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Antisemitismus in der deutschen Linken – Unterschätzter Judenhass

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Michael Hänel

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Ein Antisemitismus-Skandal auf der documenta, Boykott-Aufrufe israelischer Produkte durch die BDS-Bewegung und pro-palästinensische Demos in deutschen Städten, auf denen die Auflösung Israels gefordert wird. In Teilen der deutschen Linken gibt es ein Antisemitismus-Problem. Eines, das lange übersehen worden ist.

Die zumeist studentischen Bewegungen kommen progressiv daher, sind antikolonial und antiimperialistisch. Doch sie bedienen oft antisemitische Stereotype. Das hat traurige Tradition. Bereits in den 1970er-Jahren gab es in Ost und West eine Allianz von linkem und arabischem Judenhass.

Zeitgeschichte Staatsfeind Israel – Antisemitismus in der DDR

Ihrem Selbstverständnis nach war die DDR antifaschistisch und frei von Judenhass. Doch gerade die Staatsspitze bekämpfte den Staat Israel gezielt – mit bis heute spürbaren Folgen.  mehr...

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6.9.1972 Olympia-Attentat: Radio DDR über "israelische Aggression" und Neofaschismus in Bayern

6.9.1972 | Auch der DDR-Rundfunk berichtete über die Olympischen Spiele 1972 in München, aber wie bei fast allen Themen mit einem etwas anderen Akzent als die bundesdeutsche Presse. Den Terroranschlag verurteilt Kommentator Udo Krause, aber nicht ohne die Solidarität mit den arabischen Staaten gegenüber der "israelischen Aggression" zu betonen.
Soweit der Kommentar von Udo Krause in Radio DDR. In einem weiteren Bericht macht der Sender auf die Umtriebe von Neonazis am Rande der Olympischen Spiele aufmerksam und kritisiert die Untätigkeit der bayerischen Behörden. Nicht erwähnt wird – was heute bekannt ist: dass die palästinensischen Terroristen von München Unterstützung aus der Neonazi-Szene hatten.
Im Bild: Die israelische Olympiamannschaft gedenkt am 1.9.1972 beim Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau der Opfer des nationalsozialistischen Terrors und legt einen Kranz nieder. Vier Tage später sind die israelischen Sportler selber Opfer eines Terroranschlags.  mehr...

17.10.1977 Funksprechverkehr mit der entführten Lufthansa-Maschine "Landshut"

17.10.1977 | Ein arabisches Terrorkommando hat die Lufthansa-Maschine "Landshut" entführt, um RAF-Mitglieder freizupressen. Die Entführer verhandeln per Funk. Die GSG9 befreit die Geiseln. | RAF  mehr...

Kultur Die documenta in Kassel – Weltkunst in der deutschen Provinz

Die documenta ist eine der wichtigsten Kunstausstellungen weltweit. In Kassel war sie nicht immer beliebt. Auch die aktuelle documenta fifteen, die am 18. Juni 2022 öffnet, ist umstritten.  mehr...

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Identitätspolitik Solidarität statt Genderklo – Braucht linke Politik eine neue Ausrichtung?

Die SPD hat den Fokus verschoben auf Identitätspolitik: Stolz verbuchte sie die Einführung der „Ehe für alle“ als ihre Leistung. Den gesetzlichen Mindestlohn winkte sie nur durch. Von Ingeborg Breuer  mehr...

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Antisemitismus Haben die Rothschilds eine besondere Macht?

Nein – jedenfalls keine, die über die „Macht“ anderer kleiner Banken hinausgeht. Die „Rothschilds“ als geschlossenen Familienverbund gibt es so auch gar nicht mehr. Der Mythos Rothschild ist Bestandteil vieler antisemitischer Verschwörungstheorien. Sie stammen aus dem 19. Jahrhundert. Damals sah aber auch die Bankenwelt noch völlig anders aus als heute. Von Gábor Paál | Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.  mehr...

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documenta

Kommentar „Documenta war kulturpolitisch und künstlerisch ein Desaster”

„Der Antisemitismusskandal ist auch ein Ausdruck des künstlerischen Desasters”, sagt Kulturjournalist Ludger Fittkau, „Ruangrupa hat schlicht weg zu wenig kuratiert”. Man habe 1500 Künstlerinnen und Künstler aus befreundeten Kollektiven eingeladen und ihnen gesagt, dokumentiert eure solidarische Arbeitsweise, das künstlerische Produkt sei nicht so wichtig. „Die Kunst hat es so in den seltensten Fällen geschafft, sich über dem Niveau des exotischen Kunsthandwerks zu bewegen, die schon seit Jahrzehnten hierzulande in den ehemaligen Dritte-Welt-Läden angeboten wurden”, sagt Fittkau weiter. „Die Aufsichtsstrukturen der documenta haben versagt!”, resümiert er unmissverständlich weiter.
Lediglich, dass 700.000 Eintrittskarten verkauft wurden, sei eine der wenigen guten Nachrichten - zumindest eine gute für den ansässigen Hotel- und Gastronomiebereich.  mehr...

