Medizin Mittel gegen Ebola erfolgreich getestet

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In einer aktuellen Studie wurden vier Mittel gegen Ebola mit rund 500 Freiwilligen getestet. Ist das nun ein Durchbruch im Kampf gegen Ebola?

Schon seit rund einem Jahr grassiert im Kongo wieder Ebola – fast 1900 Menschen sind bei dem jüngsten Ausbruch gestorben. Es ist die schlimmste Ebola-Epidemie seit der verheerenden Krankheitswelle in Westafrika 2014 und 2015.

Es gibt experimentelle Heilmittel gegen Ebola, bisher war aber unklar, wie gut sie wirken. Offenbar sind die Unterschiede groß: die Weltgesundheitsorganisation WHO hat jetzt Zwischenergebnisse einer aktuellen Studie mit rund 500 Freiwilligen präsentiert. Demnach sind zwei Mittel besonders erfolgreich, zwei andere sollen dagegen gar nicht mehr zum Einsatz kommen.

Fortschritt im Kampf gegen Ebola-Virus (Foto: dpa Bildfunk, oto: Al-Hadji Kudra Maliro/AP/dpa)
Der Einsatz im Kampf gegen Ebola ist auch für Helfer eine Herausforderung. oto: Al-Hadji Kudra Maliro/AP/dpa

 Fortschritt im Kampf gegen Ebola


Sicher heilen lässt sich Ebola auch mit den beiden neuen Wirkstoffen nicht – aber sie sind so erfolgreich wie kein Mittel zuvor. Immerhin haben bei den jüngsten Testreihen im Kongo etwa siebzig Prozent der Kranken überlebt, das ist ein beachtlicher Fortschritt.

Die Mittel mit den sperrigen Namen REGN-EB3 und mAb114 sind Antikörpermixturen, die das Virus blockieren. Die Antikörper stammen ursprünglich von Ebola-Überlebenden; inzwischen kann man sie im Labor nachbauen.

Nicht alle getesteten Mittel wirken

Zwei andere Wirkstoffe, Zmapp und remdesivir, konnten dagegen nur rund die Hälfte der Patienten retten. Sie galten mal als Hoffnungsträger, sollen nun laut WHO aber gar nicht mehr verordnet werden.

Die Studie im Ebolagebiet läuft jetzt nur noch mit den beiden neuen experimentellen Mitteln weiter. Endgültige Ergebnisse werden erst im Herbst vorliegen; auch die Publikation in einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift steht noch aus.

Ein Pfleger des Ebola-Behandlungszentrums CTE ALIMA BENI versorgt ein Kind, bei dem Verdacht auf Ebola besteht. (Foto: dpa Bildfunk, Foto: Kitsa Musayi/dpa)
Ein Pfleger des Ebola-Behandlungszentrums CTE ALIMA BENI versorgt ein Kind, bei dem Verdacht auf Ebola besteht. Foto: Kitsa Musayi/dpa

Frühe Behandlung erhöht Heilungschancen

Trotzdem zeichnet sich schon jetzt eine wichtige Erkenntnis ab: je früher Patienten die neuen Wirkstoffe bekommen, desto größer sind die Heilungschancen. Rund 90 Prozent der Patienten haben überlebt, wenn Ärzte ihnen die Antikörper in den ersten drei Tagen nach Ausbruch der Krankheit gespritzt haben.

Misstrauen der Bevölkerung gegenüber Behandlung

Einige Forscher sprechen deshalb jetzt schon von einem Durchbruch – das blendet aber die enormen Hürden bei der Ebola-Therapie im Kongo aus. Denn das Misstrauen der Bevölkerung ist nach wie vor groß; viele Menschen meiden offizielle Behandlungszentren, immer wieder kommt es zu Übergriffen auf medizinisches Personal.

Außerdem tobt in Teilen des Landes seit Monaten ein blutiger Bürgerkrieg, manche Gebiete sind für Hilfsorganisationen gar nicht mehr zugänglich.


Impfstoff gegen Ebola zur Prävention
Mindestens genauso so wichtig wie neue Heilmittel ist eine wirksame Prävention – das betonen auch die Verantwortlichen der aktuellen Studie. Eine Schlüsselrolle spielt dabei der schon länger verfügbare Impfstoff gegen Ebola.

Fast 200.000 Menschen im Kongo sind bereits geimpft – vor allem Familien mit kranken Angehörigen oder Mitarbeiter in Gesundheitszentren. Die Impfkampagnen für diese besonders gefährdeten Bürger müssen intensiv weitergehen – wenn das gelingt, dann sind neue Medikamente nur noch in Ausnahmefällen nötig.

Ein Mädchen bekomt einen Ebola-Impfstoff gespritzt (Foto: dpa Bildfunk, Jerome Delay/AP/dpa)
Vorbeugung ist besser als Heilen. Impfen kann dabei helfen, die Ausbreitung des Ebola-Virus zu verhindern. Jerome Delay/AP/dpa

 Hintergrund

Das Ebola-Virus gehört zur Familie der Filoviren. Es ist ein selten auftretender und besonders aggressiver Erreger.

Entdeckt wurde das Ebola-Virus in den 1970er Jahren. Ausbrüche gab es seither unter anderem in der Demokratischen Republik Kongo, im Südsudan, Uganda und Gabun. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) war der Ausbruch 2014 in Westafrika der größte bisher erfasste Ebola-Ausbruch.

Symptome ähnlich der Malaria oder Grippe
Die Symptome ähneln einer Malaria- oder Grippe-Infektion. Betroffene haben meist Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen, sie leiden an Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

Bislang lag die Sterblichkeit je nach Virus-Variante bei 30 bis 90 Prozent, beim Typ „Ebola-Zaire“ sogar zwischen 60 und 90 Prozent. Betroffene sterben in den meisten Fällen an einem Herz-Kreislauf-Schock.

Wemba Kambale Kikopo hat Ebola überlebt (Foto: dpa Bildfunk, Kitsa Musayi/dpa)
Wemba Kambale Kikopo steht vor dem CTE ALIMA BENI, einem Ebola-Behandlungszentrum. Er ist 37 und hat Ebola überlebt. Wemba Kambale Kikopo arbeitet im Behandlungszentrum und beteiligt sich an der Aufklärungsarbeit. Kitsa Musayi/dpa

Affen und Flughunde als mögliche Überträger

Mögliche Überträger von Ebola sind Menschenaffen und Flughunde, die in Ländern wie Liberia als Delikatesse gelten.
Unter Menschen wird das Virus über Körperflüssigkeiten wie Schweiß, Blut, Urin oder Speichel übertragen. Dabei gilt die Faustregel: Je stärker die Symptome, desto höher die Ansteckungsgefahr.

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