Katzen sind eigentlich Fleischfresser. Bei Industriefutter sind sie mitunter ziemlich wählerisch. (Foto: Colourbox, Colourbox -)

Schlachtabfälle und Streckmittel

Woraus besteht Tierfutter?

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Martin Gramlich im Gespräch mit Hans-Ulrich Grimm

In seinem Buch "Katzen würden Mäuse kaufen" zeigt Hans-Ulrich Grimm, was in industriell hergestelltem Tierfutter steckt: Erdgasgranulat, Schlachtabfälle und eine Reihe von Geschmacksstoffen. Das klingt nicht nur unappetitlich, sondern sorgt bei Hunden oder Katzen z.B. auch für Magenverstimmungen, Allergien und andere Probleme.

Herr Grimm, was gibt es denn Neues für Hund und Katz?
Es gibt das neue Erdgasschitzel oder Erdgasgranulat. Die Tiere bekommen ja zum Beispiel den Abfall von Schlachthöfen oder ähnliches, aber es muss ja immer noch billiger sein. Deswegen sind die Hersteller jetzt auf ganz neue Tricks verfallen, die auch die letzten Abfälle nutzen - zum Beispiel von Erdölfeldern aus aller Welt. Da wird ja immer das Erdgas abgefackelt. Man kennt ja diese Fackeln, die da überall über der Meeresoberfläche brennen und das ist weltweit unglaublich viel, wir reden von Milliarden von Kubikmetern. Und das ist ja schade, haben die Hersteller gedacht, dass das ungenutzt bleibt. Und da haben sie jetzt spezielle Bakterien dazu genommen, über die man das Erdgas streichen lässt, wodurch eine ganz neue Form von Protein entsteht. Dies ist offiziell zugelassen und wird "Erdgasschnitzel" oder "Erdgasgranulat" genannt. Eigentlich wollte die EU das verbieten und nach neuen Versuchen hat sich herausgestellt, dass diese Produkte für die Tiere überhaupt nicht gut sind, wenn es an sie verfüttert wird.

Erdölgranulat als Eiweißlieferant ist heutzutage häufig in Tiernahrung enthalten (Foto: Colourbox, Colourbox -)
Erdölgranulat als Eiweißlieferant ist heutzutage häufig in Tiernahrung enthalten Colourbox -



Ich hätte sonst gesagt, das ist ja im Prinzip ganz interessant, so ein Abfallprodukt, dass man mit Bakterien eben zu so einem Protein-Erdgasschnitzel verarbeiten kann. Aber jetzt hat sich herausgestellt, dass es schädlich für die Tiere ist?

Genau, die Tiere reagieren mit Allergien, Magenverstimmungen und allen möglichen Problemen. Da haben verschiedene Länderbehörden Einspruch erhoben, woraufhin die EU gesagt hat, es ist ihnen langsam zu blöd. Auf der einen Seite gibt es den Entsorgungsdruck bei den Erdölfeldern und auf der anderen Seite diese riesigen Lachsfarmen in Norwegen zum Beispiel, die brauchen ganz dringend billiges Futter und die Heimtierfutterhersteller waren auch ganz begeistert. Also hat die EU gesagt, wir lassen es einfach zu und wenn es den Tieren schadet, kann man immer noch hinterher fragen, woran es denn lag. Und jetzt ist es offiziell zugelassen. Eine amerikanische Firma hat das übernommen. Jetzt klingt alles sehr nach High-Tech und Nachhaltigkeit. Auch die Presse ist sehr begeistert. Da läuft das unter der Überschrift: Die Lachse werden jetzt vegetarisch und das klingt ja auch toll, solange das Erdgas nicht mit drin ist.

Und die Untersuchungen zeigen, dass diese Produkte für die Großzahl der Tiere nicht besonders zuträglich sind?
Richtig, die Norwegische Lebensmittelbehörde hat eine Übersicht zur Haltung der Behörden in den verschiedenen Ländern aufgestellt. Da hat sowohl die englische, als auch die französische Behörde haben gesagt, dass Schäden, Krankheiten und Unverträglichkeiten bei den Tieren, inklusive der Haustiere die Folge seien, aber wie gesagt was das der EU egal, sie wollte den Abfall verwerten weil sie billiges Futter brauchen. Denen war das egal, ob die Tiere da ein bisschen drunter leiden.

Nicht jedem Vierbeiner bekommt die Industrienahrung (Foto: Colourbox, Colourbox -)
Nicht jedem Vierbeiner bekommt die Industrienahrung Colourbox -



Jetzt steht ja auf dem Katzen- und Hundefutter im Regal nicht Erdgasschnitzel drauf, unter welchem Etikett findet sich das?
Wenn sie in der Futtermittelverordnung nachlesen, steht dort in der Etikettierungsvorschrift, dass man Rohprotein angeben muss. Das heißt wenn sie jetzt im Supermarkt auf ein beliebiges Futter schauen, werden sie überall Rohprotein vermerkt sehen. Das ist ein völlig allgemeiner Begriff. Das kann ja alles sein. Und wer für sein Tier das Allerbeste haben will, der kann jetzt also nicht sagen, ich will dem Tier kein Erdgasgranulat geben, weil er gar nicht merkt was er da verfüttert.

