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Bruchlandung auf dem Mars. Neue erdähnliche Planeten entdeckt. In den sprichwörtlich so unendlichen Weiten des Weltraums hat sich 2016 so einiges abgespielt. Guido Meyer präsentiert die "himmlischen Highlights" der letzten zwölf Monate...

14. März 2016, , Russlands Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan. Die europäisch-russische Mission ExoMars beginnt ihre siebenmonatige Reise zum Roten Planeten.

Bruchlandung auf dem Mars

Schiaparelli sei auf dem Weg zum Mars, sagt Jorge Vago, ExoMars-Projektwissenschaftler am europäischen Weltraumforschungszentrum ESTEC im holländischen Noordwijk. Schiaparelli ist der Name der Abstiegskapsel, die auf dem Mars landen sollte: Nach dem Überschallflug durch die Atmosphäre, wenn wir ungefähr sieben Kilometer über der Oberfläche sind, wird sich der Fallschirm öffnen. Mit ihm wird die Sonde heruntergleiten bis auf etwa einen Kilometer Höhe.

Genau dann sollte der Gegenschub einsetzen und die Geschwindigkeit der Sonde auf sieben Kilometer pro Stunde drosseln. Bis hierhin hat wohl auch alles geklappt. Aber anscheinend hat sich das Bremstriebwerk viel zu früh wieder abgeschaltet. Damit dürfte Schiaparelli ungebremst auf den Mars aufgeschlagen sein. Totalschaden.

Auf Tuchfühlung mit einem Asteroiden

Doch nicht nur den Planeten galt im Weltraumjahr 2016 die Aufmerksamkeit. Auch Asteroiden und Kometen haben eine Rolle gespielt. Im September startete die amerikanische Raumfahrtbehörde NASA die Sonde OSIRIS-REx.

OSIRIS-REx soll einen Asteroiden aus nächster Nähe untersuchen, wie Alexander May vom Raumfahrtkonzern Lockheed Martin erläutert, der die Sonde gebaut hat.
OSIRIS-REx ist die erste Mission der NASA, die Proben eines Asteroiden zur Erde fliegen soll. Wir werden zu einem Asteroiden fliegen, der die Bahn der Erde kreuzt. Zunächst wollen wir Material seiner Oberfläche entnehmen und dieses schließlich hierher bringen.

Teilerfolg der Rosetta-Mission

Im auslaufenden Jahr sind aber nicht nur neue Missionen gestartet – eine besonders erfolgreiche ging zu Ende. Europas Raumsonde Rosetta hat im September auf dem Kometen Tschurjumow-Gerasimenko aufgesetzt. Wie erwartet brach danach der Funkkontakt zu ihr ab. Dies sei jedoch alles andere als ein unbefriedigendes Ende der Mission, bilanziert der britische Astrophysiker Matt Taylor von Europas Weltraumagentur ESA. Das war eine wissenschaftlich außerordentlich erfolgreiche Mission, und sie wird noch erfolgreicher werden, weil noch nicht alle Daten ausgewertet sind. Wir haben jetzt mehr Datenmaterial, als alle anderen Kometenmissionen zuvor insgesamt gesammelt haben. Ja, diese Mission ist zuende, aber die wissenschaftlichen Ergebnisse hören hier nicht auf.

Neuer Planet entdeckt

Asteroiden, Kometen und die bekannten Planeten des Sonnensystems – alles viel zu langweilig für Konstantin Batygin, Astronom am California Institute of Technology. Und viel zu nah. Er hat stattdessen den Kuiper-Gürtel beobachtet, jene Ansammlung von Millionen von Eis- und Gesteinsbrocken am Rand des Sonnensystems. Wir haben entdeckt, dass sich die Umlaufbahnen vieler Objekte des Kuiper-Gürtels erklären lassen, wenn es einen neunten Planeten gibt. Er muss sich außerhalb der Umlaufbahnen aller anderen Planeten befinden.

Im Kuiper-Gürtel beschreiben sechs Zwergplaneten extrem elliptische Umlaufbahnen um die Sonne. Ihr sonnenfernster Punkt zeigt bei allen in die gleiche Richtung. Und ihre Orbits sind alle um dreißig Grad gekippt. Die Wahrscheinlichkeit, dass das Zufall ist, läge bei eins zu einhundert, argumentiert der Astronom Mike Brown, ebenfalls vom CalTech in Pasadena. Die einzige Möglichkeit, diese Zwergplaneten alle auf ähnliche Umlaufbahnen zu zwingen, ist ein massiver Planet. Seine Schwerkraft würde die Orbits der kleineren Objekte bestimmen, während sie die Sonne umkreisen.

Erdähnlicher Planet Proxima b

Und nicht einmal der Rand des Sonnensystems war 2016 der Ereignishorizont für Astronomen. Denn auch vom benachbarten Sternsystem Alpha Centauri gab es Neues. Einer seiner drei Sterne, Proxima Centauri, trägt seinen Namen, weil er der Stern ist, der der Sonne am nächsten ist. Wir haben einen Planeten um Proxima Centauri entdeckt. Er umkreist seinen Stern alle elf komma zwei Tage.

Ein Jahr auf diesem Planeten dauert also nur wenig mehr als elf Tage, erklärt Guillem Anglada-Escudé von der Queen Mary University of London. Der Astrophysiker ist einer der Entdecker von Proxima b – so der Name dieses neuen exosolaren Planeten. Er habe sich bislang nur indirekt bemerkbar gemacht, durch Schwankungen seines Sterns Proxima Centauri, ergänzt Ansgar Reiners vom Institut für Astrophysik der Universität Göttingen: Der Planet ist sehr wahrscheinlich erdähnlich. Das heißt, er hat eine feste Oberfläche. Er besteht also nicht aus Gas. Wir wissen aber nicht, ob er eine Atmosphäre hat und ob es auf ihm flüssiges Wasser gibt.

Flüssiges Wasser gilt gemeinhin als Grundlage für Leben. Ob auf Proxima b wirklich etwas kreucht und fleucht – das werden vielleicht schon in den kommenden Jahren neue und stärkere Teleskope ausspähen können.

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