20.12.1960

Fremdes Frankreich: Reisebericht aus Karlsruhes Partnerstadt Nancy

STAND
AUTOR/IN
SWR2 Archivradio
MODERATOR/IN
Gábor Paál
Gábor Paál (Foto: SWR, Oliver Reuther)

Audio herunterladen (20,6 MB | MP3)

Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchen die Regierungen von Frankreich und der Bundesrepublik Wege zu finden, damit ihre Bürger die gegenseitigen Ressentiments abbauen. Städtepartnerschaften und deutsch-französische Schüleraustauschprogramme sollten dafür sorgen, dass sich die Menschen aus beiden Ländern besser kennenlernen. Das beginnt schon, bevor Konrad Adenauer und Charles de Gaulle 1963 den Elysée-Vertrag unterzeichnen.

Abenteuerliche Reise ins ferne Frankreich

Doch wie exotisch solche Austausch-Programme damals waren, wird in der folgenden Reportage deutlich. Kurz vor Weihnachten 1960, am 20. Dezember, schickt der Südwestfunk Reporter Werner Stenzel nach Nancy im französischen Lothringen. Nancy ist die Partnerstadt von Karlsruhe. Der Reporter schildert seine Eindrücke aus einer französischen Mädchenschule – aber vorher nimmt er das Radiopublikum noch mit auf die abenteuerliche Reise ins gefühlt so ferne Frankreich. Zum Glück war vier Jahre vorher schon eine Straßenbrücke von Kehl nach Straßburg gebaut worden.

19.9.1946 Churchill 1946: "Lasst Europa entstehen!"

19.9.1946 | Der ehemalige britische Premierminister Winston Churchill skizziert 1946 erste Ideen von "Vereinigten Staaten von Europa". Der Anfang dafür müsse eine Partnerschaft zwischen den Erzfeinden Deutschland und Frankreich sein.

14.9.1948 Theodor Heuss: Neuordnung der Bundesländer jetzt möglich

14.9.1948 | Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in der frühen Bundesrepublik auf dem Gebiet des heutigen Baden-Württemberg drei Länder. Diese orientierten sich an den beiden Besatzungszonen:
Die US-amerikanische Besatzungszone wurde zu Württemberg-Baden und umfasste das nördliche Württemberg und das nördliche Baden. Die französische Besatzungszone bestand aus zwei Ländern: Baden, das zu der Zeit aus Mittel- und Südbaden bestand, und aus Württemberg-Hohenzollern.
Dies konnte nur ein Provisorium sein. 1948 trafen die Besatzungsmächte in London einen weitreichenden Beschluss: Sie gaben den Ländern die Möglichkeit, selbst Vorschläge für eine mögliche Neuordnung zu machen.
Am 14. September 1948 erläutert Theodor Heuss die „Londoner Empfehlungen“. Heuss war damals Landtagsabgeordneter in Württemberg-Baden und Vorsitzender der liberalen Parteien in der US-amerikanischen Besatzungszone. Im September 1949 wurde er Bundespräsident.

15.11.1949 Adenauer will Versöhnung mit Frankreich

15.11.1949 | Konrad Adenauer bekräftigt im Bundestag den Willen zur Versöhnung mit Frankreich. Das ist nicht selbstverständlich: Noch ist Deutschland Besatzungszone.

7.8.1950 Internationale Kundgebung für vereintes Europa in Wissembourg

7.8.1950 | Fünf Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg an der deutsch-französischen Grenze. Hunderte von Studentinnen und Studenten aus verschiedenen Ländern Westeuropas kommen ins elsässische Wissembourg (Weißenburg) und fordern ein vereintes Europa. Erhalten ist davon diese Aufnahme vom 7. August 1950.

18.4.1951 Grundstein Europas: Die Montanunion ist besiegelt

18.4.1951 Die sechs Gründerstaaten Belgien, Frankreich, Italien, Luxemburg die Niederlande und die Bundesrepublik Deutschland unterzeichnen in Paris den Vertrag über eine Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl in Paris.

