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Porträt von Kaiser Wilhelm II. in der Uniform der Garde du Corps

6.8.1914 Aufruf Kaiser Wilhelm II. an das deutsche Volk

Der Erste Weltkrieg

Wenige Tage nach dem Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo griff "ganz Europa" zu den Waffen. Als im Deutschen Reich mobil gemacht wurde, schlugen die Wogen einer allgemeinen Kriegseuphorie sehr hoch. In dem allgemeinen Jubel richtete der deutsche Kaiser Wilhelm II. am 6. August 1914 einen Aufruf an sein Volk.  

Der Kaiser sprach von den Feinden, die dem Deutschen Reich seinen Erfolg neiden und sich nun rüsten, um es zu überfallen. Die hier vorliegende Aufnahme klingt, als ob sie direkt während der Ansprache des Kaisers aufgenommen worden wären. Tatsächlich wurde diese Aufnahme nicht zum Beginn, sondern zum Ende des Krieges erstellt. Anders als im August des Jahres 1914 gab es am Anfang des vierten Kriegsjahres jedoch wenig Anlass mehr zu kriegerischer Euphorie.

Die Rede

"[...] Seit der Reichsgründung ist es durch 43 Jahre mein und meiner Vorfahren heißes Bemühen gewesen, der Welt den Frieden zu erhalten und im Frieden unsere kraftvolle Entwicklung zu fördern. Aber die Gegner neiden uns den Erfolg unserer Arbeit. Alle offenkundige und heimliche Feindschaft von Ost und West, von jenseits der See, haben wir bisher ertragen im Bewusstsein unserer Verantwortung und Kraft. Nun aber will man uns demütigen. Man verlangt, dass wir mit verschränkten Armen zusehen, wie unsere Feinde sich zu tückischem Überfall rüsten. [...] Es muss denn das Schwert nun entscheiden. Mitten im Frieden überfällt uns der Feind. Darum auf zu den Waffen! Jedes Schwanken, jedes Zögern wäre Verrat am Vaterlande. Um Sein oder Nichtsein unseres Reiches handelt es sich, das unsere Väter sich neu gründeten. Um Sein oder Nichtsein deutscher Macht und deutschen Wesens. Wir werden uns wehren bis zum letzten Hauch von Mann und Ross. [...] Vorwärts mit Gott, der mit uns sein wird, wie er mit den Vätern war." Kaiser Wilhelm II. (1859 - 1941)

Rede am 10.1.1918 im Berliner Schloss Bellevue nachträglich aufgezeichnet

In der Zeit des Ersten Weltkriegs waren nur Studioaufnahmen, aber keine Liveaufnahmen möglich. Jedes Wort musste unmittelbar vor einem großen Trichter erzeugt werden, der richtige Abstand musste eingehalten werden. Ein regelmäßiger Rundfunkbetrieb in Deutschland fand erst ab 29.10.1923 statt.

Ein interessanter Aspekt: Es existiert nicht nur die Rede, sondern auch die vorausgegangenen Probeaufnahmen, in denen der Kaiser geübt hat. Darin hört man den Kaiser, wie er mehrmals ansetzt.

Sprachwissenschaftler Wilhelm Doegen unterstützt den Kaiser

Wenn man genau hinhört, erkennt man im Hintergrund noch eine zweite Stimme, die dem Kaiser "Anweisungen" gibt. Das ist der Sprachwissenschaftler Wilhelm Doegen. Der hielt dem Kaiser auch die Hand in den Rücken, um ihm den richtigen Abstand zum Aufnahmetrichter zu zeigen.

Doegen initiierte 1915 die Königlich Preußische Phonographische Kommission und hat viele wichtige Reden nachsprechen lassen. Hier ist zu hören, wie der Kaiser dreimal hintereinander ansetzt und er wird – vielleicht auf Anweisung von Doegen – jedesmal etwas energischer und emphatischer.

Aufnahmedatum: 10.1.1918 (nachgesprochen)
Quelle: Deutsches Rundfunkarchiv DRA
Dauer: 4:45 min

Film: "Der Ausbruch des Krieges"

aus der Sendereihe "Tagebücher des Ersten Weltkriegs" (planet schule)

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