1979 Horst Stern: "Rettet den Wald!"

Horst Stern, geboren am 22. Oktober 1922, starb am 17. Januar 2019. Er wurde 96 Jahre alt.

Die eindringliche Stimme Horst Sterns ist den meisten aus der Fernsehserie "Sterns Stunde" bekannt, in der er auf ganz neue Weise die Beziehungen zwischen Mensch und Tier beleuchtete. Später wurde Horst Stern einer der bekanntesten Umweltschützer und -Journalisten. Er war Mitbegründer des BUND, entwickelte die Umweltzeitschrift "Natur" und er machte mit seinem Buch "Rettet den Wald" als einer der ersten auf das sogenannte Waldsterben aufmerksam.

1980er-Jahre in Deutschland: Der Klimawandel war für die Deutschen noch kein großes Thema – dafür aber das "Waldsterben", das zusammen mit dem Schlagwort "saurer Regen" damals die Umweltdebatte prägte. Im Rückblick sagen heute viele, dass die düsteren Prognosen vom Waldsterben übertrieben waren.

Doch immerhin, sie haben auch dazu geführt, dass Abgase besser gereinigt wurden und dass Katalysatoren in Autos Pflicht wurden. Wie sich der Wald ohne diese Luftreinhaltungsmaßnahmen entwickelt hätte, ist heute schwer zu sagen. Horst Stern hat mit seinem Engagement und seinem Buch "Rettet den Wald" die Diskussion wesentlich vorangetrieben. "Der Titel ist ein bisschen dramatisiert", sagt er selbst.

Durch den Bau neuer Siedlungen, Industrieanlagen oder Straßen werde der deutsche Wald, so Stern, immer weniger. Aufgrund der zunehmenden Luftverschmutzung gebe es außerdem kaum mehr einen Baum ohne chronische Giftschäden. Und drittens werde aus dem deutschen Mischwald immer stärker ein Nadelwald, der für den Forstwirt sehr viel lukrativer ist. Damit gerate aber das ökologische Gleichgewicht durcheinander.

Sein Engagement für den Wald konnte auch provozieren. In seiner Reihe "Bemerkungen über den Rothirsch" erklärte er den Hirsch zum Problem für den Wald: "Sie hören richtig, meine Damen und Herren. Es ist nicht dringlich zurzeit, den Hirsch zu schonen. Es ist dringlich zurzeit, ihn zu schießen. Man rettet den deutschen Wald ja nicht, indem man 'O Tannenbaum' singt".

Stern sieht jedoch nicht schwarz: "Der deutsche Wald ist ziemlich mustergültig", so der Journalist. Er dürfe nur nicht als Müllplatz angesehen oder immer stärker für den Ausbau von Trimm-Dich-Pfaden hergenommen werden.

Zum Tod von Horst Stern

SWR Intendant Peter Boudgoust würdigt das Schaffen Sterns: "Mit Horst Stern haben wir einen der bedeutendsten Dokumentarfilmer des Landes verloren. Für den damaligen SDR hat er mit der Reihe 'Sterns Stunde' in den 1970er-Jahren Meilensteine des dokumentarischen Tierfilms und gleichzeitig die Grundlage für einen kritischen Naturjournalismus geschaffen. Horst Stern war nicht nur ein herausragender Journalist, sondern auch ein unermüdlicher Kämpfer für Tierethik und ein ökologisches Bewusstsein. Dabei war sein Vorgehen oft provokativ, aber stets reflektiert und von großem Sachverstand geprägt."

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