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Riesige Mengen an Plastikmüll gelangen ins Meer. Besonders große Sorgen machen sich Forscher um kleine Kunststoffteile, auch "Mikroplastik" genannt. Diese Teile sind so winzig, dass sie auch von kleinen Meeresbewohnern aufgenommen werden und sich damit in der Nahrungskette anreichern können. Nun berichten schwedische Forscher im Fachmagazin "Science", dass auch Fischlarven massiv unter diesem Kleinst-Plastik leiden: sie werden seltener geschlechtsreif.

Ein ausgewachsenes Flussbarsch-Weibchen kann in einer Saison mehrere Hunderttausend Eier legen. Doch nur wenige überleben bis zur Geschlechtsreife. Auf dem Weg dahin sind die Fischlarven vor allem eines: Futter für andere Meerestiere. Deswegen ist es für sie überlebenswichtig, ihre Feinde rechtzeitig erkennen zu können um vor ihnen zu fliehen. Doch genau diese Fähigkeit geht den Larven abhanden, wenn sie in Wasser mit winzigen Kunststoffteilchen schwimmen. Das haben Peter Eklöv von der Uppsala Universität in Schweden und seine Kollegen beobachtet.

Wir haben gesehen, dass Flussbarsch-Larven schlechter überleben, wenn sie mit Mikro-Kuns konfrontiert sind. Sie wachsen langsamer und ändern ihr Verhalten. Und wir haben gesehen, dass sie nicht mehr in der Lage sind, chemische Substanzen zu erkennen, die ihre Feinde abgeben. Dabei ist das für ihr Überleben enorm wichtig.

Fischlarven fressen Plastik

Die Forscher vermuten, dass chemische Verbindungen aus dem Plastik die Wahrnehmung der Larven stören. Zudem beobachteten sie, dass viele Tiere eher Kunstoff-Partikel fraßen, wenn sie die Wahl zwischen normalem Futter und Mikroplastik hatten. Offenbar halten die Larven diesen für Nahrung.

Wenn Fische klein sind, schnappen sie nach allen Partikeln, die die richtige Größe haben. Und offenbar lösen die Mikroplastik-Teilchen dieses Fressverhalten sehr stark aus. Wir finden das sehr bedenklich, und diese Beobachtung hat uns wirklich überrascht.

Plastik in den Zellen

Die Forscher befürchten, dass das Plastik, das sich im Darm der Larven ansammelt, weiter abgebaut werden könnte und damit über den Stoffwechsel auch in andere Gewebe gelangt. Ob das passiert, wissen sie bisher nicht. Doch andere Untersuchungen haben gezeigt, dass sehr kleine Plastikpartikel bis in die Zellen eines Organismus gelangen kann.

Es ist bekannt, dass so genannte Nano-Plastikteilchen, also noch kleinere Partikel, von kleinen Meerestieren aufgenommen werden und sich in der Nahrungskette anreichern können. Wenn wir Fische essen, die Kunststoff gefressen haben, könnte es also durchaus sein, dass dieser auch in unseren Körper gelangt.

Flussbarsche (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Foto: Jens Büttner)
Fisch - frisch auf den Tisch - mit der Extraportion Plastik? picture-alliance / dpa - Foto: Jens Büttner

Plastik auf dem Speiseteller

Plastikverpackungen oder Rückstände aus Kosmetika könnten damit wieder auf unserem Speiseteller landen. Dass Fischlarven durch Mikroplastik geschädigt werden haben Peter Eklöv und seine Kollegen zwar bisher nur im Labor nachgewiesen. Doch auch in vielen Meeresregionen haben sich inzwischen ganz ähnlich hohe Konzentrationen an Kunststoff-Teilchen angesammelt. Im Durchschnitt etwa 10.000 Mikroplastikteilchen pro Kubikmeter Wasser. Es könnte sein, dass Fischlarven in der freien Natur schon jetzt unter diesen Konzentrationen leiden, meint Peter Eklöv:

In der Ostsee ist der Bestand von Flussbarsch und Hecht in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Ich denke, dass die großen Mengen an Mikroplastik im Meer dazu beigetragen haben könnten, weil weniger Fischlarven bis zur Geschlechtsreife überlebt haben. Schließlich haben wir in unserer Studie klar gezeigt, dass Fischlarven sehr stark durch Mikroplastik beeinträchtigt werden.

Plastikmüll im Meer (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Foto: Bernd Wüstneck/dpa)
Plastikmüll im Meer picture-alliance / dpa - Foto: Bernd Wüstneck/dpa

Plastik im Meer begrenzen

Die Forscher haben bereits damit begonnen, auch andere Fischarten zu untersuchen. Erste Ergebnisse sind beunruhigend, denn offenbar wachsen auch die Larven anderer Spezies schlechter, wenn das Wasser Mikroplastik enthält. Dass die Kunststoffteilchen Larven schädigen sei aber nur ein Umweltproblem, dass der Eintrag von Plastik ins Meer mit sich bringe, meint Peter Eklöv. Es sei daher höchste Zeit, etwas dagegen zu unternehmen.

Die Mikroplastik-Partikel können auch Verbindungen mit organischen Schadstoffen eingehen. Damit können sie auch giftig werden. Es gibt also viele Gefahren, die von Plastik im Meer ausgehen. Bisher wissen wir zwar noch nicht allzu viel über die Konsequenzen. Doch wir sollten in der Gesellschaft eine stärkere Diskussion darüber führen, wie wir die Mengen an Plastik begrenzen können, die weiterhin ins Meer gelangen.

Plastikverschmutzung im Meer (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Plastik im Meer gelangt wieder zurück in den Nahrungskreislauf. Thinkstock -
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