Nutriscore-Modell Bessere Kennzeichnung von Zucker, Fett und Salz in Lebensmitteln

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16:05 Uhr
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SWR2

Verbraucher- und Medizinverbände machen sich für die Lebensmittelampel Nutriscore stark. Aus dem Ernährungsministerium gibt es auch ein alternatives Modell. Welche Lösung ist am sinnvollsten?

Wegweiser für gesunde Ernährung

Lebensmittel so kennzeichnen, dass Verbraucher beim Einkaufen möglichst einfach sehen können, ob etwas gesund ist oder nicht – klingt nach einem guten Ziel. Politik und verschiedene Verbraucherverbände streiten sich derzeit allerdings, wie sie dieses Ziel umsetzen wollen.

Verschiedene Medizin- und Verbraucherverbände wollen den sogenannten Nutri-Score, ein ampelartiges Etikett. Der Score soll mit verschiedenen Farben von grün bis rot direkt deutlich machen, ob ein Lebensmittel gesund ist.

Ernährungsministerin Julia Klöckner scheint eher den sogenannten Wegweiser Ernährung zu favorisieren, den das bundeseigene Max-Rubner-Institut für Ernährungsforschung entwickelt hat. Dieser Wegweiser ist blassgrün und zeigt anhand von Sternen, wie gesund ein Lebensmittel ist. Außerdem enthält er Angaben zu Nährstoffen.

Nutri Score (Foto: picture-alliance / Reportdienste, picture-alliance / Reportdienste -)
Lassen sich Verbraucher durch eine rote Ernährungsampel wirklich vom Verbrauch mancher Produkte abschrecken? picture-alliance / Reportdienste -

Verbraucher bevorzugen Nutri-Score

Die Verbraucher in Deutschland bevorzugen den Nutri-Score. Das sagt zumindest eine neue Umfrage des Forsa-Institutes für Meinungsforschung, die verschiedene Lebensmittel,- Verbraucher- und Medizinverbände in Auftrag gegeben haben. Einer dieser Verbände ist die Deutsche Diabetes Gesellschaft. Deren Geschäftsführerin Barbara Bitzer sagt, der Vorteil des Nutri-Scores sei dessen einfache Verständlichkeit:

„Der Nutri-Score bietet das, was wir uns wünschen. Er ist einfach zu verstehen. Er bildet den Gesamtgehalt der Inhaltsstoffe ab oder zieht daraus ein Resümee. Gibt also leichte Orientierung beim Einkauf - also das, was wir wollen. Es ermöglicht dem Verbraucher, ganz schnell eine Entscheidung zu treffen, wenn er vor dem Regal der Müslis steht. Für welches entscheidet er sich? Nimmt er das mit dem roten Punkt? Oder nimmt er vielleicht eins mit dem Grünen Punkt.“

Orangensaft als Sündenbock?

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner sagte vergangenes Jahr in einem Zeitungsinterview, dass eine Ampelkennzeichnung Verwirrung bringe. Ein frisch gepresster Orangensaft zum Beispiel werde wegen seines Zuckergehalts mit roter Ampelfarbe gekennzeichnet. Damit mache man einzelne Rohstoffe zum Sündenbock für ungesunde Ernährung. Das dürfe nicht sein.

Orangensaft wird in ein Glas geschüttet (Foto: © Colourbox.de -)
Orangensaft könnte wegen des relativ hohen Zuckergehalts vielleicht als ungesünder eingestuft werden, als er es tatsächlich ist. © Colourbox.de -

Wettrennen um das beste Label

Barbara Bitzer von der Deutscher Diabetes Gesellschaft hält dagegen. Der Nutri-Score sei möglicherweise nicht perfekt – gerade im Punkt Orangensaft gebe es vielleicht noch Nachbesserungsbedarf. „Was uns allerdings verwundert, dass sie einerseits den Nutri-Score angreift, andererseits jetzt aber vom Max-Rubner-Institut ein eigenes Label entwickeln lässt, was den selben Algorithmus zugrunde liegen hat.“

In diesen Punkten sind sich Politik und Verbraucher- und Medizinverbände also nicht einig – das Problem aber sehen alle: Zu viele Menschen in Deutschland sind übergewichtig. Und das kann Diabetes oder andere Krankheiten begünstigen. Trotz der Dinglichkeit: Eine Nährwertkennzeichnung in Deutschland kommt vermutlich frühstens im Herbst.

Ernährungsministerin Julia Klöckner betont, sie habe "keine Präferenz". Maßgeblich solle das für Ende September erwartete Ergebnis der Befragung sein, bekräftigte ihr Ressort.

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