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Dreiteilige Reihe in SWR2 Wissen Ängste und ihre Therapien

Trump und seine Politik ist für die Deutschen der größte Angstauslöser, gefolgt von der Überforderung der Behörden durch Flüchtlinge. Das geht aus der neuesten Untersuchung zu den "Ängsten der Deutschen" der R & V Versicherung hervor. Doch streng genommen handelt es sich hierbei nicht um Ängste, sondern um Sorgen. Echte Angst ist etwas anderes. Tatsächlich führen Angststörungen die Liste der psychischen Erkrankungen an, noch vor Depressionen und Alkoholsucht. SWR2 Wissen widmet den (echten) Ängsten deshalb eine dreiteilige Reihe.

Die Sorge vor Trump oder vor Flüchtlingen ist nicht vergleichbar mit dem, was im Körper bei einer echten Angstsituation passiert: Das Herz rast. Der Blutdruck steigt. Schweiß bricht aus. Druck lastet auf der Brust, die Beine werden flau. Rund 15 Prozent der Deutschen haben Angst schon einmal als eine Störung erlebt, die ihren Alltag beeinträchtigt oder sogar lähmt.

Doch wer mag schon offen über seine Ängste sprechen? Angst gilt als Schwäche - daran hat sich bis heute wenig geändert. Und so begibt sich der sprichwörtliche „Angsthase“ oft nur heimlich in psychotherapeutische Behandlung – wenn überhaupt: Wer etwa unter Flug-oder Höhenangst leidet, entwickelt Strategien, die entsprechenden Situationen zu vermeiden - reist eben mit Zug, Auto oder Schiff; verzichtet auf Bergtouren und umgeht hohe Brücken.

Paniken, Phobien und generalisierte Angststörungen

Experten unterscheiden zwischen Panikstörungen, Phobien und der „generalisierten Angststörung“, bei der die Furcht vor alltäglichen Anforderungen und möglichen Katastrophen dazu führen kann, dass sich der Betroffene kaum noch aus dem Haus traut.

Frau ängstigt sich im Fahrstuhl.

Für manche Menschen kann schon die Fahrt in einem Aufzug zu einer echten Herausforderung werden.

„Angst gehört unvermeidlich zu unserem Leben. Sie ist Signal und Warnung bei Gefahren und enthält gleichzeitig einen Aufforderungscharakter: Nämlich den Antrieb, die Angst zu überwinden“, sagte der Psychoanalytiker Fritz Riemann. Sein Buch „Grundformen der Angst“ von 1961 wird bis heute in der psychologischen Ausbildung eingesetzt.

Therapien gegen die Angst

Mittlerweile hat die psychologische Forschung eine Reihe therapeutische Verfahren entwickelt, mit denen sich Ängste spezifisch behandeln lassen. Wer unter Höhenangst leidet, kann in virtuellen Szenarien so lange über eine Brücke gehen, bis er die Situation immer besser aushält und die Angst langsam sinkt. Ein Patient mit sozialer Phobie stellt sich mit der Therapeutin die bedrohliche Vortragssituation immer wieder vor, bis er sich in der Lage fühlt, vor einer kleinen Gruppe zu reden.

Wer in engen Räumen Panikattacken bekommt, macht mit der Therapeutin Entspannungsübungen und sucht dann mit ihr zusammen genau solche engen Räume auf. Ziel ist, sich den Ängsten zu stellen, eingefahrene Denkmuster zu unterbrechen und durch neue Erfahrungen zu überschreiben. Natürlich kann auch die Entscheidung für eine Therapie Angst machen, kann das Herz schneller klopfen und den Blutdruck steigen lassen. Doch wie bei anderen Krankheiten gilt auch hier: Je früher man eine Angststörung behandelt, desto größer sind die Chancen auf Heilung.

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