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Das Misstrauen gegen das Herbizid wächst

Gerade berät das EU-Parlament über das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat. Doch der größte Glyphosat-Produzent, der Agrarkonzern Monsanto, hat seine Teilnahme verweigert. Stattdessen haben mehrere unabhängige Wissenschaftler im EU-Parlament vor der Krebsgefahr von Glyphosat gewarnt. Sie bezweifelten die offizielle Einschätzung der EU-Behörden für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und für Chemikalien (ECHA), wonach das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel nicht krebserregend sei. Landwirte aber sehen derzeit keine Alternative zum Glyphosat.

Wer im Herbst an Ackerflächen vorbeifährt, denkt vielleicht im ersten Moment "da blüht ja was!". Doch die goldgelbe Farbe einiger Felder kommt nicht von Blumen. Das gelb verfärbte Gras ist ein deutliches Indiz, dass hier Glyphosat verwendet wird. Obwohl es ist nicht gerade umweltfreundlich ist, bleibt das Totalherbizid das Meistgenutzte in Deutschland. Besonders im Herbst werden Herbizide mit Glyphosat vermehrt genutzt. Denn für Landwirte hat das Pestizid willkommene Vorteile: Das, was der Bauer Unkraut nennt, wird vernichtet und bestimmte Getreideviren kommen dank der Behandlung mit Glyphosat nicht ins nächste Jahr. Virale Krankheiten können so verhindert werden. Doch Glyphosat schadet der Artenvielfalt und dem Boden. Studien belegen, dass es das Grundwasser zudem stärker belastet als bisher angenommen. Bessere Alternativen gibt es jedoch wenige, andere chemische Pestizide sind teuer und teilweise noch gefährlicher für die Umwelt.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:15 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Die Alternative: Zurück zum Pflügen

Statt Herbizide einzusetzen, könnten Landwirte den Ackerboden traditionell mit einem Pflug bearbeiten und dadurch das Unkraut klein halten. Doch es gibt zahlreiche Gegenargumente: Landwirtschaftliche Beratungen raten für Äcker in Hanglage vom Pflügen ab, denn gewendete Erde sei anfälliger für Erosion und könne bei starken Regenfällen abgetragen werden. Außerdem wird durch den Spritverbrauch deutlich mehr CO2 freigesetzt. Die mechanische Bearbeitung des Bodens ist und bleibt vor allem zeitaufwändiger: fünf- bis zehnmal länger dauert sie im Vergleich zur Behandlung mit Glyphosat, für Großbetriebe deutlich zu lange.

Eine andere Alternative wäre eine feinere Gliederung der Fruchtfolge. Statt des üblichen Wechsels von Gerste, Weizen und Zuckerrüben also einen vielfältigeren Anbau. Dann könnte die Landwirtschaft auch ohne Glyphosat besser klarkommen. Doch in Zeiten von Großbetrieben ist auch das schwer umzusetzen.

Glyphosat (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - picture-alliance / dpa)
Ungefähr 30 bis 40 Prozent aller Herbizide enthalten Glyphosat picture-alliance / dpa - picture-alliance / dpa

Mit Unkraut zu leben ist für die Landwirte keine Lösung

Unkraut ist auf dem Acker eine Konkurrenz zur Kulturpflanze. Diejenigen Pflanzen, mit denen gewirtschaftet wird, bekommen weniger Nährstoffe ab. Unkraut und Kulturpflanzen gemeinsam auf einem Feld bedeutet Einbußen von 55 bis 89 Euro pro Hektar. Das sind etwa 10% des zu erwartenden Ertrags. Kein Landwirt kann und will sich das leisten.

Wie wichtig aus Sicht der Landwirte glyphosathaltige Pestizide sind, wird bei dem Streit um die Wiederzulassung auf EU-Ebene deutlich. Der französische Präsident Emmanuel Macron will das Mittel verbieten - französische Bauern protestieren massiv dagegen: Der Verzicht auf Glyphosat würde sie bis zu zwei Milliarden Euro kosten. Europaweit sind sich Landwirte einig: Das Herbizid muss bleiben. Die deutsche Regierung hat zu Glyphosat bisher keine Meinung, CDU und CSU waren für die Wiederzulassung und die SPD bislang dagegen.

Was denken die Parteien über Glyphosat?

Greenpeace hat in einem Wahlkompass zur Bundestagswahl 2017 die Parteien zu zentralen Umweltproblemen zusammengestellt.

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