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Am 3. Dezember 1992 wurde die erste SMS verschickt. Auch, wenn sie nicht mehr so stark genutzt wird wie noch vor einigen Jahren – es gibt sie noch, die SMS. 25 Jahre – für ein technisches Produkt ist das fast schon eine Ewigkeit.

Als Ingenieure in den 1980er Jahren einen europäischen Mobilfunkstandard entwickelten, kam ihnen die Idee, nicht nur Sprache zu übertragen, sondern auch Text – als kleine, unbedeutende Zusatzfunktion. 160 Zeichen ließen sich ohne großen technischen Aufwand übertragen. So fing alles an. Die erste SMS, die schließlich verschickt wurde, am 3. Dezember 1992, nutzte den Platz nicht ganz. Ihr Text, verschickt von einem Computer an ein britisches Handy, lautete bloß: „merry christmas“ -„Frohe Weihnachten“.

Text der ersten SMS auf einem Handydisplay (Foto: SWR, SWR1 - SWR1/ M. Netscher)
Text der ersten SMS auf einem Handydisplay SWR1 - SWR1/ M. Netscher

Von der Innovation in den Alltag

Das war 1992. Zehn Jahre später – im Jahr 2002 – war das ursprüngliche Nebenprodukt SMS aus dem Alltag vieler Menschen nicht mehr wegzudenken. Statt eines Anrufs: schnell eine SMS. In der Bahn, im Meeting, in der Schule unterm Tisch: eine SMS. Verabreden? Schlussmachen? SMS! Es piepte und summte überall. SMS-Töne gab es, je nach Gerät und persönlicher Vorliebe, von klassisch bis „special interest“.

Schnelle Nachricht , schnell vertippt

Die schnelle Kommunikation per SMS war praktisch. Etwas unpraktisch hingegen war, dass man die Kurznachricht über den Tastenblock des Handys eingeben musste. Nur 9 Tasten für das ganze Alphabet. 1999 versuchen die Hersteller, Abhilfe zu schaffen: Bei T9, kurz für „Text auf 9 Tasten“, erkennt eine Software, welches Wort man schreiben will. Doch dieselbe Tastenfolge kann zu verschiedenen Wörtern führen.

Schnell getippt und abgeschickt, entsteht so ein Kulturphänomen der 2000er Jahre: SMS mit falschen Wörtern. So wird aus ‚Ich muss nur noch kurz den Papi abholen’ durch die Autokorrektur schnell mal: ‚Ich muss nur noch kurz den Sarg abholen’. Dann weiß der andere auch nicht, was man dem sagen wollte, das geht am Telefon einfach besser.

Emotionen aus Satzzeichen

Um mit 160 Zeichen auszukommen, hat sich ein eigener Jargon entwickelt. Smileys aus Satzzeichen zeigen die Stimmung an, mit dem Buchstaben N und einer 8 wünscht man: „Gute Nacht“. Wenn etwas witzig ist, schreibt man: „LOL“ für „laughing out loud“, lautes Lachen. Und Zuneigung drückt man aus mit: „HDL“ für „Hab’ dich lieb!“.

Im Jahr 2012 ist die SMS in Deutschland beliebt wie nie zuvor: In diesem Jahr werden rund 60 Milliarden SMS verschickt. Doch es ist der letzte Höhenflug der SMS. 2013 beginnt ihr Niedergang.

Niedergang der SMS

Schuld sind unter anderem Smartphones, mit denen Menschen sich jetzt Nachrichten über das Internet schicken können, über Dienste wie Facebook oder Whats App. Die klassische SMS ist vergleichsweise teuer und behäbig. Und es kommt noch bitterer für die SMS. Lange Zeit gilt sie als sicher und unabhörbar. Banken versenden deshalb beim Online-Banking Transaktionsnummern, TAN, per SMS. Bis Hacker und Kriminelle zeigen, wie man SMS abfangen kann.

Emojis auf dem Display eines Smartphones (Foto: SWR, SWR -)
Emojis auf dem Display eines Smartphones SWR -

SMS hat auch Vorteile

Trotzdem ist die SMS noch nicht ausgestorben. Immerhin sind im letzten Jahr noch 12,7 Milliarden SMS in Deutschland verschickt worden. Die gute alte SMS hat nämlich einen entscheidenden Vorteil gegenüber schicken, schnellen, angesagten Messenger-Apps: Sie ist ein Standard im Mobilfunknetz.

Man braucht zum Verschicken und Empfangen von SMS-Nachrichten keine WLAN-Verbindung oder sonstige Datenverbindungen. Da reicht auch eine sehr geringe Netzabdeckung zum Verschicken einer SMS aus. Das ist ein hoch standardisiertes Produkt, welches völlig unabhängig vom verwendeten Handy verwendet werden kann. In den entlegensten Winkeln, wo es kein Internet gibt, kann man Facebook und WhatsApp vergessen. Aber eine SMS kommt durch.

Auch, wenn sie nicht mehr so stark genutzt wird wie noch vor einigen Jahren – es gibt sie noch, die SMS. 25 Jahre – für ein technisches Produkt ist das fast schon eine Ewigkeit.

Alles Gute zum Geburtstag – zum 25. –, gute, alte SMS.

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