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Was geht - was bleibt? Zeitgeist. Debatten. Kultur. Die documenta fifteen endet: Was bleibt von der deutschen Erinnerungspolitik?

Die documenta fifteen geht zu Ende – und nicht wenige Menschen würden jetzt hinzufügen: endlich. Was geht, wenn die größte deutsche Kunstausstellung für viele ein Fiasko ist? Die eine Seite beklagt, mit der Documenta habe man Antisemitismus in Deutschland wieder öffentlich ausstellen können, während die andere Seite meint, hinter der Kritik an den Künstler:innen stünde Rassismus.  Ein Scherbenhaufen also, zumindest in der öffentlichen Debatte.

Und was bleibt nun im Nachhinein von dieser documenta fifteen? Lässt sich aus diesem Scherbenhaufen etwas machen – zum Beispiel eine Auseinandersetzung über die deutsche Geschichts- und Gedenkpolitik und die Frage, welchen Platz die kolonialen Verbrechen darin neben der Shoah einnehmen können?

Als gescheitert würde die Journalistin Charlotte Wiedemann die documenta nicht bezeichnen. Wiedemann hat viel aus dem Ausland berichtet und beschäftigt sich mit unterschiedlichen Erinnerungskulturen. Sie hat die documenta besucht und dort viele Anregungen gefunden, die sie in der deutschen Debatte vermisst hat: “Über die documenta würde eine Glocke der Deutschtümelei gestülpt. Das Problem war für mich nicht die documenta selbst, sondern unser Umgang damit.” 

Anders sieht das der Kunstkritiker Hanno Rauterberg, er sagt, die mangelnde Kommunikationsbereitschaft habe den Austausch erschwert: “Der Kollektiv-Gedanke der documenta hat Kritik an einzelnen Künstlern erschwert.” Schnell habe es geheißen, Kritik meine nicht den Einzelnen, sondern alle und damit die gesamte documenta. Kritik sei deshalb von Ruangrupa schnell als rassistisch wahrgenommen worden.

Und auch der Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank und engagiert hätte sich gewünscht, dass die verschiedenen Seiten wirklich miteinander ins Gespräch kommen: „Es wurde zwar viel debattiert, aber da war das Gefühl, dass man aneinander vorbeiredet.“

Viel Stoff also für eine Debatte über die deutsche Erinnerungspolitik!

Charlotte Wiedemanns Buch „Den Schmerz der anderen begreifen“ ist im Mai 2022 bei Ullstein erschienen.

Unterschiedliche Positionen und Erklärungsansätze zur documenta-Debatte findet ihr in der Ausgabe 09/2022 von Politik & Kultur, der Zeitschrift des Deutschen Kulturrats – alles abrufbar unter https://politikkultur.de/archiv/ausgaben/nr-9-22/

Die Bildungsstätte Anne Frank, deren Direktor Meron Mendel ist, hat eine Podiumsdiskussion zu Kunst und Antisemitismus veranstaltet, die ihr hier anschauen könnt: https://www.bs-anne-frank.de/events/kalender/zum-antisemitismusskandal-auf-der-documenta-fifteen

Bei „Was geht, was bleibt“ haben wir uns schon öfter mit den Themen Kolonialismus und Erinnerungspolitik beschäftigt, zum Beispiel in diesen beiden Folgen:
https://www.swr.de/swr2/programm/blinder-fleck-der-erinnerungskultur-unser-kolonialistischer-blick-nach-osteuropa-100.html
https://www.swr.de/swr2/programm/rueckgabe-von-raubkunst-dekolonisierung-oder-reine-symbolpolitik-100.html

Habt ihr noch mehr Themen, die wir uns dringend anschauen sollten? Schreibt uns auf kulturpodcast@swr.de

Host: Pia Masurczak
Redaktion: Pia Masurczak und Kristine Harthauer  mehr...

Gespräch Elke Buhr zur Documenta 15: Ein sehr innovatives Verständnis von Kunst

„Diese Documenta hat uns gezeigt: Es ist nicht das Wichtigste bei der Kunst, ein fertiges abgeschlossenes Werk in den Raum zu stellen", sagt Elke Buhr, Chefredakteurin des Kunstmagazins Monopol, in SWR2. Das Wichtige sei viel mehr, zu vermitteln, was Kunst für eine Gesellschaft leisten könne.  mehr...

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Michael Hänel