10.11.1988 Jenningers verunglückte Gedenkrede im Bundestag

Am 10. November 1988 hielt der ehemalige Bundestagspräsident Philipp Jenninger im Deutschen Bundestag eine Rede, die international für Empörung sorgte und Proteststürme auslöste - und schließlich zu seinem Rücktritt führte.

Jenninger sprach anlässlich des 50. Jahrestags der Novemberpogrome 1938. Er setzte auf das Stilmittel der erlebten Rede, um zu erklären, wie es zur systematischen Verfolgung der Juden in Deutschland kommen konnte. Dabei zitierte er auch einige nationalsozialistische Formulierungen, unter anderem von Reichsführer SS Heinrich Himmler.

Gleich nachdem Philipp Jenninger im Deutschen Bundestag seine Gedenkrede anlässlich des 50. Jahrestags der Novemberpogrome 1938 beendet hatte, übten viele Parlamentarier Kritik am Vortrag des Bundestagspräsidenten. Hans-Jochen Vogel von der SPD hielt die Rhetorik der Rede für nicht angemessen, sah in Jenninger aber auch keinen Nationalsozialisten. Für Otto Schily - damals noch Mitglied der Fraktion der Grünen - waren die Verfehlungen hingegen so gravierend, dass er den Bundestagspräsidenten aufforderte, sich über seinen möglichen Rücktritt Gedanken zu machen.

Dauer

Bis heute gilt sein Vortrag als Musterbeispiel misslungener Rhetorik. Aufgrund des öffentlichen Drucks trat Jenninger bereits am 11. November, nur einen Tag nach seiner Rede, von seinem Amt als Bundestagspräsident zurück.

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