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Uwe Gradwohl im Gespräch mit der Buchautorin Stephanie Grimm

Gerne zu schlafen, gar eine Schlafmütze zu sein, ist in unserer modernen Welt nicht so hoch angesehen. Der Schlaf hat mit dem Piepsen eines Weckers enden. Aber muss das so sein, dass sich der Schlaf dem Lebens- und Arbeitsrhythmus unterordnet? Uwe Gradwohl sprach zum Tag des Schlafes mit Stephanie Grimm über ihr Buch "Schlaft doch wie ihr wollt".

Wie sind Sie auf die Idee zu dem Buch gekommen?

Grimm: Ich und meine Freundinnen haben einfach gemerkt, dass es zum Schlaf nur Ratgeber gibt, das ist schade, man kümmert sich immer nur um den Schlaf, wenn er Probleme macht, und da wollten wir eine Alternative bieten. Also habe ich ein populärwissenschaftliches Buch geschrieben, das den Schlaf wieder auf positive Weise würdigen soll.

Ihr Buch hat den Untertitel: "Die wertvollsten Stunden des Tages und wie wir sie zurückerobern". Das klingt nach Kampf, haben wir noch eine Chance?

Klar! Das liegt doch bei uns. Und es ist ja nicht so, dass uns die böse Arbeitswelt und die bösen Medien vom Schlaf abhalten, es liegt an uns selbst, wir moderne Menschen haben ja ein zwiespältiges Verhältnis zu dem Thema. Ich sage immer: Der Schlaf ist die beste Werbung für sich selbst, jeder weiß, wie gut es ihm geht, wenn er ausgeschlafen ist, doch das wird durch die Zwänge der Arbeitswelt eben unmöglich gemacht. Ich denke, da muss man sich selbst gegenüber achtsamer werden, man muss auf sich und seinen Körper hören, man muss wissen, was einem gut tut, wie viel Schlaf man benötigt. Das Ganze muss man sehr individuell betrachten, es gibt eben Eulen und Lärchen, Langschläfer und Morgenmuffel.

Eine Frau starrt auf ihren Wecker (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
"Eulen" fällt es schwerer, morgen nach dem Diktat des Weckers aufzustehen. Thinkstock -

Ist an der Unterscheidung Lerche/Eule was dran?

Ja, auf jeden Fall, es gibt dazu viele Studien, und es ist genetisch was dran, allerdings spielt das Soziale auch eine große Rolle, wir Menschen werden heutzutage zu Eulen gemacht, die lange bis nach 23 Uhr aufbleiben und aktiv sind, gerade in der Großstadt ist das so.

Schlafen die Menschen in unterschiedlichen Kulturen unterschiedlich?

Ja, aber man schläft mittlerweile überall zu wenig, das steht fest, selbst in Entwicklungsländern ist das so. Dort lebt man zwar nicht nach dem Diktat des Weckers wie wir, aber man hat etwa lange Anfahrtswege zur Arbeit. Das wirkt sich auf den Schlaf aus, dazu gibt es Untersuchungen. Also: Auch in Vietnam oder Tansania wird nicht mehr geschlafen, wie es ideal wäre.

Was wäre der ideale Schlaf, Sie schreiben, das sei das Schlafen in Blöcken?

Ja, durchaus, so wie man etwa im Mittelalter geschlafen hat, da gibt es Überlieferungen. In dieser Epoche gab es das Muster, dass man mehr schläft als man braucht. Die Menschen damals sind relativ früh ins Bett gegangen, dann um Mitternacht wieder aufgestanden, da haben sie sich unterhalten, Freunde besucht, den Haushalt gemacht, dann haben sie nochmals geschlafen. Das ist ein Muster, was sich einstellt, wenn man den Körper sich selbst überlässt.
Ich denke, das ist jetzt keine Methode für uns, dazu ist unsere Welt viel zu modern, klar, dazu sind wir viel zu sehr eingebunden in Ablenkungen und Zerstreuungen.

Sie stellen auch die Frage, wem das gemeinsame Schlafzimmer nützt, dem Mann oder der Frau?

Eindeutig dem Mann. Denn gerade Frauen sind aus evolutionären Gründen darauf geeicht, kleinste Geräusche sofort wahrzunehmen, sie haben einen leichteren Schlaf, weil sie etwa auch nachts das Kind im "Blick" haben müssen, da ticken Männer eben anders und haben mehr Vorteile.

schnarchenderschlafender Mann (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Schnarcher im Bett. Nachts sind wir wesentlich lärmempfindlicher als am Tag... Thinkstock -

Stephanie Grimms Buch über das Schlafen heißt "Schlaft doch wie ihr wollt" und ist im Pantheon-Verlag erschienen.

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