20.9.1900

Kaiser Franz Joseph testet den ersten "Anrufbeantworter"

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SWR2 Archivradio
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Gábor Paál
Gábor Paál (Foto: SWR, Oliver Reuther)

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Ende des 19. Jahrhunderts gab es Telefone und es war auch schon möglich, Klänge und Sprache aufzuzeichnen, etwa auf einer Wachswalze. 1898 wurden beide Techniken kombiniert. Geboren waren die ersten Anrufbeantworter.

Eins der Modelle war das Telegraphon des Wiener Erfinders Waldemar Poulsen. Es besteht, wie frühere Aufnahmegeräte, aus einer Walze, allerdings wird der Ton nicht auf Wachs festgehalten, sondern elektromagnetisch. Um die Walze war ein Draht gewickelt, ursprünglich eine Klaviersaite. Man sprach in ein Mikrofon, das elektrische Ströme erzeugt. Alternativ ließ sich auch ein Telefon anschließen. Die elektrischen Ström aktivieren einen Elektromagneten, der sich entlang des Drahtes bewegt und diesen wiederum magnetisiert.

Franz Joseph I. testet den Apparat auf der Pariser Weltausstellung

Kaiser Franz Joseph selbst darf das Telegraphon testen, am 20. September 1900 auf der Pariser Weltausstellung. Nachdem er in seiner Sprachaufnahme sein Interesse bekundet, folgt ein Nachsatz von Hofrat Wilhelm Exner. Exner hatte das Gerät für das österreichisch-ungarische Handelsministerium erworben und dankt dem Kaiser für die Gnade, in den Apparat gesprochen zu haben.

Kaiser Franz Joseph: "Diese neue Erfindung hat mich sehr interessiert, und ich danke sehr für die Vorführung derselben"

Nachsatz von Hofrat Wilhelm Exner: "Seine Majestät der Kaiser hatte die Gnade, diese Worte anlässlich höchstseines Besuches in der Ausstellung der österreichischen Erwerbungen auf der Pariser Weltausstellung in den Apparat zu sprechen."

In Deutschland wird die Erfindung ab 1903 von der Phonographen Gesellschaft Krefeld vermarktet – kann sich aber auf dem Markt nicht durchsetzen.

9.4.1860 Ältestes Tondokument der Menschheit: "Au claire de la lune"

9.4.1860 | Thomas Alva Edison war zwar der erste Erfinder, der 1877 bewusst menschliche Sprache aufgenommen hat, um sie hinterher wiederzugeben – und zwar mithilfe des von ihm erfundenen Phonographen.
Doch 2008 wurde ein 17 Jahre älteres Tondokument rekonstruiert. Es geht auf den Pariser Drucker und Buchhändler Édouard-Léon Scott de Martinville zurück. Er hat 1857 ebenfalls ein Gerät gefunden, das er Phonautograph nennt. Sein Ziel war es gar nicht, Sprache aufzunehmen, um sie wiederzugeben. Er wollte lediglich Klang visuell aufzeichnen.
Dazu benutzte er rußgeschwärztes Papier, das auf eine Walze montiert war. Er sprach in einen Schalltrichter mit einer Membran am Ende. Die Schwingungen der Membran übertrugen sich auf eine Schweinsborste, die wiederum Linien in den Papierruß kratzte.

1878 / 1888 Älteste erhaltene Edison-Aufnahmen: "Mary had a little lamb"

1878 / 1888 | Als Thomas Edison am 18. Juli 1877 den ersten Phonographen erfand, ging es ihm noch nicht um Aufnahmen für die Ewigkeit, sondern primär um das Festhalten und Wiedergeben von Sprachnachrichten, etwa aus einem Telefon – eine Erfindung, die noch ganz jung und Edison natürlich vertraut war.
Bei seinem ersten geglückten Versuch mit dem Phonographen nahm Edison ein Kindergedicht auf: "Mary had a little lamb" – Mary hatte ein kleines Lamm.

24.12.1899 Älteste Weihnachtsaufnahme: Kaufmann Adolf Rechenberg schenkt seiner Frau einen Phonographen

24.12.1899 | Weihnachten 1899 beglückt Bergwerksbesitzer Adolf Rechenberg aus der Niederlausitz seine Frau Anneliese mit dem neuesten Hightech-Spielzeug: Einem Edison-Phonographen. Und er hat die originelle Idee, sich selbst bei der Geschenkübergabe aufzunehmen.
Zunächst mahnt er seine Kinder mit einem "Silentium" zur Ruhe und weist ihnen ihren jeweiligen Platz auf dem Sofa zu. Anschließend spricht er zu seinem "lieben, guten Weib". | http://swr.li/weihnachtsphonograph

31.12.1899 Älteste erhaltene Silvesteransprache – Adolf Rechenberg begrüßt das Jahr 1900

31.12.1899 | Nachdem Bergwerksbesitzer Adolf Rechenberg seiner Frau zu Weihnachten einen Edison-Phonographen geschenkt hat, beeindruckt er damit schon eine Woche später die Gästen seiner Silvesterfeier. Er hält um kurz vor Mitternacht eine kleine Ansprache, die er auch auf dem neuen Gerät festhält. So entsteht die älteste erhaltene Silvesteransprache der Welt. Und zugleich: Neujahrsansprache – denn am Ende begrüßt er das Jahr 1900.

7.10.1932 Erstes Ferngespräch im Rundfunk mit Luftfahrtpionier Wolfgang von Gronau

7.10.1932 | In den Anfangsjahren galt das Radio als Wunderkasten, der Stimmen von weit her über die Luft in die Wohnzimmer zauberte. Anders als das Telefon, das ja eine Leitung voraussetzte. 1932 wurde beides kombiniert: Das erste Ferninterview im Rundfunk mit einem Gesprächspartner, der Tausende von Kilometern entfernt war. Hören Sie das erste Rundfunkferngespräch mit dem Luftfahrtpionier Wolfgang von Gronau (1893 - 1977). Eine Unterhaltung zwischen Berlin und Batavia – dem heutigen Jakarta – am 7. Oktober 1932

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