Hören bedeutet auch aufmerksam sein (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)

Es liegt nicht immer an den Ohren Schwerhörigkeit im Alter

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Wie hören wir eigentlich? Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Max Planck Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig forschen daran seit vielen Jahren und sind nun auf eine interessante Beobachtung gestoßen. Altersschwerhörigkeit, sagen sie, hat nicht nur mit dem Ohr, sondern auch mit der nachlassenden Aufmerksamkeit zu tun.

Wenn man sich das Ohr genau anschaut, sieht man, es ist ein ungewöhnliches Organ. Wie es geschwungen ist, um Geräusche gut nach innen zu leiten. Und innen, im Innenohr, wird es dann noch rätselhafter. Da ist ein Ambos, ein Hammer, Steigbügel, Trommelfell, eine Ohrtrompete. Und wenn die Geräusche und Klänge da überall hindurch gelangt sind, kommen sie zum Hörnerv und von da aus ins Gehirn.

Überall Aufgaben

In einem kleinen Teststudio im Leipziger Max Planck Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften werden 40 Probandinnen und Probanden Tonaufnahmen mit Aufgaben vorgespielt. Während sie die Aufgaben lösen, misst eine Mitarbeiterin des Instituts die Hirnströme mit einem EEG, das ist ein Elektroenzephalogramm.

Hinter allem, was wir hören, steckt eine Aufgabe (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Hinter allem, was wir hören, steckt eine Aufgabe Foto: Colourbox.de -

Mittels Knopfdruck geben die Versuchspersonen an, welche von zwei Zahlen auf der Tonaufnahme die Größere ist. Doch warum diese Aufmerksamkeitsaufgabe, statt einfach nur Worte oder Zahlen zu erkennen, bzw. zu hören? Der Leiter der Forschungsgruppe "Auditive Kognition", Jonas Obleser, sagt, dies sei eine typische Alltagssituation. Denn hinter allem was wir hören, steckt eine Aufgabe.

Hören und Information

Hören findet nicht nur statt, damit wir hören, sondern wir hören, um Informationen aufzunehmen, dann Informationen zu verarbeiten, Informationen kurz im Gedächtnis zu halten. Sei es, um eine Telefonnummer zu notieren oder eine Bestellung aufzugeben. Um das Zusammenspiel von Ohr und Gehirn dingfest zu machen, beruft sich die Forschungsgruppe auf ein Indiz, die sogenannten Alphawellen. Das sind elektrische Spannungen, die das EEG am Kopf misst.

In der Studie der Max Planck Forschung wurden die Alphawellen junger und älterer Menschen verglichen. Die Jungen waren zwischen 20 und 30 Jahre alt, die Älteren zwischen 60 und 70. Der Kognitionswissenschaftler und Doktorand, Malte Wöstmann, leitete die Studie. Die Auswertung der Daten haben eindeutig gezeigt, dass die älteren Probandinnen und Probanden viel weniger flexibel sind in ihrer Aufmerksamkeitszuweisung.

Hörgerät (Foto: picture-alliance / ZB  -)
Hörgeräte müssen dynamischer reagieren und die Aufmerksamkeit der Träger berücksichtigen picture-alliance / ZB -

Selektive Aufmerksamkeit

Die Jüngeren dagegen konnten mehrere Aspekte ähnlich gut in Betracht ziehen, wenn sie mit schwierigen Hörsituationen konfrontiert waren. Schwerhörigkeit im Alter hat also zwei Ursachen. Erstens: Die einzelnen Teile des Ohres sind nicht mehr die Jüngsten: der Ambos, oder der Hammer, Steigbügel, Trommelfell oder die Ohrtrompete. Zweitens: Ältere Menschen können nicht mehr so gut selektieren, also das wesentliche herausfiltern, und sie werden schneller unaufmerksam.

Konzentrationsübungen alleine können das nicht lösen. Dafür aber bessere Hörgeräte. Eine Lösung könnte ein Hörgerät mit einem Mini-EEG sein. Das misst dann die Alphawellen und übermittelt dem Hörgerät die Information, nicht auf Grund des äußeren Lärmpegels, sondern auf Grund der Befindlichkeit des Hörgeräteträgers.

Das EEG kann auch sagen: Bitte der Stimme am rechten Ohr zuhören und nicht der am linken Ohr. Klingt utopisch. Könnte aber, so die Forschung, bald möglich sein. Eventuell schon in fünf Jahren.

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