Angriffe auf Atomkraftwerke in der Ukraine schüren Ängste in Nagasaki
Seit mehr als einer Woche gehen die Menschen weltweit für Frieden auf die Straße, auch in Japan haben am Wochenende Tausende demonstriert. Ganz besonders betroffen sind dort unter anderem die Menschen in Nagasaki, der Stadt, die 1945 neben Hiroshima Opfer eines Atombombenangriffs wurde. Dort rufen die Kämpfe um die Atomkraftwerke in der Ukraine nochmal ganz andere Ängste hervor.
Nagasaki-Universität und Ukraine arbeiten seit 1991 zusammen
Die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl war 1986. Fünf Jahre später begann die Zusammenarbeit der Nagasaki-Universität mit der Ukraine. Man untersuchte gemeinsam die gesundheitlichen und Umweltauswirkungen.
„Wir haben Spezialisten und Doktoren zu uns eingeladen, die rund um Tschernobyl tätig waren. Wir haben sie geschult, wie man Opfer langfristig am besten medizinisch versorgt.“
Noburo Takamura, der an der Nagasaki-Universität zu solchen Krankheitsfolgen forscht, ist den vergangenen 25 Jahren immer wieder selbst in der Ukraine gewesen. Er habe viele Freunde dort.
„Direkt nachdem dieser Krieg begonnen hat, habe ich meine Kollegen in der Ukraine kontaktiert. Zum Glück geht es ihnen allen bisher gut, aber natürlich hat sich ihr Leben drastisch verändert, und ich mache mir große Sorgen über ihr künftiges Leben.“
Zwar sei die Ukraine weit weg von Japan, dennoch wolle man zumindest Studierenden eine Perspektive bieten, sagt Universitätspräsident Shigeru Kohno.
„Wir bereiten jetzt ein besonderes Aufnahmeprogramm für ukrainische Studierende vor, die wir dann so versorgen müssen, dass sie ihre Studien fortsetzen können. Wissen war damals essentiell für den Wiederaufbau Nagasakis.“
Und das werde man auch für den Wiederaufbau der Ukraine brauchen, wenn dieser furchtbare Krieg zu Ende sei, so Universitätspräsident Kohno.
Ex-Premier Shinzo Abe schlug Stationierung von US-Atombomben in Japan vor
Die Invasion Russlands ist in Japan, wie in vielen anderen Ländern auch, ein Anlass, das Verhältnis zu Russland zu überdenken. Der rechtskonservative Ex-Premier Shinzo Abe hat kürzlich gesagt, es dürfe keine Denkverbote geben. Er brachte, auch mit Blick auf die Bedrohung aus China, die Stationierung von US-Atombomben in Japan ins Spiel.
Japanischer Wissenschaftler hält Abe-Vorschlag für unmoralisch
Fumi Yoshida, Direktor des Forschungszentrums für die Abschaffung von Nuklearwaffen an der Nagasaki Universität, hat das fassungslos zurückgelassen.
„Wenn wir uns die tragischen Ereignisse von 1945 anschauen, dann wissen wir, dass solche Waffen niemals zum Einsatz kommen dürfen. Das ist keine Option, sondern nur inhuman. Das ist also ein völlig abwegiger und unmoralischer Vorschlag, zu sagen, man sollte solche US-Waffen auf japanischem Boden installieren.“
Denn wenn sie erst einmal da seien, würden sie auch irgendwann zum Einsatz kommen, so Yoshida. Im Gegenteil mache der Krieg doch klar, dass man die Atomwaffenarsenale zurückfahren sollte. Und man sollte die Sanktionen gegen Russland weiter verschärfen, zur Not eben auch die Gas-und Öllieferungen stoppen.
"Wir sollten die letzte Stadt sein, die je von einer Atombombe getroffen wurde"
Am Schluss wendet sich Präsident Kohno noch mit einem flammenden Appell an Russland:
„Wir fordern Russland auf, seine militärischen Aktivitäten so schnell wie möglich einzustellen. Militärische Aktionen, die zu schweren Unfällen in den Atomanlagen führen können, sollten ebenfalls sofort beendet werden. Die Botschaft aus Nagasaki ist klar und deutlich. Wir sollten die letzte Stadt sein, die je von einer Atombombe getroffen wurde.“
Die Welt habe in den letzten zwei Jahren bereits mit Covid zu kämpfen gehabt:
„Aber dieser Angriff jetzt wird noch schwerwiegendere Folgen für die Zukunft aller haben. Deshalb sollte auch die ganze Welt auf die russische Invasion reagieren.“