6.9.1959 Wernher von Braun über die Bedeutung der Raumfahrt im Kalten Krieg

Die Epoche der Raumfahrt hat begonnen, der Raketeningenieur Wernher von Braun spricht über ihre Zukunft. Von Braun war eine schillernde Persönlichkeit. Er hatte schon Raketen und Waffen für das Nazi-Regime entwickelt. Nach dem Krieg tat er das dann im Auftrag der USA – bis er schließlich zur NASA wechselte und dort unter anderem im Apolloprogramm arbeitete.

1959 hielt er den folgenden Vortrag anlässlich der Internationalen Luftfahrtausstellung in Frankfurt. Zur Erinnerung: Die Sowjetunion hatte bereits ihre ersten Sputnik-Satelliten im All – und damit zu diesem Zeitpunkt im Weltraum die Nase vorn. Wernher von Braun spricht daher nicht nur über die technischen Aspekte der Raumfahrt, sondern auch über die politisch-militärischen in Zeiten des Kalten Kriegs.

Das Rückgrat der Astronautik, so von Braun, bilde die Raketentechnik. Der Raketeningenieur nennt zunächst die frühen Pioniere der Raketentechnologie, wie Hermann Oberth und Rudolf Nebel. Für von Braun steht der Raketenbauer vor einem "unausweichlichen Konflikt": Die Raketentechnik sei auf der einen Seite segensreich, auf der anderen Seite bringe sie auch den Tod. Es sei jedoch "unfair, Wissenschaftler und Ingenieure für die Gräuel moderner Kriege und die zeitgenössischen Krisen in dieser Welt verantwortlich machen zu wollen."

Von Braun verteidigt den Nutzen der Raketenforschung mit den zivilen Errungenschaften, die dadurch möglich werden. Gleichzeitig rechtfertigt er aber auch die militärische Rüstung in Anbetracht des Kalten Krieges. "Sollen wir abwarten bis auf dem Mond die rote Fahne hoch geht? Soll die freie Welt wirklich ihre Bewaffnung veralten lassen, so lange keine absolute Gewähr dafür besteht, dass auch jenseits des Eisernen Vorhangs alle Anstrengungen auf dem Gebiet der Entwicklung neuerer noch schlagkräftigerer Waffen eingestellt werden?"

Die moralische Bürde, Waffen entwickelt zu haben, sei erst dann von den Wissenschaftlern genommen, meint von Braun, wenn diese auch die zivilen Errungenschaften ihrer Forschung für die Menschheit bewiesen hätten. Der Raketeningenieur denkt dabei an die friedliche Nutzung der Atomenergie und die Raumfahrt.

Blick in die Zukunft

George Mueller informiert am 16.11.1963 über Saturn V in Cape Canaveral u. a. John F. Kennedy (Foto: Imago, Imago/ZUMA Press -)
George Mueller informiert am 16.11.1963 über Saturn V in Cape Canaveral: George Low, Kurt Debus, Robert Seamans, James Web, Präsident John F. Kennedy, Hugh Dryden, Wernher von Braun, Leighten Davis, Senator George Smathers (vordere Reihe, v.l.n.r.) Imago Imago/ZUMA Press -

Raumstationen, so von Braun, werden die Erde umkreisen, Wettersatelliten würden frühzeitig die Vorhersage von Stürmen ermöglichen und so die Menschen auf der Erde zu schützen. Die Genauigkeit der Navigation würde mit Hilfe der Satelliten vereinfacht. Optische Vermessungen die Karten der Erde verbessern und eine langzeitige Beobachtung der Bewegung der Erdplatten ermöglichen.

Am wichtigsten erschien ihm jedoch die Erforschung der Sonnenstrahlung und die weitere Erforschung des Weltalls. Ziel sei es, eines Tages Menschen auf den Mond und den Mars zu bringen. Dadurch, so von Braun, dürfe man "zurecht hoffen, völlig neue Erkenntnisse zu gewinnen, über den Ursprung und die Geschichte unseres Planetensystems und die Entwicklung des Lebens im allgemeinen.“ Man könne „gewiss sein, dass wir vor einer Revolution unserer wissenschaftlichen Erkenntnisse stehen."

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