Ein Mädchen sitzt auf den Schultern des Großvaters. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)

Alzheimer ausbremsen Bewegung gegen das Vergessen

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Wenn die Gedächtnisleistung merklich abnimmt, kann das ein Zeichen für eine beginnende Demenzerkrankung sein. Ein Schreckgespenst, dem man sich hilflos ausgeliefert fühlt. Das muss aber nicht so sein: Die Ergebnisse einer Studie an der Deutschen Sporthochschule in Köln legen jetzt nahe: Selbst wenn das Gedächtnis schon schlechter geworden ist, kann man ihm durch Sport wieder auf die Sprünge helfen.

Mit gezielten Bewegungsprogrammen kann eine Demenz verlangsamt werden. Das ist bekannt. Die Krankheit schreitet dann langsamer voran. Höchstleistungen sind dabei nicht nötig. Wichtig ist vielmehr die Regelmäßigkeit. Ideal ist jeden Tag eine halbe Stunde mäßiger Sport. Welche Sportart ein älterer Mensch wählt – ob Schwimmen, Walking oder Radfahren– ist nicht entscheidend. Hauptsache, wir bewegen uns.

Nun erforschen Wissenschaftler, ob sich bereits verloren geglaubte Hirnleistung bei Demenz auch wieder zurück erobern lässt. So die steile These. Die sogenannte "Denksport-Studie", die an der Deutschen Sporthochschule in Köln, am Trinity College in Dublin und dem Radboud Alzheimer Centrum in Nijmwegen durchgeführt wird, überprüft das nun.

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Gesunder Geist im gesunden Körper

In Köln hat Prof. Stefan Schneider die Untersuchungen geleitet und die Probanden dafür ausgewählt: Es sind Menschen mit leichten kognitiven Problemen, die das Anfangsstadium einer Demenzerkrankung markieren und die in den letzten Jahren wenig Sport getrieben haben. In Köln sind das 75 Teilnehmer zwischen 60 und Mitte 80. Ein Drittel machte ein Jahr lang ein Ausdauersportprogramm, ein Drittel ein Kraft- und Koordinationstraining und eine Kontrollgruppe trainierte weiterhin gar nicht. Mindestens zwei Mal pro Woche sollten sie entweder an einem der Angebote in der Sporthochschule teilnehmen oder alternativ Zuhause trainieren. Wissenschaftler Stefan Schneider zieht das Fazit:

Unsere Daten zeigen ganz klar, dass mit der Verbesserung der körperlichen Fitness auch die geistige Fitness verbessert. Das ist die erste Studie, die zeigen kann, dass auch wenn man bisher wenig gemacht hat, man durch ein regelmäßiges Training noch nachholen kann.

Effekt der Gruppe oder der Bewegung?

Allerdings zeigen die Daten bisher nur einen Gruppeneffekt – insgesamt hat sich die kognitive Leistung der Studienteilnehmer verbessert. Das gilt jedoch nicht unbedingt für jede Einzelperson. Außerdem kann man die Daten auch noch anders interpretieren. Möglicherweise ist es nicht der Sport, der die Gedächtnisleistung verbessert hat, sondern das soziale Miteinander, räumt Sportwissenschaftler Schneider ein. Schließlich treffen sich Teilnehmer nun mindestens zwei Mal die Woche und verabreden sich auch außerhalb des Sportangebotes wieder, das führt natürlich auch dazu, dass das Gehirn herausgefordert wird. Vielleicht ist es also gar nicht der Sport an sich, sondern einfach das regelmäßige Zusammenkommen mit Freunden.

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