SWR2 Wissen Was ist wirklich gesund?

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Jahrzehntelang galt Fett als Bösewicht Nr. 1 und Eier waren verpönt. Mittlerweile soll der Zuckerkonsum schuld sein an Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Doch Ernährungsforscher warnen vor solch pauschalen Tipps.

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8:30 Uhr
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SWR2

Auf der seriösen Seite der Ratgeber steht die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE). Sie hat den Anspruch nur wissenschaftlich fundierte Empfehlungen herauszugeben. In ihren zehn Ernährungsregeln steht:

Vollwertig und abwechslungsreich essen hält gesund, fördert Leistung und Wohlbefinden. Das heißt: Täglich fünf Portionen Obst und Gemüse, außerdem Milch, Joghurt und Käse, ein- bis zweimal in der Woche Fisch, maximal einmal Fleisch. Brot, Nudeln, Reis und Mehl sollte man am besten in der Vollkornvariante zu sich nehmen.

Die größte Veränderung zu früheren Ernährungsempfehlungen der DGE lautet: Fett ist wieder erlaubt!

Ungesättigte Fette aus Pflanzenölen sind gesünder als gesättigte Fette aus tierischen Produkten.

Ernährungswissenschaftler Matthias Schulze vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam hat an den aktuellen Ernährungsempfehlungen der DGE mitgearbeitet und erklärt:

Eine fettreiche Ernährung beeinflusst den Cholesterinspiegel im Blut kaum . Denn Cholesterin kommt nicht durch die Nahrung in den Körper, sondern wird zum größten Teil von ihm selbst gebildet. Es ist auch besser als sein Ruf. Cholesterin ist ein wichtiger Bestandteil der Körperzellen und für die Bildung der Geschlechtshormone Östrogen und Testosteron unerlässlich.

Bei Fett spielt also nicht die Gesamtfettmenge die Rolle, sondern die Zusammensetzung des Fettes. Ungesättigte Fette aus Pflanzenölen sind gesünder als gesättigte Fette aus tierischen Produkten.

Deshalb wird auch die Mittelmeerdiät mit reichlich Olivenöl, Gemüse und Nüssen propagiert. In einer großen spanischen Studie hat dieser Ernährungsstil zumindest einen kleinen Gesundheitsvorteil für Menschen mit hohem Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall gezeigt.

Und es gibt eine weitere Empfehlung, die Ernährungsforscher bislang mit großer Übereinstimmung geben: Häufiger Verzehr von rotem Fleisch ist ungesund und steigert unter anderem das Darmkrebsrisiko.

Und Lebensmittelskandale?

Kaum ein Monat vergeht ohne, dass Schlagzeilen wie diese durch die Medien gehen. Glyphosat im Bier. Pferdefleisch in Fleischkonserven. Salmonellen in der Salami. Eva Eva Barlösius legt Wert darauf zu unterscheiden zwischen

  • Lebensmittelskandalen, bei denen Verbraucher zwar getäuscht werden, die aber letztlich kein Gesundheitsrisiko bedeuten - wie das Pferdefleisch, das in manchen Ländern sogar eine Delikatesse ist.
  • und Skandalen, die ein reales Gesundheitsrisiko darstellen. Die schlimmste Krise der letzten Jahre wurde durch den EHEC-Keim ausgelöst, der womöglich von ägyptischen Sprossen stammte und an dem 53 Menschen starben.

Aber die meisten Skandale, da müssten Sie so viel von dem Lebensmittel essen, das werden Sie vermutlich nie tun, sagt Barlösius.

Doch wer garantiert, dass die Rückstände des Insektengifts Fipronil in Eiern oder die Mineralrückstände im Müsli nicht doch in 15 Jahren zu einer Tumorerkrankung beitragen? Natürlich lauern hier gefahren. Aber: Was jetzt gefährlich ist oder nicht, wird natürlich im Grad der Skandalisierung leider überhaupt nicht doll unterschieden.

Im Vergleich zu vor 50 Jahren ist die Lebensmittelsicherheit besser geworden, aber noch nicht optimal, sagt Oliver Huizinga von der Verbraucherorganisation foodwatch.

Die größte Stellschraube ist die Informationspolitik durch die Lebensmittelüberwachung.

Bislang hätten die Lebensmittelhersteller nicht den Anreiz, auf die Einhaltung der lebensmittelrechtlichen Vorgaben zu achten. Etwaige Verstöße werden kaum öffentlich. Die Verbraucher erfahren in der Regel nichts davon diesen Ergebnissen. Das ist das größte Problem, dass der Staat zwar Kontrollen durchführt, aber die Ergebnisse in der Schublade landen und nicht öffentlich gemacht werden.

(Produktion 2018)

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