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Immer mal wieder ein bisschen Magenknurren kann gut tun. Wiederholtes Fasten in kurzen Abständen fördert den Stoffwechsel, beugt Herzinfarkten und Schlaganfall vor und soll sogar Multiple Sklerose, Morbus Parkinson und Demenz entgegenwirken.

Intervall-Fasten - Was ist das überhaupt?

Das sind kurze Hungerphasen, über die Woche verteilt. Um das Abnehmen geht es dabei, zumindest in erster Linie, gar nicht - sondern um die Gesundheit. Denn Studien legen nahe: Es hilft effektiv, Krankheiten zu verhindern und jünger alt zu werden. Dass zeitweilige Hungerphasen dem Körper gut tun, beobachten Mediziner schon länger.

Aber 3 Wochen im Kloster bei Tee und klarer Suppe – wer macht das schon? Mit dem Intervall-Fasten scheint jetzt aber eine Methode gefunden zu sein, mit der es auch im Alltag klappen könnte, sagt Andreas Michalsen, Leiter der Abteilung Naturheilkunde am Immanuel Krankenhaus Berlin.

Wiederholtes Fasten in kürzeren Abständen – das heißt Intervall-Fasten oder auch intermittierendes Fasten. Und das geht so: 5 Tage die Woche ganz normal essen, 2 Tage nur 500 Kilokalorien. Oder 2 Tage normal essen, dann einen Tag fasten. Und das immer im Wechsel.

Gesunder Hunger

Auch Annette Schürmann, Diabetesforscherin am Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam-Rehbrücke, findet: Ein bisschen Hunger zwischendurch schadet nicht. Schließlich ist der Mensch durch die Evolution so programmiert, dass er längere Hungerperioden überstehen muss.

Denn früher gab es Ernteausfälle oder Zeiten im Winter, wo nicht viel Nahrung zur Verfügung stand. Und in uns allen schlummerten immer noch die Gene unserer Vorfahren, sagt sie. Und deswegen seien Hungerphasen viel natürlicher als unsere aktuelle Lebensweise.

Annette Schürmann hat es an Mäusen beobachten können. Mäuse, die jeden zweiten Tag nichts zu fressen bekamen, waren besser vor Diabetes geschützt als Mäuse, die jeden Tag futterten. Durch das Intervall-Fasten wird der Stoffwechsel wieder ins richtige Lot gebracht.

Intervall-Fasten ist auch gut für den Stoffwechsel von Mäusen (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Intervall-Fasten ist auch gut für den Stoffwechsel von Mäusen Foto: Colourbox.de -

Gesunde Gewichtsabnahme

Denn intervall-fastende Mäuse verbesserten ihre Leberwerte und konnten zudem Insulin wieder besser verarbeiten – zwei wichtige Maßnahmen, um Diabetes zu entkommen. Und abnehmen kann man mit Intervall-Fasten natürlich auch.

Denn sobald die Energieaufnahme reduziert ist - dann nimmt man auch ab. Das ist gar nicht unbedingt das vorderrangig Positive, sondern stattdessen, dass der Stoffwechsel sich verbessert. Aber Personen, die über 3 Monate ein Intervallfasten durch führen, wie mit dem Modell 5zu2, verlieren etwa 6,5% ihres Körpergewichts.

Das eigentlich Interessante ist für Forscher wie Annette Schürmann nicht die Bikini-Figur, sondern die Zell-Gesundheit. Und auf die scheint das Intervall-Fasten durchaus günstige Effekte zu haben. Im Fastenmodus springt nämlich ein Selbstreinigungsprogramm der Körper-Zellen an. Es heißt Autophagie, was so viel bedeutet wie Selbstverdauung.

Urlaub für die Zellen

Die Zelle wandelt dann verbrauchten Eiweißmüll in frische Moleküle um. Bei normaler Nahrungsaufnahme und Energieverwertung hat die Zelle keine Zeit für den Reparaturmodus. Beim Fasten aber schon, so kann sich die Zelle wieder regulieren und regenerieren. Das geschieht aber nur, wenn gerade kein Insulin zirkuliert - der Körper also nicht mit der Verdauung beschäftigt ist.

Der Japaner Yoshinori Oh-sumi hat für die Erforschung der Autophagie im vergangen Jahr den Nobelpreis für Medizin bekommen. Noch weiß man zu wenig darüber, um Fasten als Jungbrunnen für die ewige Jugend empfehlen zu können. Sicher scheint aber eins: Es kann helfen, Krankheiten vorzubeugen.

Im Intervall-Fasten liegt das gesundheitliche Potential in der Vorbeugung von Herzinfarkt, Schlaganfall – oder auch von Erkrankungen, die dazu führen, wie Bluthochdruck, Diabetes. Ein zweites spannendes Einsatzgebiet sind neurologische Erkrankungen, also Multiple Sklerose, Morbus Parkinson und sogar Demenz.

Viele Studien zum Intervall-Fasten sind gerade erst angelaufen. Andreas Michalsen rechnet in bereits zwei Jahren mit den ersten Ergebnissen.

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