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Der römische Kaiser Augustus Architekt einer neuen Epoche

Vor 2000 Jahren, am 19. August des Jahres 14 n. Chr., starb der erste römische Kaiser: Augustus. Er selbst legte den Grundstein für seinen bis heute anhaltenden Ruhm, denn er war ein Meister der Propaganda in eigener Sache. Römische Historiker sangen Loblieder auf ihren Herrscher, auf Kosten der Wahrheit. Neu erbaute Theater, Tempel und Aquädukte verliehen seiner Hauptstadt Rom nie zuvor gesehenen Glanz. Sogar das ferne Südwestdeutschland verdankt ihm bis heute eindrucksvolle Bauten in Städten wie Trier, Mainz und Köln.

Tauben auf der Augustus-Statue in Augsburg

Als Landeplatz nutzen drei Tauben in Augsburg die Statue des römischen Kaisers Augustus, der in Jahr 15 vor Christus Augsburg gründete

Marmor - mit diesem Stein ließ Augustus seine Hauptstadt Rom einst prunkvoll erneuern: So wollte er aller Welt kundtun, dass mit seiner Herrschaft eine bessere Zeit begonnen hatte. Zugleich veränderte er das Aussehen der Stadt durch den Bau neuer Monumente und die großzügige Verwendung von Marmor radikal. Welchen Wandel das Erneuerungsprogramm des Kaisers auslöste, erkennt man in Museen und Straßen der italienischen Hauptstadt, aber auch in der fernen deutschen Provinz noch heute. Dahinter stand eindeutig eine politische Absicht. Als Augustus 44 vor Christus im Alter von 19 Jahren die politische Arena betrat, war die alte römische Republik bereits unrettbar zerstört. Er setzte sich dann mit Zähigkeit, Skrupellosigkeit und einer außerordentlichen politischen Intelligenz in den anhaltenden Machtkämpfen rivalisierender Heerführer durch.

Das ehrwürdige Forum Romanum liegt ganz in der Nähe des Augustus-Forums. Wie das sakrale und lange auch politische Zentrum des römischen Gemeinwesens einst aussah, kann man sich kaum noch vorstellen. Das unübersichtliche Ruinenfeld ist bedeckt mit Bauresten aus vielen Jahrhunderten: Fundamenten von Tempeln und Versammlungshallen, mal rund, mal dreieckig, mit Säulenstümpfen und mit Treppen, die nirgendwohin führen. Möwen kreisen darüber, auf der Jagd nach Essensresten, die zigtausende internationale Besucher auf dem ermüdenden Weg durch das Gewirr zurücklassen.

Luftaufnahme vom Kolosseum in Rom, Italien

Luftaufnahme vom Kolosseum in Rom, Italien

Brot und Spiele, tatsächlich

Die politische Botschaft des augusteischen Bauprogramms richtete sich vornehmlich an die Elite, die reichen, gebildeten Patrizierfamilien. Aber beide, Augustus und sein Vorgänger Cäsar, wussten, dass sie auch die römischen Volksmassen für sich gewinnen mussten. Sie zogen die Bevölkerung der Hauptstadt mit "Brot und Spielen" auf ihre Seite.

Die abgegriffene Formel passt nach wie vor, meint Klaus Freyberger, denn die Herrscher ließen in Rom Getreide verteilen und Theater bauen: Das Marcellus-Theater für Schauspiele und auch – so eine neue These des Archäologen - das große römische Amphitheater für Gladiatorenkämpfe und Tierhetzen, das Colosseum.

Anders als Cäsar stellte sich Augustus nicht mit spektakulären Neubauten in den Vordergrund, sondern ließ meist Vorhandenes restaurieren und veredeln. Das war ein kalkulierter Grundzug seiner öffentlichen Selbstdarstellung. Sein persönlichstes, innovativstes Projekt war die Ara Pacis. Der "Altar des Friedens" liegt außerhalb des alten Stadtzentrums nahe dem Tiber an der ehemaligen Via Flaminia, der Ausfallstraße nach Norden.

