1949: Der Neumühler Banden-Prozess Plädoyer und Todesurteile

126 Straftaten werden 1949 im Neumühler-Bandenprozess verhandelt. Nach einer siebenwöchigen Beweisaufnahme hält der Staatsanwalt sein Plädoyer.

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Plädoyer des Staatsanwalts

Das Plädoyer des Staatsanwalts klingt brutal, denn er beschränkt sich keineswegs auf die Fakten und Beweise, was völlig genügt hätte, sondern er argumentiert mit dem Menschenschlag: Er spricht von "Zigeunern", von "animalischen Instinkten" und so weiter. Auch das spiegelt die damalige Zeit, in der solche rassistischen und antiziganistischen Töne weit verbreitet waren.

Tatsächlich waren die Bewohner der Neumühle weder Sinti, noch Roma, es waren auch keine "Landfahrer", sondern sie hatten sich schon im 18. Jahrhundert niedergelassen. Aber sie entsprachen eben in mancher Hinsicht dem Klischee – weil sie eine geschlossene Gemeinschaft bildeten, recht primitiv gehaust haben und miteinander Jenisch sprachen.

Der Ton des Staatsanwalt ähnelt eher dem, was man aus der Zeit vor 1945 kennt. Anschließend folgt das Gerichtsurteil. Von der Verteidigung sind keine Aufnahmen erhalten.

Todesstrafe wird mit dem Grundgesetz abgeschafft

Die Täter legten Revision ein – jedoch ohne Erfolg. Doch die Hinrichtung blieb den verurteilten Mördern erspart. Denn wenige Wochen nach der Urteilsverkündung trat das Grundgesetz in Kraft und schaffte die Todesstrafe ab. Die Urteile wurden in "lebenslänglich" umgewandelt.

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