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Apfelblüten als Boten des Klimawandels Wie schnell ist der Frühling?

Wie schnell ist der Frühling? Für diese Fragestellung hat sich Planet Wissen ebenso ungewöhnliche Messgeräte ausgesucht – die Apfelbäume und deren Blüte. Seit neun Jahren bitten die Fernsehmacher um Meldungen zur Apfelblüte und wollen so dem Klimawandel zusammen mit ganz normalen Bürgern und Laienforschern auf die Spur kommen. Henning Hooss war kurz vor Ende der diesjährigen Aktion "Apfelblütenland" im Südschwarzwald unterwegs. Denn höher gelegen als dort blühen in Deutschland keine Apfelbäume.

In Althütte oberhalb des Schluchsees im Hochschwarzwald stehen die höchst gelegenen Apfelbäume der Republik. Der Blühbeginn auf 1070 Meter war am 6. Mai. Das Jahr 2014 war - wieder einmal - ein bemerkenswertes Apfelblütenjahr, meint Planet-Wissen-Redaktionsleiter Uwe Gradwohl. Denn er hat durchschnittlich einen Monat mehr Vegetationszeit für die Bäume ausgemacht als sonst, der Frühling war also in diesem Jahr nicht der Allerschnellste. Zwar gab es einen so frühen Blühbeginn wie nie zuvor, und zwar im Oberrheintal am 24. und 25. März, doch danach kam immer wieder kalte Luft mit kalten Nächten. Darum ist die Apfelblüte in diesem Jahr statt der üblichen 40 Kilometer nur mit einer Geschwindigkeit von 25 Kilometern voran gekommen.

Lahme Blüte

SWR-Wetterreporter Harry Röhrle fotografiert die Apfelblüten

SWR-Wetterreporter Harry Röhrle fotografiert die Apfelblüten

Bereits am 23. März blühte der erste Baum in Waldkirch-Buchholz bei Freiburg. So früh wie noch nie seit Beginn der Aktion vor neun Jahren. Wissenschaftliche Studien zeigen, dass sich in den vergangenen dreißig Jahren der durchschnittliche Blühbeginn - je nach Region - um sechs bis zehn Tage im Kalender nach vorn verschoben hat. Spannend ist jetzt, ob sich dieser Trend durch die Zuschauermeldungen bestätigen lässt und mit dem Apfelblütenkalender Rückschlüsse auf den Klimawandel möglich werden. Doch hierfür muss die Messungsreihe noch länger geführt werden, um eine verlässliche Entwicklung daraus ablesen zu können.

Meldung: Blüte gesichtet

Apfelblüte

Ulrich Finke, Uwe Gradwohl und SWR-Wetterreporter Harry Röhrle

Baumbesitzer Ulrich Finke – ein pensionierter Chemie-Lehrer - meldet seit drei Jahren über ein Formular auf der Internet-Seite planet-wissen.de die Apfelblüte seiner Bäume. Und seit die anderen Bewohnerinnen und Bewohner von Althütte wissen, dass er mitmacht, hat im Weiler sogar ein kleiner Wettkampf um den schwarzwaldhöchsten blühenden Apfelbaum eingesetzt. Beobachtungsreihen wie die der Apfelblüte, die stark von Internet und neue Medien getragen werden, kommen aus dem angelsächsischen Raum und werden dort "Citizen Science" genannt.

Danke für Daten

Apfelblüte

Uwe Gradwohl vor dem Apfelbaum in Schluchsee

Diese Sammlung von wissenschaftlichen Daten fungiert an der Schnittstelle zwischen etablierter Wissenschaft und engagiertem Laientum. Der Apfelblütenkalender etwa wird von Geologinnen und Geologen der Universitäten Freiburg und Heidelberg begleitet und auch die Landesanstalt für Umwelt in Baden-Württemberg nutzt die Daten für ihre Zwecke. Wissenschaftsredakteur Uwe Gradwohl hat in den vergangen neun Jahren über 27.000 Meldungen erhalten. Er meint jedoch, damit das Prinzip der Datensammlung funktioniert, wird eine klare Aufgabe benötigt, die für Laien auch bewältigbar sein muss. Und es muss im Internet eine Möglichkeit geben, auf ganz einfache Art und Weise eine Meldung abzugeben.

Gerade die sozialen Netzwerke sind für diesen Zweck keineswegs nur Segen, denn hier wird viel gefühlsbetonter und oberflächlicher reagiert. So fehlten dann Angaben im zwingend auszufüllenden Meldebogen, hat Gradwohl festgestellt. Apfelblütenmelder Ulrich Finke aus dem Schwarzwald aber hält nichts von dem Vorwurf, Citizen Science sei eine halbgare, nicht ernstzunehmende Sache. Denn ohne die hilfsbereiten Melder und Melderinnen könnte die Wissenschaft auch keine fundierten Aussagen machen.

Blüten auf Smartphone melden

Wissenschaftsredakteur Gradwohl jedenfalls freut sich, dass seine Apfelblütenmelderinnen und -melder so begeistert bei der Sache sind. Die Ergebnisse dieser kleinen Forschungsreisen sind übrigens auf der Apfelblüten-Tagebuchseite von planet-wissen.de zusammengefasst. Und nächstes Jahr brechen dann viele Laienforscherinnen und -forscher bereits zum zehnten Mal auf, dem Klimawandel auf die Spur zu kommen.

Zur Apfelblütenmeldung können Sie übrigens auch Ihr Smartphone nutzen. Einfach die App auf der Seite des SWR2-Blogs 1000 Antworten runterladen und dann selbst mitmachen. Oder einfach bei planet-wissen.de nachschauen, wie es funktioniert.

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