9.9.1987

Jugendtreffen in Ludwigsburg

STAND
AUTOR/IN

Am 9. September 1962 sprach Charles de Gaulle im Ludwigsburger Schloss zur deutschen Jugend. 25 Jahre später haben sich dort wieder rund 10.000 Jugendliche versammelt. Diesmal sind es Deutsche und Franzosen.

Lothar Späth: Nicht von der Bürokratie beirren lassen

Zunächst hört man den baden-württembergischen Ministerpräsident Lothar Späth zu der Menge sprechen. Späth betont die Selbstverständlichkeit, mit der Deutsche und Franzosen heute ihre Grenze überschreiten und zusammenkommen. De Gaulle habe die Jugend vor 25 Jahren aufgefordert, alle Kraft und Fantasie zusammenzunehmen und dieses Europa zu schaffen. Späth dagegen ermuntert die Jugend, sich nicht durch Bürokratie, Hemmnisse und Einzelprobleme beirren zu lassen. Heute seien es die kleinen Schritte, die das deutsch-französischen Verhältnis ausmachten. Im Anschluss wird die Rede Lothar Späths ins französische übersetzt.

Helmut Kohl: Deutschland und Frankreich als Kerngemeinschaft Europas

Der nächste Redner ist der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl. Er nennt die Rede de Gaulles ein eindrucksvolles Dokument der Freundschaft und Versöhnung und appelliert an die deutsch-französische Solidarität. De Gaulle und Adenauer ständen stellvertretend für Männer und Frauen mit Mut und Weitsicht, dem Hass und der Feindschaft ein Ende zu setzen. Junge Deutsche und Franzosen könnten heute schwer nachempfinden , welche gewaltige Leistung die Aussöhnung zwischen den beiden Völkern bedeute. Eltern und Großeltern seien in einem unseligen Geist der Erbfeindschaft erzogen worden. Die Aussöhnung stelle einen radikalen Bruch mit einer schlimmen Vergangenheit dar.
Mit dem Élisée-Vertrag, der vier Monate nach de Gaulles Rede in Ludwigsburg unterzeichnet worden war, hätten sich die Beziehungen auf eine Art entwickelt, die ganz und gar einzigartig in der europäischen Geschichte sei. Und er bekräftigt:

„Im europäischen Einigungsprozess ist die deutsch-französische Freundschaft von Anfang an die treibende Kraft gewesen. Und sie wird es auch in Zukunft sein. Wir sind die Kerngemeinschaft Europas, von der Impulse für die weitere Entwicklung ausgehen werden. Nur so werden wir unserer gemeinsamen geschichtlichen Verantwortung für Europa gerecht.“

Robert Picht: Nach der Befriedung müsse Europa jetzt zusammengehalten werden

Zu hören sind außerdem die Rede des französischen Premierministers Jacques Chirac, Stimmen und Meinungen von Zuschauern und eine Einschätzung von Robert Picht vom deutsch-französischen Jugendwerk. Der warnt vor einer Banalisierung. Es gelte ein schwieriges Werk zu vollbringen, Europa sei zwar befriedet, müsse jetzt aber zusammengehalten werden. Die politischen und wirtschaftlichen Aufgabe, die vor uns lägen, seien nicht mehr sensationell, aber wichtig.

STAND
AUTOR/IN