Post-Punk

Album "Cacti" von Billy Nomates: Harte Schale, weicher Kern

STAND
AUTOR/IN
Christoph Reimann

Die britische Musikerin Billy Nomates sympathisiert mit der Widerstandsfähigkeit von Kakteen. „Cacti“ heißt ihre neue Post-Punk-Platte, auf der sie Songtexten über Depressionen lebensbejahende Stampf-Beats entgegenstellt. Die Botschaft der zwölf aufmüpfigen Titel: Das Leben will gelebt werden, aller Widrigkeiten zum Trotz.

Audio herunterladen (3,7 MB | MP3)

Der Kaktus ist der Engländerin am nächsten

Billy Nomates hätte sich mit einer Orchidee vergleichen können, weil ihre Post-Punk-Gewächse so schöne, einzigartige Blüten treiben. Oder mit einem Walnussbaum und seinen Früchten: harte Schale, weicher Kern.

Aber die Pflanze, die der Engländerin am nächsten ist, ist der Kaktus. „Cacti“, also Kakteen, so hat sie ihr zweites Album genannt.

„Für mich symbolisieren sie das Überleben. Kakteen können auch unter schweren Bedingungen gedeihen. Ich habe mich in dieser Metapher wiederfinden können, und zwar bezogen auf die Musik, auf das Leben und die Welt. Manchmal machen wir einfach weiter, allen Widrigkeiten zum Trotz.“

Ruhigere Töne sind neu für Nomates

Und Billy Nomates behauptet sich auf diesem Album. Zum Beispiel, wenn sie in „Blue Bones (Death Wish)“ über ihre Depressionen singt und den inneren Dämonen einen lebensbejahenden Stampf-Beat entgegenstellt. Oder – und das ist neu im Vergleich zum Debüt – wenn sie auch mal ruhigere Töne zulässt.

Die gehörten schon immer zum Repertoire, betont die Singer-Songwriterin aus Bristol. Nur auf ein Album hätten sie es bisher nicht geschafft. Überhaupt macht Tor Maries, wie sie bürgerlich heißt, schon lange Musik. Dass sie die auslaugenden Brotjobs an den Nagel hängen konnte, ist allerdings noch neu. Sie erinnert sich:

Ich hatte verschiedene Jobs. Nachts habe ich dann Musik gemacht. Geld hatte ich nie. Irgendwann bin ich auf der Couch meiner Schwester gestrandet, mein erstes Album habe ich in ihrer Küche geschrieben, mit kostenlosen Instrumenten und Software.“

Der Einstieg in die Branche ist hart

Billy Nomates sagt, dass sie vom Rand der Working Class kommt, jener Gesellschaftsschicht also der die britische Popmusik so viel zu verdanken hat, zum Beispiel den Punk, auf den auch Billy Nomates aufbaut.  

Aber gerade für junge und einkommensschwache Personen wird es immer schwieriger, den Einstieg in die Branche zu schaffen. Nicht nur, aber auch wegen der Pandemie. Denn vergleichbare Hilfsprogramme wie Neustart Kultur gab es in Großbritannien nicht. 

Erst, als ich Fuß gefasst hatte, wurde mir klar, wie sehr Herkunft eine Rolle spielt in diesem Business. Dann wurde deutlich, wie ungewöhnlich es ist, dass jemand Unterprivilegiertes wie ich mit dabei sein darf. Bis dahin hat mir meine Naivität geholfen, weiterzumachen.“

Das Leben will gelebt werden

Das und, das darf man wohl annehmen, die widerspenstige Kraft des metaphorischen Kakteenstachels. Zwölf aufmüpfige Songs hat Billy Nomates auf dem Album „Cacti“ versammelt.

Einer der stärksten davon heißt „Balance Is Gone“, ein Song über das Aus-der-Bahn-geworfen-Sein. Billy Nomates steht vielleicht immer noch nicht fest mit beiden Füßen auf dem Boden.

Aber vielleicht liegt es bei diesem energiegeladenen Titel auch einfach daran, weil sie zu sehr damit beschäftigt ist, zu tanzen. Das Leben will gelebt werden, auch wenn vieles schiefläuft.  

Gespräch Anja Gockel über Vivienne Westwood: ,,Alles was sie getan hat, war extrem!"

Eine Punkerin, die sich ein Modeimperium aufbaut - das dürfte in der Weltgeschichte einmalig sein und bleiben. Am 29. Dezember 2022 ist Vivienne Westwood in London gestorben. ,,Sie war zur richtigen Zeit am richtigen Ort", sagt die Mainzer Designerin und frühere Mitarbeiterin von Vivienne Westwood, Anja Gockel. ,,Sie hat diese Strömung des Zeitgeistes inhaliert und wurde zum Medium dafür, den Punk in die Mode weiterzutragen."

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Rock „Godmother of Punk“: Patti Smith wird 75

Patti Smith war Punk, bevor es Bands wie die Ramones überhaupt gab. Trotzdem sah sie sich selbst nie als Sängerin und sie nur auf ihre Musik zu reduzieren, würde der vielseitigen Künstlerin nicht gerecht. Am 30.12.2021 feiert die Lyrikerin, Fotografin, Malerin, Ikone der Frauenbewegung und Godmother of Punk ihren 75. Geburtstag.

STAND
AUTOR/IN
Christoph Reimann