Bitte warten...
Wasserreinigung mit Kieselgel

Neues Verfahren zur Wasserreinigung Kieselgel filtert unsichtbare Gifte

Leider sind Kläranlagen nicht in der Lage, die Rückstände von Medikamenten aus dem Abwasser zu filtern. So schließt sich der Kreis, die Medikamente kommen über Leitungswasser zurück zu uns. Die Chemikerin Kathrin Schuhen von der Universität Landau hat ein Verfahren entwickelt, mit dem man die Substanzen aus dem Wasser herausfiltern könnte.

Frau mit Tablette auf der Zu

Medikamentenrückstände gelangen auch ins Abwasser

Da hat man Schmerzen, nimmt eine Tablette und ist froh, wenn diese möglichst schnell hilft. Dass man selbst den größten Teil des Medikaments einfach so wieder ausscheidet, daran denkt man eher nicht. Tonnenweise gelangen Medikamentenrückstände in unser Abwasser und die meisten Kläranlagen sind nicht in der Lage, diese Substanzen herauszufiltern.

Doch die Chemikerin Katrin Schuhen von der Universität in Landau hat ein Verfahren entwickelt, mit dem das vielleicht schon bald funktionieren kann. Und mit dieser Idee ist sie für die Auszeichnung GreenTec Award nominiert – ein Preis, der für Umweltwissenschaftler genauso bedeutend ist, wie der Oscar für einen Schauspieler.

Medikamente in Tieren

Zulauf der Kläranlage Landau

Zulauf der Kläranlage Landau

Im Zulaufkanal der Kläranlage Landau kommt das ganze Abwasser der Stadt und einiger Gemeinden aus dem Umkreis an. Was da so alles an sichtbarem Material herumschwimmt, möchte man gar nicht so genau wissen. Doch etliche Substanzen, die mit dem Wasser hier angeschwemmt werden, sind unsichtbar, erklärt Ingenieur Friedrich Menacher von der Kläranlage Landau.

Schmerzmittel, Blutdrucksenker oder Antibiotika – nimmt man solche Medikamente ein, verarbeitet der Körper in der Regel nur einen geringen Prozentsatz davon, der Rest wird – quasi als organischer Müll – wieder ausgeschieden. Über das Abwasser landet dieser Giftcocktail im Ökosystem – und das tonnenweise, allein in Deutschland, erklärt die Chemikerin Katrin Schuhen von der Universität in Landau. Die Tierwelt zeigt Reaktionen in Form von Aggressivität unter den Tieren oder Verweiblichung von Fischen. Welche Auswirkungen die Rückstände auf Menschen haben, ist noch nicht klar.

Andocken an Schlammflocken

Die meisten Kläranlagen sind nicht in der Lage, alle Medikamentenreste aus dem Abwasser zu beseitigen. Sie passieren die erste, mechanische Reinigungsstufe einer Kläranlage problemlos. Hier werden vor allem größere Brocken aus dem Abwasser gefischt. Das Wasser gelangt dann in die zweite Reinigungsstufe, in das sogenannte Belebungsbecken.

Dort bilden sich Bakterien, die den Dreck im Abwasser auffressen, erklärt Ingenieur Friedrich Menacher. Und dabei werden zumindest die hydrophoben Stoffe aus den Medikamentenrückständen gebunden. Das sind Stoffe, die sich nicht gut im Wasser lösen. Diese lagern sich dennoch an den sogenannten Schlammflocken an.

Keine Lösung

Und landen letztendlich im Klärschlamm, der wiederum zu 95 Prozent in der Landwirtschaft genutzt wird. Die wasserlöslichen Stoffe gelangen einfach so über den Ablauf der Kläranlage ins Oberflächenwasser. Wird nicht bald ein System in den Kläranlagen eingesetzt, dass das verhindert, landen immer mehr Medikamentenrückstände in Flüssen und Seen und auch in unserem Trinkwasser, erklärt die Wissenschaftlerin Katrin Schuhen.

Sie weist darauf hin, dass die Gesellschaft immer älter wird und der Medikamentenkonsum stetig ansteigt. Wenn man davon ausgeht, dass die Ressource Wasser weltweit geschützt werden soll, besteht Handlungsbedarf.

Kohle gegen Gifte

Eine Methode wird zurzeit in einigen Kläranlagen erprobt. Und zwar sollen die Medikamentenreste mit Hilfe von Aktivkohle gebunden werden. Das funktioniert aber nur zum Teil, weiß die Chemikerin – die Substanzen aus den Medikamenten verbinden sich nicht fest mit der Aktivkohle, so dass vielleicht nur 70 Prozent der giftigen Stoffe aus dem Abwasser gelöst werden können, schätzt Katrin Schuhen.

Und zudem bleibt als Abfallprodukt eine giftige Substanz übrig. Die Chemikerin hat mit ihrem Team zusammen eine andere Methode entwickelt. Sie will die Medikamentenrückstände im Abwasser mit sogenannten Hybrid-Kieselgelen beseitigen. Diese Kieselgele haben zum einen eine gewisse Struktur, die gut mit Wasser reagiert. Zum andern haben die Kieselgele die Eigenschaft, die organischen Substanzen aus den Medikamentenrückständen ganz fest an sich zu binden.

Fest und ungiftig

Mit ihrer Idee, ihrem Projekt "Wasser 3.0 – StressFix" ist die Landauer Wissenschaftlerin für die Auszeichnung GreenTec Award 2015 in der Kategorie Wasser und Abwasser nominiert. Welches der 10 Projekte in die Top 3 kommt, darüber entscheidet zum einen eine Jury. Zum andern kann sich jeder noch bis Mitte Januar bei einer Online-Abstimmung auf der Internetseite des GreenTec Awards beteiligen.

Für Katrin Schuhen ist die Nominierung für den GreenTec Award schon ein großer Erfolg. Fast noch spannender dürfte aber im kommenden Jahr der erste Feld- Versuch in der Landauer Kläranlage sein.

Dass die Kieselgele dann tatsächlich nahezu 100 Prozent der Medikamentenrückstände aus dem Abwasser herauslösen können – da ist der Ingenieur Friedrich Menacher doch noch sehr skeptisch. Chemikerin Katrin Schuhen ist dagegen von der Wirkung ihrer Kieselgele absolut überzeugt.