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Ein arabisches Terrorkommando hat die Lufthansa-Maschine "Landshut" entführt, um RAF-Mitglieder freizupressen. Der Chef der Entführer verhandelt per Funk mit den deutschen Verhandlungspartnern. Die Sonderheit GSG9 befreit die Geiseln.

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Genaue Herkunft der Mitschnitte ungeklärt

Die Tonaufzeichnung des Sprechfunkverkehrs zwischen dem Chef der Entführer, Mahmud Shadid, und den Vertretern der somalischen und der Bundesregierung, sind 100 Minuten lang. Dieses im Tower von Mogadischu mitgeschnittene Dokument befand sich auf zwei Tonhandspulen im Archiv des WDR. Die Herkunft ist ungeklärt. Sehr wahrscheinlich kamen die Bänder aus dem WDR-Studio in Bonn, der damaligen Bundeshauptstadt. Die Mitarbeiter des Studios hatten gute Verbindungen zur Schmidt-Regierung. Für das SWR2 Archivradio wurden die Bänder digitalisiert und sind nun in einem Stück zu hören.

Die deutschen Verhandlungspartner (der Polizeipsychologe Wolfgang Salewski, der Interim-Botschafter Michael Libal und andere) verkünden Mahmud Shadid die frohe Botschaft, dass die Bundesregierung eingewilligt habe, die in deutschen Gefängnissen einsitzenden Häftlinge (Baader, Ensslin etc.) freizulassen und nach Mogadischu auszufliegen. Sie seien in Kürze unterwegs, es müsse nur noch ein Flug gechartert werden.

Der Entführer am Funkgerät spricht gegen Ende immer mehr, während die Antworten vom Tower immer magerer werden ("Roger"). In Wirklichkeit mussten die Behörden Zeit gewinnen, damit sich die Sondereinheit GSG 9 dem Flugzeug im Schutze der Dunkelheit unbemerkt nähern konnte. Kurz nach Mitternacht bricht der Mitschnitt des Funkverkehrs ab, die Sondereinheit griff zu, die Geiseln wurden befreit. In derselben Nacht brachten sich die Gefangenen in Stammheim um.
Der Originalton ist teilweise schwer verständlicher Sprechfunk und komplett in Englisch. Hier ein rohes Transkript, übersetzt ins Deutsche.

Transkript des Funkverkehrs zwischen Tower und Entführer

2’30
Mogadischu Control Tower meldet sich: "Ich soll Sie hiermit darüber informieren, dass bald eine Lufthansa-Maschine mit hohen deutschen Regierungsmitgliedern hier landen wird.“ Mahmud: „Ich habe Forderungen." Tower: "Die müssen Sie der Delegation stellen. So lange müssen Sie warten." – "Vielen Dank."
Mahmud entwickelt Anweisungen: "Nur jeweils eine Person der Delegation darf sich dem gekaperten Flugzeug nähern." usw.

7’00
Mahmud sagt, solange die deutschen "Kameraden" nicht aus den deutschen Gefängnissen frei sind, gibt es keine Verhandlungen.
Michael Libal hält ihn hin. "Melden uns in 5-10 Minuten wieder." Mahmud setzt der deutschen Delegation die Frist von 2 Stunden. General Abdullahi (Polizeichef Somalia) im Tower zu Mahmud: "Die deutsche Regierung hat Ihre Vorbedingung nicht akzeptiert und fordert, dass Sie zunächst die Passagiere und Crew freilassen. Niemand solle leiden." Mahmud: "Wir werden das Flugzeug um 2 Uhr Ortszeit hochgehen lassen, also in 1 Stunde 34 Minuten."
13’00: General: "Wir weisen darauf hin, dass Sie hier auf unserem Staatsgebiet landen durften, und wir fordern, dass Sie die Flugzeuginsassen freilassen, und zwar aus humanitären Gründen, weil sie mit dem Fall nichts zu tun haben."
Mahmud: "Wir sprengen das Flugzeug in 1 ½ Stunden. Die Geiseln sind nicht normale Menschen, sondern gehören dem Regime Deutschlands an."

19’30
Stewardess Gaby Dillmann beschreibt den schlechten Zustand der Geiseln. Sie will ihren Bruder und ihren Vater sprechen. "Bitte helft uns!"

22’00
Der somalische Minister of Transport. 2Im Namen des Präsidenten der somalischen demokratischen Republik sagen wir Ihnen: Wir wollen niemanden verletzen. Sie müssen die Geiseln freilassen, dann sehen wir, wie wir Ihnen helfen können." Mahmud: "In 1 Stunde 10 Minuten sprengen wir die Maschine. Das ist meine Nachricht an die Präsidenten.“ Der Minister: „Sie sind Gast in unserem Land, also verhalten Sie sich entsprechend!"

29’00: Somalisches Regierungsmitglied: "Wir haben mit der deutschen Delegation gesprochen, sie ist unterwegs, es ist für Deutschland eine schwierige Situation. Wir lassen es nicht zu, dass Sie auf unserem Boden Geiseln töten. Sie müssen die Deadline um mindestens 24 Stunden verlängern."

Mahmud: "Wir können jetzt nichts mehr daran ändern. In 27 Minuten sprengen wir. Wir wollen kein Blutvergießen. Aber wenn das westdeutsche Regime unserer Forderung nicht nachkommt, müssen wir so handeln. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Wir ziehen am selben Strang, indem wir den internationalen Imperialismus bekämpfen. Wir können mit dem somalischen Präsidenten verhandeln, aber das faschistische imperialistische Deutschland ist etwas anderes."
Regierungsmitglied: "Bieten Sie uns Alternativen an!"

Mahmud: "„Nur die Nachricht, dass wir die Maschine in 23 Minuten hochgehen lassen."
Regierungsmitglied: "Wir haben keine Macht über die Dinge, aber wir können zwischen der Deutschen Regierung und Ihnen versuchen zu vermitteln."

Mahmud: „Weil wir nichts von den deutschen Behörden gehört haben, und nach Rücksprache mit meinen Kameraden – denn wir fällen Entscheidungen gemeinsam –, bleibt uns keine Wahl, als die Maschine in 20 Minuten zu sprengen. Schuld am Tod aller wird dann das faschistische imperialistische Deutschland sein.“

Tower: "Nachdem Sie in 15 Minuten sprengen wollen, geben Sie uns jetzt eine halbe Stunde extra Zeit, um das Gebiet um das Flugzeug herum zu räumen."

Mahmud: "Für das somalische Volk akzeptiere ich diese halbe Stunde, für die deutschen Behörden täte ich das nicht. Fangen Sie mit der Räumung jetzt an, damit ich sehe, dass ich die Deadline auf 30 Minuten verlängere."

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