Es ist erstaunlich, dass es da keine Kennzeichnung gibt. Sind da die Gesetze zu lasch? Wie ließe sich das besser transparent machen?
Das ist sehr merkwürdig. Bis zum Jahr 2010 war es verboten, auf dem Etikett Geschmacksstoffe auszuweisen. Mittlerweile ist es erlaubt, aber nur bei Aromen zum Beispiel wenn die Hersteller auch angeben, wie viel davon sie einsetzen. Und das macht natürlich kein Hersteller. Keiner möchte seine Rezepturen preisgeben. Es ist eine Vorschrift, die völlig nutzlos ist. Ich finde es skandalös, dass die Tierfreunde und Tierhalter gar nicht erfahren dürfen, ob sie ihre Tiere da mit dem Futter das sie kaufen an der Nase herumführen.

Hundefutter aus der Dose... praktisch ist es schon schon. Doch die Qualität der Inhaltsstoffe ist oft fragwürdig. (Foto: Colourbox, Colourbox -)
Hundefutter aus der Dose... praktisch ist es schon. Doch die Qualität der Inhaltsstoffe ist oft fragwürdig. Colourbox -



Dieses Futter wird ja für Haustiere verkauft, gibt es Unterschiede in den Regelungen welche Inhaltsstoffe ins Haustierfutter dürfen und welche in Futter für Nutztiere wie Rinder, Schweine und Hühner?
Es gibt manche Futterzusätze, die nur für bestimmte Tiere zulässig sind und für andere schädlich wären. Aber grundsätzlich sieht die Futtermittelverordnung keine Trennung zwischen Haus- und Nutztieren. Nutztiere bekommen allerdings auch teilweise völlig artwidriges Futter. Die gilt zum Beispiel für die Milchkühe. Im Moment wird ja viel von der Milchkriese geredet, aber niemand redet davon, dass die Kühe gar nicht mehr bekommen, was artgerecht wäre, nämlich Graß. Sondern sie bekommen Kraftfutter. Es vervielfacht den Milchausstoß, was wiederum zur Folge hat, dass die Bauern nichts mehr verdienen und die Milch nichts mehr wert ist. Übrigens auch gesundheitlich, wenn die Tiere nicht grasen dürfen. Wie es im Magen der Tiere aussieht und welche Qualität die Milch hat, die wir für billiges Geld kaufen, das alles spielt aber in der Debatte gar keine Rolle.

Wir reden also nicht nur von Auswirkungen für die Tiere, sondern über die Milch auch für die Menschen. Eine Frage ihres Buches ist ja, wie man sein geliebtes Haustier besser ernähren kann als mit industriell gefertigtem Tierfutter.
Viele Haustierbesitzer fangen jetzt wieder an für ihre Tiere zu kochen. Oder sie geben ihnen Knochen und frisches Fleisch. Das ist artgerecht und der Besitzer hat die volle Kontrolle. Wer selber kocht, weiß eben genau um die Inhaltsstoffe und weiß auch welche Chemikalien eben nicht ins Essen gehören. Diese Autonomie ist vielen Tierhaltern wichtig.

Katzen sind eigentlich Fleischfresser. Ein Eis an heißen Tagen lassen sie sich vielleicht dann auch nicht entgehen... (Foto: Colourbox, Colourbox -)
Katzen sind eigentlich Fleischfresser. Ein Eis an heißen Tagen lassen sie sich vielleicht dann auch nicht entgehen... Colourbox -



Beim Menschen ist ja Vegetarismus und vegane Ernährung ein großer Trend. Wie ist das beim Tier?
Die Experten sagen, dass das für Hunde gut möglich ist, bei den Katzen jedoch ist das so gut wie ausgeschlossen. Sie ist von ihrem Organismus her ein Fleischfresser. Den Hund kann man offenbar eher dazu bringen vegan zu fressen. Ich war bei einer Freundin in der Schweiz, die hat ihre rund 20 Hunde mit meterlangen veganen Würsten gefüttert. Allerdings ist das natürlich pure Chemie. Wenn einem jedoch der Wert des tierfreien Tierfutters besonders wichtig ist dann ist die Chemie ja egal.
Das geht aber bei der Katze wohl nicht.
"Katzen würden Mäuse kaufen - Wie die Futterindustrie unsere Tiere krank macht", so heißt das Buch über Tierfutter und was tatsächlich drin ist von Hans Ulrich Grimm. Es ist gerade in erweiterter und aktualisierter Fassung erschienen.

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