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Schon Oma setzte Natron überall im Haushalt ein: zum Putzen oder auch gegen einen übersäuerten Magen. Aber wo ist es wirklich nützlich?

Natron - im Supermarkt steht es neben Backpulver und anderen Backtriebmitteln. Ein Päckchen mit schneeweißem Pulver, etwas feiner noch als Speisesalz. Natron ist der allgemeine oder triviale Name für eine Bindung, die Natriumhydrogencarbonat heißt.

Natriumhydrogencarbonat hat die Formel NaHCO3. Unsere Großmütter kannten das auch als Speisesoda, Sodium oder Natriumbicarbonat. Im Internet gibt es unzählige Seiten mit Tipps, wie man Natron im Haushalt oder für die Körperpflege einsetzen kann.

Aber was ist wirklich dran?

Es eignet sich vor allem als Scheuermittel. Und das funktioniert sowohl für Töpfe, in denen Essen angebrannt ist als auch für einen fettverkrusteten Grillrost oder dreckige Fliesen. Das sagt Axel Klein, Professor für Anorganische Chemie an der Uni Köln.

Das Natriumhydrogencarbonat ist ein sehr geeigneter Feststoff, um mechanisch Schmutz zu lösen, so wie man es mit anderen Feststoffen tun könnte. Früher hat man zum Beispiel auch mit Sand geschrubbt. Allerdings ist es viel schwieriger, Sand nach dem Schrubben wieder loszuwerden. Anders bei Natron. Das löst sich in Wasser auf und lässt sich einfach wegwischen. Obendrein ist es umweltfreundlich.

Putzmittel auf einer Bank (Foto: SWR, SWR - Jochen Sülberg)
Putzen geht auch ohne Chemiekeule SWR - Jochen Sülberg

Ulla Hastreiter, Apothekerin aus Konstanz, stimmt zu, denn auch in Zahnpasta wurde Natron verwendet. Durch den reibenden Effekt konnten die Belege entfernt werden. Nur sollte man bei der Zahnpflege sehr vorsichtig damit sein. Zuviel Natron kann dem Zahnschmelz und auch dem Zahnfleisch schaden.

Natron gegen Kater

Natriumhydrogencarbonat hilft nach einer durchzechten Nacht. Gegen die Kopfschmerzen kann Natron zwar nichts machen, aber es lindert eine Begleiterscheinung: Durch den basischen Wert von Natron entsäuert es den Magen nach dem Genuss von Alkohol.

Die Apothekerin Ulla Hastreiter gibt aber auch wieder zu bedenken, dass zu viel Natron in diesem Fall das Gegenteil bewirken könnte. Das Magenmilieu schlägt ins Basische rüber, das wird zu basisch. Und das reguliert der Körper, in dem er Säure nachproduziert. Also es ist so ein bisschen kontraproduktiv.

Backpulver (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Natron macht den Magen basisch - das hat nicht nur positive Effekte Foto: Colourbox.de -

Wenn man zur Übersäuerung neigt, sollte man ein anderes Präparat nehmen, das nicht so stark basisch wirkt. Natron neutralisiert außerdem schlechte Gerüche. Es hilft zum Beispiel, wenn es aus dem Abfluss stinkt. Gegen jede Art von Biofilm, die durch Bakterien zusammengehalten werden, hilft alles, was antibakteriell ist. Das heißt: Entweder mit Säuren oder Basen Bakterien töten.

Natron ist basisch

Also: Ein bis zwei Löffel Natron in den Abfluss streuen. Einwirken lassen und anschließend mit Wasser nachspülen. Sobald die Bakterien tot sind, hält der Biofilm nicht mehr zusammen und kann dann entfernt werden.

Natron ist also eine Art Wundermittel für den Haushalt. Denn es ist ein ziemlich simpler anorganischer Stoff, der sich vielfältig einsetzen lässt, günstig ist und auch noch umweltfreundlich.

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