeigen müssen“, so Maletz im Interview mit SWR2 Impuls.

WastX Plastic Anlage zur Rückverwandlung von Plastikmüll in Öl (Foto: dpa Bildfunk, dpa Bildfunk - Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa)
In der "WastX Plastic" soll Plastikmüll zurück in Öl verwandelt werden. Experten bezweifeln, ob das in der Praxis immer gut funktioniert. dpa Bildfunk - Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Technische Herausforderungen in der Vergangenheit zu groß

Das Pyrolyse-Verfahren sei nicht neu, vielmehr hätte es in den vergangenen 40 Jahren schon einige Versuche gegeben, solche Technologien an den Markt zu bringen und für große Anwendungsbereiche zu nutzen, sagt Maletz. Und ergänzt: „In Deutschland und Europa hat sich immer gezeigt, dass es sich nicht rentiert, weil die technischen Herausforderungen zu groß waren.“

Plastikberge: Teilweise dauert es einige hundert Jahre, bis Plastik vollständig zerfällt. (Foto: dpa Bildfunk, picture alliance/dpa -)
Plastikmüll besteht aus sehr unterschiedlichen Stoffen. Diese klar voneinander zu trennen ist eine große technische Herausforderung. Aber nur sortenreiner Plastikmüll lässt sich auch gut verwerten. picture alliance/dpa -


Plastik ist nicht gleich Plastik

Das größte Problem sei, dass aus der Abfallwirtschaft die verschiedensten Materialmischungen geliefert werden. Die unterschiedlichen Materialien und Plastiksorten würden sich im Rahmen komplexer chemischer Prozesse oft gegenseitig behindern. Bei der Pyrolyse entstünden deshalb unterschiedlichste Arten von Rückständen und leider nicht nur ein reiner Reststoff, der dann als Kraftstoff eingesetzt werden kann. Bei den großen kommerziellen Anlagen, die in den vergangenen Jahrzehnten in Europa etabliert werden sollten, sei man „aufgrund der Heterogenität der Stoffströme immer an Grenzen gestoßen“, so der Diplom-Ingenieur.

In den Reaktoren der Firma aus Sachsen werden die kleingehäckselten Plastikabfälle unter Entzug von Sauerstoff bei 500 Grad erhitzt, Abfälle wie Sand und Salz herausgefiltert. Am Ende tropft eine dunkle, zähe Flüssigkeit mit Diesel-Eigenschaften heraus. „Gelee Royal“, nennt Oliver Riedel, Gründer der Firma, das Endprodukt.

Oliver Riedel, Geschäftsführer der Biofabrik White Refinery GmbH (Foto: dpa Bildfunk, dpa Bildfunk - Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa)
Oliver Riedel, Geschäftsführer der Biofabrik White Refinery GmbH, steht in einer «WastX Plastic» Anlage, in der Plastikabfall zu Öl verarbeitet wird. dpa Bildfunk - Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Kleine Anlagen nicht rentabel?

Gerade mit Blick auf Inselstaaten, die unter großen Mengen an Plastikmüll leiden, sei das Verfahren noch nicht ausgereift, sagt der Abfallexperte Roman Maletz: „Das sind oft Länder, die nicht so viele Ausgaben für ihre Abfallwirtschaft oder für die Entsorgung von Müll aufbringen können“, sagt Maletz. Es sei fraglich, ob diese Länder die Mehrkosten für eine alternative Entsorgung des Plastikmülls tragen können und ob kleine Anlagen in der Kostenbetrachtung überhaupt rentabel eingesetzt werden können.
Am Institut für Abfall- und Kreislaufwirtschaft der TU Dresden begrüße man immer, wenn für die „herausfordernden Problemstellungen versucht wird, Lösungen zu finden“, sagt Roman Maletz. Ob das Verfahren der sächsischen Firma tatsächlich eine praktikable Lösung für das Problem des Plastikmülls darstellt, bleibe jedoch abzuwarten.

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