11.10.1998 Martin Walser: Die "Moralkeule Auschwitz"

Am 11. November 1998 erhielt der Schriftsteller Martin Walser in der Frankfurter Paulskirche den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. In seiner Dankesrede kritisierte er, dass man den Deutschen ihre nationalsozialistische Vergangenheit immerzu vorhielt. Das helfe auf Dauer nicht, um diese grausame Zeit in kritischer Erinnerung zu behalten, sondern animiere die Menschen zum Wegschauen. Dadurch bestünde die Gefahr, dass Auschwitz zur simplen "Moralkeule" verkomme und seine tatsächliche Bedeutung verliere. Walser spricht auch von der "Monumentalisierung der Schande".

Für seine Rede wurde der Schriftsteller teils heftig kritisiert - insbesondere von Ignatz Bubis, damals Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er warf Walser "geistige Brandstiftung" vor.

Daraufhin trafen sich Bubis und Walser auf Einladung des FAZ-Mitherausgebers Frank Schirrmachers am 13.12.1998 bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu einer Aussprache. Anschließend traten beide vor die Kamera und erklärten, ihren Streit beigelegt zu haben.

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