Sicherheit im OP

Narkosemittel wird knapp

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Das Interview führte Christoph König, Onlinefassung: Ralf Caspary, Ralf Kölbel.

Sind noch Reserven da?

In Deutschland wird das Medikament Ultiva knapp, das zur Narkose eingesetzt wird. Zum Glück gibt es keine Gefahr für die Patienten, doch wie ist der Engpass möglich? SWR 2 Impuls im Gespräch mit Götz Geldner, Präsident des Berufsverbandes Deutscher Anästhesisten e.V..

Wie ernst ist die Lage?

Geldner: Das kann ich nicht in Gänze beantworten, es scheint so zu sein, dass viele der niedergelassenen Kollegen und auch die Kollegen in kleineren Krankenhäusern schon kein Ultiva mehr haben oder nur noch Restbestände, und um Ultiva geht es ja, denn da ist der wichtige Wirkstoff Remifentanil drin.

Wozu führt dieser Engpass?

Natürlich ist für uns die Patientensicherheit am wichtigsten, das ist klar, das heißt: Wir müssen auf andere Medikamente umsteigen, wir müssen also das bisherige gute System ändern, wir müssen ältere Mittel nehmen. Das ist so, als müssten sie zum Briefeschreiben wieder vom PC auf die Schreibmaschine umsteigen, das geht, aber hat doch einige Probleme: Es muss zwar keine OPs abgesagt werden, aber der Vorteil von Ultiva war die hohe Steuerbarkeit, die Anpassung an die Höhe des Schmerzes, und das Mittel hatte deshalb kürzere Aufwachphasen zur Folge, also die Patienten wachen nach der OP mit Ultiva schneller auf, das ist jetzt mit älteren Mitteln jetzt anders.

Was sind die Gründe für den Engpass?

Wir haben schon vor Monaten auf den Engpass hingewiesen, der große Hersteller hat uns gegenüber geäußert, es habe eine Fabrik in Italien gebrannt, die diesen Wirkstoff ausliefert, also deshalb könne man nicht mehr liefern. Ich muss natürlich das glauben.

Ist so etwas bei anderen Mitteln auch schon mal vorgekommen?

Ja, im Bereich der Antibiotika gab es dramatische Engpässe, es gab auch in der Anästhesie vereinzelt so etwas, aber das jetzige Ausmaß ist mir nur von Antibiotika auf der Intensivstation bekannt.

Warum bekommt die Schweiz noch das Mittel?

Das habe ich auch gehört, die Schweiz wird gut beliefert, ich habe auch gehört, der Preis für das Medikament ist in der Schweiz doppelt so hoch wie der in Deutschland. Ob das eine Ursache ist, das weiß ich nicht.

Sollte man nicht zukünftig in Deutschland Medikamentenreserven anlegen?

Wir müssten zumindest einen Basisbedarf wichtiger Medikamente in Deutschland garantieren, wenn man schon viel Geld mit Medikamenten verdient, dann sollte das doch seitens der Pharmakonzerne möglich sein. Ob eine Reserve gut ist, weiß ich nicht, da gibt es ja dann wieder Kosten für längere Lagerung etc.

Muss man sich als Patient Sorgen machen?

Nein, es gibt Alternativpräparate, die wir jetzt anwenden im Dienste der Patientensicherheit, es kann zu etwas verlängerten Aufwachphasen im Aufwachraum oder im ambulanten OP-Zentrum kommen, aber eine Gefährdung durch diese älteren Medikamente, auf die wir jetzt zurückgreifen, gibt es in keiner Weise.

 

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Das Interview führte Christoph König, Onlinefassung: Ralf Caspary, Ralf Kölbel.