5.1.1955 Robert Schuman plädiert für Europa-Armee

5.1.1955 | Schon in den 1950er-Jahren gab es Pläne für eine gemeinsame europäische Verteidigung. Frankreich, das heute zu den stärksten Befürwortern eines solchen Projekts gehört, war damals aber dagegen und ließ die Pläne scheitern. Dem französischen Parlament war die Militarisierung Deutschlands nicht geheuer. Das führte zu Verstimmungen und war ein Dämpfer für die deutsch-französische Annäherung. Der Europapolitiker Robert Schuman versucht mit einer Rede im Ludwigsburger Schloss die Wogen zu glätten. Schuman hatte zu dem Zeitpunkt kein politisches Amt, aber er war vorher immerhin schon französischer Ministerpräsident und Außenminister und hatte in diesen Ämtern viele deutsch-französische bzw. europäische Gemeinschaftsprojekte forciert. Anders als viele seiner französischen Landsleute hatte er keine Befürchtungen, dass Deutschland im europäischen Verbund zu mächtig werden würde. Er war ein ausdrücklicher Befürworter einer Europa-Armee – vor allem aus Sorge vor den Entwicklungen in der Sowjetunion. Schuman plädiert in dieser Rede am 5. Januar 1955 auch für das Ziel einer Wiedervereinigung Deutschlands.

3.1.1963 Sefton Delmer als Deutscher in Frankreich

3.1.1963 | Der britische Journalist und Berlin-Korrespondent Sefton Delmer begab sich für eine Reportage des Magazins "Stern" auf Frankreich-Reise. Er wollte herausfinden, ob sich – knapp 18 Jahre nach dem Krieg – eine echte deutsch-französische Freundschaft entwickelt hat.

22.1.1963 Unterzeichnung des Élysée-Vertrags: Live-Reportage

22.1.1963 | Live-Reportage von der Unterzeichnung des Élysée-Vertrags zwischen Konrad Adenauer und Charles de Gaulle. Der Vertrag bekräftigt die deutsch-französische Partnerschaft und verpflichtet beide Länder, sich in wichtigen Fragen der Außen-, Sicherheits- und Kulturpolitik abzustimmen. Reporter: Georg Stefan Troller (*10.12.1921)

23.9.1984 / 1987 Helmut Kohl und sein Treffen mit Mitterand in Verdun

23.9.1984 / 1987 | François Mitterrand und Helmut Kohl reichen sich auf dem Gräberfeld von Verdun die Hände. Spontane Geste oder große Inszenierung? Im Dezember 1987 erzählt Kohl, welche Bedeutung das Treffen für ihn hatte.

4. bis 5.9.1962 Charles de Gaulle in Bonn – Erster französischer Staatsbesuch im 20. Jahrhundert

4. bis 5.9.1962 | Deutsch-französische Gipfeltreffen – heute eine Selbstverständlichkeit, doch 1962 eine Sensation. Jahrhundertelang hatte kein französisches Staatsoberhaupt Deutschland besucht. Auch Präsident Charles de Gaulle lässt sich nach seinem Amtsantritt drei Jahre Zeit – zu groß sind das Misstrauen und die Befindlichkeiten in weiten Teilen der französischen Bevölkerung. Doch als er dann kommt, im September 1962, nimmt er sich Zeit: Fast eine Woche dauert seine Tour durch die Bundesrepublik. Sieben Städte in sechs Tagen. Entsprechend groß wird das Ereignis gefeiert. Im zweiten Teil des Audios, etwa ab Minute 26, hören wir de Gaulles Rede in deutscher Sprache im Bonner Hofgarten. Doch die Berichterstattung beginnt schon mit seiner Ankunft am Köln-Bonner Flughafen und dem Empfang durch Staatspräsident Heinrich Lübke. Alles live im Radio übertragen und kommentiert.
Wo immer Charles de Gaulle hinkommt, sind die Plätze voll, so auch im Bonner Hofgarten am 5.9., dem ersten Tag nach der Ankunft. De Gaulle spricht Deutsch – und das frei, ohne Notizen.

Mehr zur deutsch-französischen Freundschaft

Aus Feinden wurden Verbündete Deutsch-französische Freundschaft

Aus Feinden wurden Verbündete - ein langer Prozess.

STAND
AUTOR/IN
SWR2 Archivradio
MODERATOR/IN
Gábor Paál
Gábor Paál (Foto: SWR, Oliver Reuther)