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Pollen-Kraut Warum man Ambrosia-Pflanzen vernichtet

Normalerweise ist die Allergie-Saison Anfang August zu Ende, doch die Ambrosien stehen noch bis in den Monat Oktober hinein in voller Blüte und verteilen Millionen von Pollen. Die sind für Allergiker besonders gefährlich. Um der Ambrosia Herr zu werden, werden die Pflanzen von so genannten "Ambrosia-Scouts" gesucht, kartiert und vernichtet.

Sie sieht dem Beifuß zum Verwechseln ähnlich, die Ambrosia artemisiifolia. Das ursprünglich aus Nordamerika stammende Beifußblättrige Traubenkraut verbreitet sich in Deutschland verstärkt seit 2006 aus und gehört zu den invasiven Arten. Anfang des 19. Jahrhunderts ist sie unbeabsichtigt nach Europa gekommen. Botaniker sprechen von Neophyten – also von Pflanzen, die neu in Deutschland heimisch geworden sind. Klimatische Gegebenheiten haben die Ambrosia sprichwörtlich sprießen lassen.



Unterschätztes Kraut

Doch ihr Wuchs wird kritisch beobachtet. Am Institut für Meteorologie der Freien Universität Berlin werden alle relevanten Informationen in einer Datenbank gesammelt und der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Denn: die Ambrosia-Pflanze wird von einem Großteil der Bevölkerung unterschätzt. Besonders für Allergiker ist sie gefährlich, aber auch für solche, die bisher keine Allergien hatten, sagt Sandra Kannabei, Geografin am Meteorologischen Institut:

"Das Gefährliche an der Ambrosia sind einerseits die Pollen, die dreimal reaktiver sind als unsere heimischen Pollen. Bei der Birke braucht man zum Beispiel 50 Pollen pro Kubikmeter Luft um bei Allergikern einen asthmatischen Anfall auszulösen, bei Ambrosia reichen bis zu 10 Pollen pro Kubikmeter Luft."


Aktiv gegen Ambrosia

Frau Kannabei pflückt Ambrosia

Sandra Kannabei erklärt einem "Ambrosia Scout" das Erkennen von Ambrosia Pflanzen.

Deshalb helfen nun sogenannte "Ambrosia-Scouts" dabei, die Pflanzen aufzuspüren, auszureißen und im Restmüll zu vernichten. Mit der systematischen Kartierung und Vernichtung tragen die "Scouts" auch dazu bei, einen Internetbasierten Ambrosia-Atlas zu vervollständigen.

Seitdem das Ambrosia-Aktionsprogramm realisiert wird, konnten Sandra Kannabei und ihre Kollegen feststellen, dass zwar nicht die Anzahl der Bestände insgesamt, wohl aber die Anzahl der Ambrosia-Pflanzen in einem Fund abnimmt.


Vogelfutter ohne Ambrosia

Seit Anfang des Jahres 2012 gilt auch eine neue EU-Richtlinie für Futtermittel. Sie begrenzt unerwünschte Ambrosiasamen in Vogelfutter zum Beispiel auf 50 mg pro Kilogramm.

Ambrosia

Ambrosia wird vernichtet

Bevor diese Richtlinie in Kraft trat, war die Anzahl der verunreinigenden Samen gar nicht reglementiert. Noch aber ist verunreinigtes Vogelfutter im Umlauf. Erschwerend kommt hinzu, dass Wissenschaftler neben der Beifußblättrigen Ambrosie in Deutschland eine weitere Art gefunden haben: die Stauden-Ambrosie  - Ambrosia psilostachia. Sie ist schwerer zu bekämpfen, weil sie sich nicht nur durch Samen, sondern auch durch ihre tiefer liegenden Wurzelsysteme vermehren, sagt Kannabei:


"Wir haben da leider nicht die Möglichkeit effektiv dagegen vorzugehen, das heißt wir müssten mindestens 10 Zentimeter Erdmaterial aufbringen, damit die Pflanze nicht durchkommt oder Herbizideinsatz anwenden, aber das ist in dem Masse noch nicht durchgesetzt worden."


Ambrosia Nahaufnahme

Detailaufnahme des Pollenstandes einer Beifuß- Ambrosia-Pflanze

Noch aggresiver: Die Staudenambrosie

Funde der Staudenambrosie zählen oft viele hunderte bis tausend Pflanzen. Von solchen Massenvorkommen geht natürlich eine noch größere Pollenbelastung für Allergiker aus, die meist auch gegen beide Arten allergisch sind. Um die Verbreitung der Staudenambrosie durch verunreinigtes Erdmaterial einzudämmen, ist vor allem eine Disziplin gefragt. Auch die Baubranche solle nach der Ambrosie Ausschau halten meint Kannabei. Vor allem aber müssen die Anwohner über das Allergiepotenzial der Pollen und den richtigen Umgang mit den Pflanzen informiert werden.

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