Nachhaltige Fischerei? 20 Jahre MSC-Siegel

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Das blaue Logo des MSC kennt man von den Verpackungen vieler Fischprodukte im Supermarkt. Jetzt wird das Siegel 20 Jahre alt. Wie ist es entstanden und was nützt es?

Wer heutzutage Fisch kaufen möchte, muss einiges bedenken, um die Überfischung der Meere nicht zu unterstützen. Welche Art, welches Fanggebiet, Wildfang oder Aquakultur? In den vergangenen Jahren hat sich das MSC-Siegel als Hilfestellung für den Fischkauf etabliert.

Fischerei in der Krise

Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahr steckte die Fischerei in der Krise. Schlagzeilen wie „60 Prozent der wertvollsten Fischbestände sind überfischt“ oder „Kabeljaubestände an der Ostküste Kanadas kollabiert“ machten die Runde. Die Welternährungsorganisation warnte: ein Viertel der Fischbestände seien überfischt oder bereits erschöpft. Einen ersten Schritt um dieser Entwicklung entgegen zu treten, machten im Jahr 1997 die Umweltorganisation WWF und der Lebensmittelkonzern Unilever. Sie gründeten den MSC, den Marine Stewardship Council, übersetzt einen Rat der Meeres-Verwalter.

Fischkutter auf dem Wasser (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
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Schutz der Meere und der Fischbestände

Die Theorie des MSC sei es die Kräfte des Marktes zu nutzen, um den Schutz der Meere und Fischbestände voranzutreiben, meint MSC-Sprecherin Andrea Harmsen. Kurz gesagt: Wenn Handel und Verbraucher gezielt nachhaltige Fischprodukte nachfragen, ist es für Fischereien ein wirtschaftlicher Anreiz solche zu liefern. Für die Umsetzung musste an drei Stellen Überzeugungsarbeit geleistet werden. Erstens sollten Fischer bestands- und umweltschonend arbeiten, zweitens sollte der Handel nachhaltigen Fisch in Sortiment aufnehmen und drittens sollte der Verbraucher durch das MSC-Siegel auf kontrolliert, nachhaltig gefischte Produkte beim Einkauf hingewiesen werden.

Wissenschaftler erarbeiten Nachhaltigkeitskatalog

Das erste Produkt mit dem blauen Oval mit weißem Fischsymbol und dem Schriftzug MSC kam in Deutschland im Jahr 2002 in den Handel, ein Alaska-Wildlachsprodukt. Davor haben mehr als 200 Wissenschaftler über zwei Jahre lang einen umfassenden Nachhaltigkeitskatalog entwickelt, anhand dessen Fischereien zertifiziert werden können.

5000 MSC-Produkte im Supermarkt

Schaut man heute in die Kühltheken der Supermärkte, sieht man das MSC-Siegel auf Fischstäbchen, Lachs und Heringsfilets aus der Dose – fast 5000 Fischprodukte in Deutschland sind inzwischen gekennzeichnet. Laut Umweltbundesamt ist das bei wildgefangenem Fisch ein Marktanteil von rund 60 Prozent. Nachhaltig im Sinne des MSC bedeutet, die Bestände dürfen nicht überfischt werden, die Fangmethoden dürfen anderen Meerestieren und dem Ökosystem Meer nicht schaden und es müssen effektive Managementpläne vorliegen.

Kritik an der Vergabe von Zertifikaten

Kritiker, wie Rainer Froese, vom GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung, hält die Vorgaben allerdings für zu schwach. Er sei zwar ein Befürworter des Siegels, kritisiert aber, dass auch Bestände, die sich erst noch erholen müssten, zertifiziert werden. Fischereien bekommen ihr Zertifikat schon, wenn sie noch nicht komplett nachhaltig arbeiten. Es reicht ein Aktionsplan, wie sie ihre Arbeit in Zukunft weiter verbessern wollen. Dieses Verhalten kritisiert Greenpeace als zu früh und nicht im Sinne des Vorsorgeprinzips. Außerdem würde beispielsweise Grundschleppnetze erlaubt, die den Meeresboden schädigen könnten. Beim MSC hält man die Zertifizierungskriterien nach wie vor für die strengsten weltweit.

Ziel: Nachhaltige Fischerei weltweit

Die Reibungspunkte mit den anderen Umweltverbänden kennt MSC-Sprecherin Andrea Harmsen: Wenn wir großflächig Veränderungen in unseren Meeren bewirken wollen, dann können wir nicht nur die ein Prozent sehr guten Fischereien zertifizieren. Für das gemeinsame Ziel, den Schutz der Ozeane und Fischbestände, wäre damit aus unserer Perspektive wenig gewonnen.

Es ist ein Spagat. Zu strenge Kriterien bedeuten, dass nur wenige Fischereien mitmachen. Schlecht, wenn man die Nachfrage nach nachhaltigem Fisch auf dem Markt ankurbeln will. Und ohne die verstärkte Kundennachfrage ist so ein Siegel für die Fischer relativ uninteressant. In ihrem Bilanzbericht für „20 Jahre MSC“ verweist die Organisation auf über 1000 Beispiele, wo sich Fischbestände, Fischereipraktiken und Meeresschutz verbessert haben. Was ohne die Zertifizierung wohl eher nicht passiert wäre.

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