Eine Reise durch die Geschichte

Eine Reise durch die Geschichte: Bis zum 27.09. 2014 wird die Lichtausstellung "Augustusforum - 2000 Jahre später" in Rom gezeigt

Planung der Erinnerung

Augustus ließ die Anlage 9 vor Christus einweihen, als er seine Herrschaft endgültig gesichert und das Reich durch mehrere Angriffskriege vergrößert hatte. Der Bau hat eine schlichte Grundform, ein Viereck aus Marmorwänden. Eine marmorne Freitreppe führt in den leicht erhöhten Innenraum, in dem der Altar steht. Die Wände sind mit kunstvollen Reliefbildern geschmückt: Sie vermitteln das Konzentrat von Augustus' Ideologie, die Begründung und Rechtfertigung seiner Herrschaft, erläutert Professor Ortwin Dally, Direktor des Deutschen Archäologischen Instituts in Rom.

In einer unteren Zone sieht man noch heute eine überbordende Ornamentik von Pflanzen, Ranken, Akanthusgewächsen, durchsetzt mit Vögeln, Schwänen vor allem, die von einem wunderbaren friedvollen Zeitalter künden, einer Zeit, so die Botschaft, die mit Augustus' Herrschaft begann.

Doch er stellte sich selbst nicht in den Mittelpunkt, sondern ordnete sich mit demonstrativer Bescheidenheit der Idee des Friedens unter. Der obere Teil der Wände zeigt eine Prozession von Priestern in traditioneller altrömischer Kleidung, dahinter folgt die Familie des Augustus, an der Spitze eine große, schlanke Figur, deren Körper nur zur Hälfte erhalten ist: Augustus.

Zwei Wächter vor dem "Ara Pacis", dem Altar des Friedens

Zwei Wächter vor dem "Ara Pacis", dem Altar des Friedens

Blutige Vergangenheit

Mit diesem Bildprogramm postulierte Augustus eine religiöse Erneuerung des Staates, auf der Basis altrömischer Werte wie Tugend, Tapferkeit und Milde. Er musste sich von den Jahren der Rechtlosigkeit und Gewalt am Ende der Republik absetzen – gerade weil er selbst in einem blutigen Bürgerkrieg an die Macht gekommen war.

Augustus war ein Meister propagandistischer Selbstdarstellung - weit über seine Bauten hinaus. Der Kaiser und seine Berater prägten auch die bildliche Kommunikation, das Medium, das in den Zeiten vor Erfindung des Buchdrucks am weitesten verbreitet war. Münzbilder des Kaisers hatte jeder in seinem Geldbeutel, im ganzen römischen Reich, erzählt Claudio Parisi-Presicce, Superintendent für Kulturgüter in Rom.

Differenzierter war aber die Bildsprache der Kaiser-Statuen, die in allen Provinzen von Nordafrika bis Britannien zu Tausenden aufgestellt wurden. Parisi-Presicce, zuständig für die Kulturgüter Roms und zugleich Direktor der Capitolinischen Museen, hat einige der schönsten Augustus-Statuen in seiner Sammlung.

Zerzauste Frisur in Stein

Plastik des Kopfes des römischen Kaisers Augustus

Eine Plastik des Kopfes des römischen Kaisers Augustus, die 1961 bei Ausgrabungsarbeiten in Mainz gefunden wurde

Wie sich der Herrscher darauf charakterisieren ließ, erläutert seine Kollegin Dr. Annalisa Lo Monaco. In einem Portrait aus den Capitolinischen Museen sieht man ihn noch jugendlich, aber schon gefestigter als in frühen Darstellungen, in einer Pose wie ein hellenistischer General. Es erinnert an Bilder Alexanders des Großen und seiner Nachfolger und stellt den Sieger einer Schlacht dar, voller Energie, voller Kraft.

