16.10.1931

Reichskanzler Brüning geht auf Adolf Hitler zu

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In seiner Rede über die Notverordnungen schlägt Heinrich Brüning (Zentrum) milde Töne an. Er dankt allen Fraktionen für die "Vornehmheit", die sie ihm bei aller Kritik entgegengebracht hätte – auch dem "Führer" (der dem Parlament gar nicht angehört). Die Einschränkung der Pressefreiheit bereite ihm "keine Freude".

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Er wünschte den Tag herbei, wo es durch eine freiwillige gegenseitige Kontrolle der Presse untereinander möglich sein würde, auf solche Dinge zu verzichten.“ Ernst Torgler von der KPD nennt die NSDAP eine "Erfüllungspartei" und "die letzte Reserve des Kapitalismus".

Über die Notwendigkeit zur Einschränkung der Pressefreiheit

Zur Einschränkung der Pressefreiheit durch die Notverordnungen sagt Brüning:

"Es ist keine Freude, der Presse Zwangsauflagen machen zu müssen, und ich wünschte den Tag herbei, wo es durch eine freiwillige gegenseitige Kontrolle der Presse untereinander möglich sein würde, auf solche Dinge zu verzichten."

Er bietet dem Redner des letzten O-Ton-Mitschnitts Eduard Dingeldey von der Deutschen Volkspartei Zusammenarbeit an. Ein Regierungswechsel täte dem Reich gar nicht gut, so Brüning, weil das Ausland dann noch misstrauischer würde.

Brüning kommt ohne zusätzliche Anleihen aus

Der Reichskanzler entschuldigt sich dafür, dass er einen offenen Brief von "Herrn Adolf Hitler" noch nicht gelesen habe, zitiert aber eine Passage, in der ihm Hitler wirtschaftliches Versagen vorwirft, und kontert, er, Brüning, habe mit seiner Regierung erstmals Zahlungen an die Siegermächte ohne zusätzliche Anleihen vorgenommen. Die Kommunisten, die die Rede immer wieder unterbrechen, sprechen hier von "Lohnraub".

KPD nennt NSDAP "Erfüllungspartei"

Ernst Torgler von der KPD tritt ans Pult und nennt die NSDAP eine "Erfüllungspartei" und "die letzte Reserve des Kapitalismus". Wilhelm Sollmann (SPD) schließt sich dem an, indem er mutmaßt, wenn die Nationalsozialisten an die Macht kämen, würden sie "vor dem ausländischen Kapital kriechen".

NSDAP will an Parlamentssitzungen nur noch in Sonderfällen teilnehmen

Nicht in diesem Audio-Mitschnitt enthalten ist Wilhelm Fricks (NSDAP) für das Ende der Weimarer Republik bezeichnendes Statement, an parlamentarischen Sitzungen nur noch in Sonderfällen teilzunehmen. Am 10. Februar 1931, so Frick, habe seine Partei erklärt, man verlasse das Parlament und kehre erst dann zurück, wenn es darum gehe, "eine besonders tückische Maßnahme der volksfeindlichen Mehrheit des Reichstags zu vereiteln". Am 13. Oktober (also vor drei Tagen) sei man zurückgekehrt (im Protokoll ist die NSDAP erst am 14. Oktober wieder verzeichnet), um "der Regierung Brüning ein Ende zu bereiten. Dieser Versuch ist vorerst gescheitert. Wir verlassen daher entsprechend unserer Erklärung vom 10. Februar dieses Haus, um durch unser weiteres Wirken draußen im Volk die letzten Stützen dieses Systems zu beseitigen".

Die Redner:

Heinrich Brüning (Reichskanzler)
Ernst Torgler (KPD)
Wilhelm Sollmann (SPD)

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