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SWR2 Archivradio: Die Stasi-Bänder Geräusche bei der Installation einer Wanze

Die Staatssicherheit installiert eine Abhöreinrichtung. Und überwacht sich selbst.

Undatierte Tonbandcassette aus der Hauptverwaltung Aufklärung HVA im Ministerium für Staatssicherheit. Vermuteter Aufnahmezeitraum: 01.1990. Band beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, BStU. Gesamtspielzeit: ca. 40 Minuten. Ausschnitt hier: 4 min.

Tonträger

Tonträger

Diese Aufnahme besteht praktisch nur aus Geräuschen. Nur zu Beginn hört man eine männliche Stimme, offenbar zum Testen des Mikrofonpegels, eins, zwei drei sagen. Dennoch ist die Cassette nach Angaben der Archivarinnen in mehrerer Hinsicht typischer: Die Kontrolle geht so weit, dass man sich beim Installieren von Abhörmikrofonen selbst abhört.

Und: Auf unzählig vielen Aufnahmen sind nun einmal nur Geräusche, Piepen, Räuspern zu hören.

Was wir nicht hören (dürfen)

Diese Aufnahme enthält in ihrem Original trotzdem einige Stellen, wo ein Agent und eine Agentin sich unterhalten und verschiedene Raumpositionen austesten, am Schluss sogar eine – vermutlich – Vase zertrümmern. Diese Passagen wollte uns jedoch die Behörde nicht zur Veröffentlichung zur Verfügung stellen, aus Gründen des Personenschutzes. Wir hören hier also tatsächlich nur Geräusche bei der Installation einer konspirativen Abhöreinrichtung.

Dass die Aufnahme aus der HVA, also der Abteilung für Auslandsspionage, stammt, könnte ein Hinweis darauf sein, dass diese Wanze in einem Bundesrepublikanischen Haus installiert wurde. Die genaue Datierung der Aufnahme ist nicht mehr möglich, laut Erschließungsakte wird das Band auf Januar 1990 datiert. Das zeigt, dass der Auslandsgeheimdienst der Stasi trotz historischer Wende im November 1989 weiter aktiv war.



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