Die Haare sind jugendlich zersaust, aber der strenge Blick und der entschlossene Zug um den Mund machen klar: Der Mann hat ein Ziel und wird es auch erreichen. Dieser Typ des Portraits wurde 31 vor Christus eingeführt, nach dem Sieg über Marc Anton, den letzten großen Rivalen, in der Seeschlacht bei Actium. Doch die kriegerischen Konnotationen schienen dem Kaiser bald nicht mehr passend und er ließ Vorgaben für neue Portraits entwickeln.

Die Portraits des berühmten Primaporta-Typs sind nach einem herausragenden Standbild in den Vatikanischen Museen benannt. Sie zeigen den Kaiser staatsmännisch, entspannt, mit der rechten Hand gelassen in die Ferne weisend. Obwohl er einen prunkvollen Panzer trägt, wirkt er weniger militärisch als früher.

Trier - Die älteste deutsche Stadt

Trier - die älteste deutsche Stadt, ihr ursprünglicher Name war "Augusta Treverorum"

Schrift, Recht und Steuern

Zeugnisse von Augustus' Wirken finden sich bis heute quer durch Europa. Auf seinen Befehl unterwarfen die fast unbesiegbaren Legionen weite Teile des Kontinents und etablierten römische Kultur: den Steinbau und die Schrift, das Recht und die Steuereintreiber. Im Germanenland zwischen Rhein und Elbe konnten sich die Römer nicht halten.

Doch die jahrhundertelange römische Besiedlung im Westen und Süden Deutschlands geht auf Augustus zurück. Er kann als Gründer vieler deutscher Städte westlich des Rheins und südlich der Donau gelten. Zu den ältesten zählen Augsburg und Kempten, Mainz und Köln – die erste und bedeutendste aber war Trier.

Über dem antiken Forum am Viehmarkt, einst das soziale, wirtschaftliche und religiöse Herz der römischen Stadt, steht heute der gesichtslose Bau eines Veranstaltungszentrums. Auf dem weiten Platz davor zeigt die rot abgesetzte Pflasterung aber noch die breite römische Straße an, auf der die Trierer Bevölkerung vor rund 2000 Jahren zum Forum kam.

Empfang unter hoher Decke

Hier lag das Zentrum der Stadt – bis sie Ende des 3. Jahrhunderts zur Kaiserresidenz erhoben und gründlich umgebaut wurde. Das Imperium steckte damals in einer tiefen politischen und wirtschaftlichen Krise, die Regierung wurde für einige Jahrzehnte auf mehrere Kaiser verteilt. Einer der neuen Herrscher richtete seine Residenz in Trier ein und ließ auf dem höchsten Punkt des Stadtgebietes den Bau einer gewaltigen neuen Palastanlage beginnen.

Doch nur die "Basilika" haben die Römer vollendet, eine riesige Halle aus rötlichem Ziegelstein mit zwei über einander liegenden Reihen hoher Rundbogenfenster. Wer den über dreißig Meter hohen Saal betritt ahnt, welchen Effekt der Bau in der Antike hatte: Wahrscheinlich empfing der Kaiser hier Abgesandte aus fremden Staaten und fernen Provinzen. Sie mussten einen scheinbar endlosen, luxuriös dekorierten Raum durchqueren, ihre Schritte hallten von den hohen Wänden wider und sie dürften beeindruckt, ja, auch eingeschüchtert gewesen sein, wenn sie schließlich dem Herrscher auf seinem Sitz in der Apsis ihre Referenz erweisen konnten.

Nirgendwo sonst in Deutschland lässt sich der Stil imperialer Architektur so gut nacherleben, den Augustus, der erste römische Kaiser, einführte und den seine Nachfolger jahrhundertelang immer aufwändiger weiterentwickelten. Auch wenn der Marmor inzwischen verschwunden ist.