Messengerdienst mit Spähfunktion? Alternativen zu WhatsApp

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Gespräch mit Alexander Winkler, SWR Wirtschaftsredaktion

WhatsApp gilt zehn Jahre nach seiner Gründung und fünf Jahre nach seiner Übernahme durch Facebook immer noch als der Messengerdienst schlechthin. Rund 42 Millionen Menschen nutzen WhatsApp allein in Deutschland zur tagtäglichen Kommunikation. Doch vor allem aus Datenschutzgründen ist das soziale Netzwerk derzeit immer mehr in der Kritik. Wie sicher ist WhatsApp? Welche Alternativen gibt es?

WhatsApp bietet viele Vorteile: Jeder Sportverein hat zum Beispiel eine WhatsApp Gruppe, über die man erfährt, ob der Kurs vielleicht mal ausfällt oder wo der Treffpunkt der Laufgruppe ist. WhatsApp kann den Alltag erleichtern. Telefonketten werden unnötig. Im besten Fall spart man Zeit. 2014 wurde WhatsApp von Facebook Chef Mark Zuckerberg gekauft. Der will jetzt die verschiedenen Messenger Dienste seines Unternehmens miteinander verknüpfen. Er räumt sich auch das Recht ein, die Account Infos und Kontakte zwischen Facebook, WhatsApp und Instagram auszutauschen. Damit sind viele Nutzer nicht so ganz einverstanden.

Frage an Alexander Winkler: Nutzen Sie denn WhatsApp?

Ja. Jeder zweite Deutsche nutzt WhatsApp. Wir alle wollen gerne irgendwie erreichbar sein für Freunde, für Verwandte. Ganz verteufeln kann ich WhatsApp am Ende auch nicht. Der Messenger nutzt für die gesamte Kommunikation die sogenannte Ende zu Ende Verschlüsselung. Das heißt: Unsere Nachrichten sind auch sicher.

Ende zu Ende Verschlüsselung - heißt das, unsere Daten sind definitiv sicher?

"Ende zu Ende" heißt, dass alles, was ich schreibe oder als Sprachnachricht aufnehme oder als Foto oder Video versende, auf meinem Handy verschlüsselt wird und erst auf dem Smartphone des Empfängers wieder entschlüsselt wird. Dazwischen geht die Nachricht zwar über diverse Internet Server, kann dort aber nirgends gelesen werden. Und dasselbe gilt auch für Videoanrufe oder Status Updates.

Damit ist der Inhalt unserer Nachrichten sicher. Was aber darüber hinaus von WhatsApp genutzt werden kann, das sind unsere Metadaten. Also zum Beispiel, wann wir wie oft mit wem Nachrichten schreiben oder telefonieren. Außerdem kann Whats App auch das Adressbuch einsehen. Diese Daten liegen WhatsApp und damit dem Facebook Konzern vor. Da ist dann das Ende der Datensicherheit erreicht.

sms Sprech (Foto: © Colourbox.com -)
Messengerdienste wie WhatsApp sind aus dem Leben vielen junger Menschen nicht mehr wegzudenken. © Colourbox.com -

Ist die Ende zu Ende Verschlüsselung der einzige Punkt, den WhatsApp nutzt, um Datenschutz zu gewährleisten?

Im Großen und Ganzen: ja. Damit ist auch schon viel gesichert. Denn an die Inhalte, also an das, was wir schreiben, kommt niemand dran.

Mit den Metadaten aber soll künftig gezielt Werbung auf Whats App geschaltet werden?

Ja, das ist richtig. Es soll künftig Werbung geschaltet werden. Details sind noch nicht bekannt. Wahrscheinlich wird die Werbung nur zwischen den Status Updates geschaltet.

Welche Alternativen gibt es zu WhatsApp?

Ja, jede Menge. Die gängigsten sind vermutlich Threema, Telegram oder Signal, aber auch Wire, Hoccer, Sims Me, letztlich auch Skype und die Apple Alternative IMessage. Die alle bieten verschlüsselte Kommunikation an. Aber keiner dieser Anbieter vereint so viele Nutzer wie WhatsApp. Was zur Folge hat, dass ich ganz persönlich zum Beispiel sieben unterschiedliche Messenger Apps auf meinem Handy installiert habe. Denn wenn es um echte Sicherheit geht, dann gibt es auch gar keine Alternative zu irgendeiner App. Erst recht nicht die klassische SMS, denn die ist komplett unverschlüsselt.

