Abwehrkräfte aus dem Kuhstall Warum Amish-People keine Allergien haben

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Wer so naturnahe lebt wie vor 150 Jahren hat den allerbesten Schutz vor Allergien. Das haben Forscherinnen und Forscher herausgefunden, die die Amish People in den USA untersuchten.

Kinder, die auf einem Bauernhof aufwachsen, entwickeln nur sehr selten Allergien. Das ist bekannt. Besonders interessant für die Allergie-Forscher sind die Amish People in den USA. Diese religiösen Gemeinschaften leben sehr traditionell von der Landwirtschaft, ohne Telefon, ohne Strom, und pflügen ihre Äcker noch mit Pferden. Und sie entwickeln so gut wie nie Allergien.

Frage der Bewirtschaftung

Die Hutterer hingegen, eine andere religiöse Gemeinschaft in Nordamerika, leiden ähnlich häufig unter Allergien wie Stadtmenschen. Obwohl sie wie die Amischen als Bauern leben. Die Hutterer haben jedoch eine sehr moderne und industrialisierte Landwirtschaft, mit Riesenfarmen, auf denen sie Truthähne oder Schweine oder Kühe halten. Da ist kein Platz für Kinder.

Bei den Amischen hingegen wachsen die Kinder im direkten Kontakt mit Tieren auf. Und mit jeder Menge Mikroben im Stallstaub. Dieser Bakteriencocktail scheint das Immunsystem der Kinder auf Toleranz zu polen. Unterschiede ließen sich bereits im Schulalter feststellen.

Abwehrkräfte aus dem Kuhstall

Die Pionierin der Allergieforschung Erika von Mutius vom Haunerschen Kinderspital der LMU München hat in den "Bauernhofstudien" gezeigt, dass Kinder, die schon von klein auf im Dunst des Kuhstalls aufwachsen, den besten Allergieschutz haben.

Zwei Kühe im Stall, eine streckt die Zunge raus (Foto: SWR, SWR - Angelika Endriss-Zorn)
Offenbar wird das Immunsystem der Kinder in der Stallumgebung besonders gut auf Toleranz gepolt SWR - Angelika Endriss-Zorn

Offenbar wird das Immunsystem in der Stallumgebung besonders gut auf Toleranz gepolt. Erika von Mutius hält es daher für möglich, dass sich das Immunsystem im Laufe der Evolution an das Zusammenleben mit Kuh & Co. gewöhnt hat.

Lebensmittel mit dem Wort Allergie davor (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Je früher Kinder mit möglichst verschiedenen Mikroben und Allergenen aus der Umwelt konfrontiert werden, desto besser tolerieren sie diese im späteren Leben Thinkstock -

Eventuell lässt sich aus dem Dunst des Kuhstalls ein Mikrobencocktail entwickeln, der das Immunsystem von Stadtkindern rechtzeitig auf Kurs bringen kann.

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