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SWR2 Archivradio - 35 Jahre Deutscher Herbst 28.10.1975: Stammheim-Prozess: Jan-Carl Raspe zu den Haftbedingungen

Der Angeklagte Jan-Carl Raspe kritisiert während der Verhandlung am 28. Oktober 1975 die Isolationshaft.


Jan Carl Raspe, Fahndungsfoto aus dem Jahr 1972

Jan Carl Raspe, Fahndungsfoto aus dem Jahr 1972

Die Methode der Verhandlungsführung habe, davon ist Raspe überzeugt, eine neue Qualität angenommen. Was hier gemacht werde, sei - so Raspe - nur noch "Deckel drauf". Dass Isolationshaft psychosomatische Schäden verursache, sei den Personen in leitenden Positionen bekannt gewesen. So hätten drei Ärzte bestätigt, nachdem Meinhof siebeneinhalb Monate isoliert in Haft untergebracht gewesen wäre, dass die Grenze der psychiatrischen Belastung erreicht wäre. Im Falle Meinhofs seien die Auswirkungen der Isolation sichtbar geworden, behauptet Raspe, da sie - als sie Besuch empfing - nicht mehr in der Lage gewesen wäre, zu sprechen.

Das Tondokument im Wortlaut:

Jan Carl Raspe - Aus dem Gerichtsprotokoll

Jan-Carl Raspe - Gerichtsprotokoll

"Ich stell zunächst mal nur fest, dass Ihre Methode der Verhandlungsführung heute tatsächlich auch ´ne neue Qualität angenommen hat. Was Sie hier tun, ist tatsächlich nur noch: Deckel drauf! Aber ansonsten fahre ich fort mit der Begründung der Ablehnung.

Falsch ist, dass die Auswirkungen der Isolation den verantwortlichen Stellen verdeckt geblieben wären. Nichts war verdeckt.

Es gab Januar '73 die Stellungnahmen von drei Gefängnisärzten in Ossendorf, als Ulrike seit siebeneinhalb Monaten im Trakt war, die ohne Untersuchung erklärten: Psychosomatische Schäden sind bei der Art von Unterbringung, nämlich in akustischer Isolation, unvermeidlich. Aus psychiatrischer Sicht sei die Grenze der Belastbarkeit erreicht, einfach weil die Auswirkungen der Isolation angefangen hatten, sichtbar zu werden.

Ulrike konnte bei Besuchen nicht mehr sprechen. Außerdem ist in unzähligen Anträgen der Anwälte auf Ärzte unserer Wahl auf Aufhebung der Isolation erklärt und mit präzisen wissenschaftlichen Argumentationen nachgewiesen worden, dass die Auswirkungen der Isolation für jeden nach einer bestimmten Zeit katastrophal sind. Wie Wunder hier, als er seinen Schließmuskel mal wieder nicht halten konnte, selbst gesagt hat, Isolation ist eine Frage der Zeit."


Informationen zum Tondokument:

Länge: 1´40

Sendungstitel: 28.10.1975 Stammheim-Prozess - Der Angeklagte Jan-Carl Raspe zu den Haftbedingungen

Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg, Abteilung Staatsarchiv Ludwigsburg

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