Ein Mann hält ein Smartphone in den Händen, aus dem digital animierte Briefumschläge fliegen. (Foto: © Colourbox.com -)
Die klassische SMS hat noch nicht ganz ausgedient. Sie ist aber komplett unverschlüsselt. © Colourbox.com -

Wie sieht es denn bei den alternativen Messengern in Sachen Service und Datenschutz aus?

WhatsApp ist einfach zu bedienen und für alle anderen ist es ein Nachteil, dass sie nicht so viele Nutzer haben. Wenn wir uns mal einzelne Apps ansehen, haben die unterschiedliche Stärken und Schwächen:

  • Telegram zum Beispiel stammt aus Russland. Die Entwickler sitzen mittlerweile aber wohl in Dubai. Und die App hat diese Ende zu Ende Verschlüsselung nicht standardmäßig aktiviert, sondern man muss extra geheime Chats aufmachen. Für alle nicht-geheimen Chats und Gruppenchats gibt es eine Server-Client-Verschlüsselung, die die Nachrichten auf dem Weg von Sender zum Server und vom Server zum Empfänger verschlüsselt.
  • Threema kommt aus der Schweiz, ist aber leider für mich persönlich die am wenigsten nutzerfreundliche App. Das schreckt viele ab.
  • Dienste wie Wire oder SimsMe von der Deutschen Post richten sich an Firmenkunden.
  • Und die App Hoccer ist von der Stiftung Warentest 2015 als Testsieger unter den Messenger Apps gekürt worden. Die wird aber leider seit einem Jahr nicht mehr weiterentwickelt. Wenn dann irgendwann mögliche Sicherheitslücken aufkommen, die nicht behoben werden, ist die App eigentlich auch nicht zu empfehlen.
  • Signal ist der Messenger, den zum Beispiel der Whistleblower Edward Snowden mal empfohlen hat. Der kommt aus den USA. Der Quellcode ist Open Source, also öffentlich einsehbar. Und damit könnten mögliche Sicherheitslücken eigentlich sogar relativ schnell aufgedeckt werden.

Also sind die Alternativen sind auch nicht sicherer als WhatsApp?

WhatsApp ist ziemlich sicher, was die Inhalte unserer Kommunikation angeht. Aber WhatsApp ist auch die einzige App, die mir bekannt ist, die über den Mutterkonzern Facebook unsere Daten verwendet, um damit Geld zu verdienen, um Werbung zu schalten. Da sind wir ruckzuck wieder bei den Metadaten, die vom Facebook Konzern benutzt werden. Trotzdem muss man sagen: Die anderen Apps haben teilweise auch Sicherheitslücken. Überall da, wo es keine Ende zu Ende Verschlüsselung gibt, ist WhatsApp definitiv besser.

Mehrere Sicherheitsschlösser vor einer Matrix. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Datenschutzbeauftragte befürchten, dass viele Datenpannen verschwiegen werden Thinkstock -

Welche Rolle spielen Alternativen zu Facebook wie Mastodon oder XM PP Netzwerk?

XM PP ist ein technisches Protokoll, wie Nachrichten zwischen zwei Apps verschickt werden. Innerhalb dieses Netzwerks ist es egal, welche App ich verwende. Die Nachrichten können theoretisch auch von Messenger A an Messenger B geschickt werden. Aber genau das ist macht die Sache kompliziert. Denn sichere Kommunikation setzt voraus, dass beide Apps sicher sind. Ich als Nutzer habe ja keine Kontrolle, welche App mein Gegenüber verwendet.

Mastodon ist eine angeblich sichere Alternative zu Facebook . Größtes Problem hierbei: Weltweit gibt es weniger als 1.5 Millionen Nutzer. Damit ist dann auch relativ schnell klar, warum Mastodon keine signifikante Rolle spielen kann.

Das Fazit: Facebook und Facebooks WhatsApp sind immer noch unangefochten die Marktführer und werden es wohl noch eine Weile bleiben.

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