Raumfahrt Erster Araber auf der ISS

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16:05 Uhr
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SWR2

Am 25. September startet der erste Araber in Richtung ISS. Und dies soll nur der erste Schritt der Vereinigten Arabischen Emirate ins All sein. Ihr Fernziel ist eine Station auf dem Mars.

Die Internationale Raumstation fliegt seit Ende der 90er Jahre um die Erde, seit mittlerweile mehr als zwanzig Jahren also. Neben uns, den Europäern, sind – natürlich – die USA daran beteiligt, aber auch Russland, Japan und Kanada.

Am 25. September startet jetzt mit Hazzaa Ali Almansoori aus den Vereinten Arabischen Emiraten der erste Araber in Richtung ISS.

International Space Station Expedition 61 Prime Crew (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance / ZUMAPRESS.com / Beth Weissinger)
Die internationale Crew für Expedition 61 zur ISS: (von links nach rechts: Hazzaa Ali Almansoori (Vereinigte Arabische Emirate) , der russische Kosmonaut Oleg Skripochka von Roscosmos und die US-amerikanische Astronautin Jessica Meir der NASA. picture alliance / ZUMAPRESS.com / Beth Weissinger

Araber setzen auf All statt Öl

Und dies soll nur der erste Schritt der Vereinigten Arabischen Emirate ins All sein. Ihr Fernziel ist eine Station auf dem Mars. Bereits 2020 soll in der arabischen Wüste der Testlauf für die Mars Science City starten, die das Leben auf dem Mars simulieren soll.

Dabei geht es dem Forscherteam vor allem um Experimente in den Bereichen Energie, Wasser und Nahrung. Diese Herausforderungen gibt es auch hier auf der Erde, in den Vereinigten Arabischen Emiraten selbst. Aber es sind die gleichen Herausforderungen, die sich bei der Besiedlung des Mars stellen werden.

Marssonde aus den Vereinigten Arabischen Emiraten - Entwicklung (Foto: Pressestelle, http://emiratesmarsmission.ae)
Marssonde aus den Vereinigten Arabischen Emiraten bei der Entwicklung. Pressestelle http://emiratesmarsmission.ae

Marsstation in 100 Jahren

100 Jahre – so weit planen die Emirate bereits in die Zukunft. Ihre Mars Science City hat das dänische Architekturbüro Bjarke Ingels Group für die Erde entworfen. In hundert Jahren soll eine Weiterentwicklung dieser Stadt dann auf dem Mars stehen, ergänzt Salem Al Marri, der stellvertretende Direktor für Wissenschaft und Technologie am Mohamed Bin Rashid Space Center in Dubai.

Das Programm Mars 2117 ist unsere Vision, in den kommenden 100 Jahren den Mars zu besiedeln. Natürlich maßen wir uns nicht an, so etwas alleine stemmen zu können. Wir suchen weltweit nach Partnern. Und da dies ein Projekt ist, das es so noch nicht gibt, hoffen wir, damit auch internationale Geschäftspartner in die Vereinigten Arabischen Emirate zu locken. 

Salem Al Marri

Geburtstagsfeier im Weltall

Zum fünfzigsten Jahrestag ihrer Gründung scheinen die Vereinigten Arabischen Emirate die Zeichen der Zeit erkannt zu haben – und die stehen nicht mehr auf Öl, sondern liegen offenbar in den Tiefen des Alls. 2021 wird das Land ein halbes Jahrhundert alt – Grund zu feiern. Und klar - wo ginge das besser, als im All?!

Adnan Al Rais ist der Direktor der Abteilung für Fernerkundung am Mohammed Bin Rashid Weltraumzentrum. Diese Einrichtung ist für die Vereinigten Arabischen Emirate ungefähr das, was die NASA für Amerika und was die ESA für Europa ist – eine Art Behörde, die die Weltraumaktivitäten des Landes koordiniert.
Zwei arabische Astronauten haben sich auf den Flug zur ISS vorbereitet. Einer der beiden wird die ISS nun für wenige Tage besuchen. Der andere bleibt Ersatzmann und kommt vielleicht später mal zum Einsatz. Dann aber möglicherweise für einen Langzeitaufenthalt von sechs Monaten.

Das ist ziemlich ehrgeizig, und wir freuen uns auf unsere Mitwirkung.

Adnan Al Rais

Mediale Inszenierung und wissenschaftliche Versuche

Mehrmonatige Aufenthalte verbringen sonst nur Astronauten von Partnerländern auf der ISS, die kontinuierlich auf der Station zusammenarbeiten. Die gerade von US-Präsident Donald Trump immer wieder zur Schau gestellte Freundschaft zur arabischen Welt jedoch ermöglicht nun einen solchen Deal mit den Vereinten Arabischen Emiraten.

Via YouTube und anderer sozialer Medien soll der Astronaut Hazzaa Ali Almansoori von dort oben mit der arabischen Welt interagieren, den Usern eine Tour durch die ISS auf Arabisch liefern und ein paar einfache wissenschaftliche Versuche auf Arabisch vorführen.

Vom russischen Baikonur aus startet das Team am 25. September in Richtung ISS (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture alliance/dpa / Sergey Mamontov)
Vom russischen Baikonur aus startet das Team am 25. September in Richtung ISS. picture alliance/dpa / Sergey Mamontov

Astronauten als Versuchskaninchen

Was klingt wie Spielerei, beinhaltet dennoch ein kompaktes, in zehn Tage gepresstes wissenschaftliches Programm. Einige der Experimente haben die Vereinigten Arabischen Emirate gemeinsam mit der europäischen Weltraumagentur ESA konzipiert.

Unser Astronaut wird da oben sehr beschäftigt sein. Allein im europäischen Raumlabor Columbus wird er drei Experimente durchführen. Bei einem davon werden die Astronauten selbst zu Versuchskaninchen. Vor dem Start, während ihres Aufenthalts an Bord und nach ihrer Rückkehr werden wir ihr Blut und ihren Urin auf Veränderungen hin untersuchen. So wollen wir feststellen, wie sich ihr Stoffwechsel im All verändert  gegenüber dem auf der Erde.

Salem Al Marri

Doch der Kurztrip zur ISS soll erst der Anfang von Arabiens Vorstoß ins All sein. Im kommenden Jahr wollen die Emirate erstmals eine Raumsonde zum Mars schicken - und sich damit endgültig im Club raumfahrender Nationen einen Namen machen.

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