Unser künftig Brot (8/10) Lebensmittelverschwendung: Wegwerfware Essen

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Ein Drittel aller weltweit erzeugten Lebensmittel wird nicht gegessen. In Entwicklungsländern verdirbt viel bei Transport und Lagerung, in Industrieländern wird Essen weggeworfen - weil wir zu viel gekocht, zu viel eingekauft haben oder das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist. In den meisten Fällen wären die Lebensmittel noch gut essbar gewesen. Auch in Schulküchen und Kantinen wird viel weggeworfen und im Supermarkt aussortiert, was nicht rechtzeitig verkauft ist. Und schon auf dem Feld bleiben Möhren und Kartoffeln einfach liegen, weil sie nicht die gewünschte Form haben.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
8:30 Uhr
Sender
SWR2

Jeder Deutsche schmeißt im Monat durchschnittlich sieben Kilo Lebensmittel weg. Dabei machen die leicht verderbbaren Waren wie Obst und Gemüse den Hauptanteil aus. Dann folgen Brot und Backwaren, sagt Dr. Erika Claupein vom Max-Rubner-Institut in Karlsruhe. Das MRI nimmt am Forschungsprojekt "Reduce food waste" - kurz Refowas - teil. Refowas untersucht im Auftrag des Bundesforschungsministeriums, wo Lebensmittelabfälle in Deutschland entstehen und wie sie sich reduzieren lassen.

Foodsaver nennen sich Menschen, die Lebensmittel vor der Tonne retten

In Deutschland gründeten die ersten Foodsaver 2012 die Internetplattform foodsharing.de. Dort können Privatpersonen Lebensmittel, die sie nicht mehr brauchen, zum Verschenken anbieten. Zudem gibt es Kooperationen mit zahlreichen Supermärkten, in denen täglich aussortierte Waren abgeholt werden. Nach eigenen Angaben haben rund 36.000 Foodsaver bundesweit bereits 13 Millionen Kilo Lebensmittel vor der Tonne gerettet. Jeder Foodsaver darf bei foodsharing selber entscheiden, wer die Sachen erhält. Wichtig ist nur: Kostenlos und eben zum menschlichen Verzehr. Die meisten Lebensmittel werden von den Foodsavern an soziale Einrichtungen verteilt, manche beliefern aber auch Arbeitskollegen, Kooperativen usw.

Foodsaver (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Eine Foodsaverin trägt in Trier eine Kiste mit unverkäuflichen Lebensmitteln aus einem Geschäft, um sie dann weiter zu verteilen. Foto: Colourbox.de -

Jeder Deutsche schmeißt im Monat durchschnittlich sieben Kilo Lebensmittel weg. Dabei machen die leicht verderbbaren Waren wie Obst und Gemüse den Hauptanteil aus. Dann folgen Brot und Backwaren, sagt Dr. Erika Claupein vom Max-Rubner-Institut in Karlsruhe. Das MRI nimmt am Forschungsprojekt "Reduce food waste" - kurz Refowas - teil. Refowas untersucht im Auftrag des Bundesforschungsministeriums, wo Lebensmittelabfälle in Deutschland entstehen und wie sie sich reduzieren lassen.

Foodsaver nennen sich Menschen, die Lebensmittel vor der Tonne retten

In Deutschland gründeten die ersten Foodsaver 2012 die Internetplattform foodsharing.de. Dort können Privatpersonen Lebensmittel, die sie nicht mehr brauchen, zum Verschenken anbieten. Zudem gibt es Kooperationen mit zahlreichen Supermärkten, in denen täglich aussortierte Waren abgeholt werden. Nach eigenen Angaben haben rund 36.000 Foodsaver bundesweit bereits 13 Millionen Kilo Lebensmittel vor der Tonne gerettet. Jeder Foodsaver darf bei foodsharing selber entscheiden, wer die Sachen erhält. Wichtig ist nur: Kostenlos und eben zum menschlichen Verzehr. Die meisten Lebensmittel werden von den Foodsavern an soziale Einrichtungen verteilt, manche beliefern aber auch Arbeitskollegen, Kooperativen usw.

Foodsaver bieten die Lebensmittel zum Beispiel über das Internet an oder – sofern sie nicht gekühlt werden müssen – werden sie in sogenannte Fairteiler gestellt : das sind frei zugängliche Vorratsschränke. Allein sechs davon gibt es in Stuttgart. Wer etwas hineinstellt, informiert darüber auf foodsharing.de.

Da heißt es dann zum Beispiel: Fairteiler ist frisch befüllt mit Brot und Brötchen für Knödel, kommt vorbei und bedient euch, solange die Sachen frisch sind. Oder: Es gibt noch einiges an Gemüse im Fairteiler: Fenchel, Rettich, Tomaten, Salat.

Jeder, der das liest oder zufällig am Fairteiler vorbei kommt, kann sich mitnehmen, was er braucht.

Im Schnitt schmeißen die deutschen Supermärkte nur noch rund fünf Prozent ihrer Waren weg

Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Stuttgart. Und schon aus rein wirtschaftlichen Gründen tun sie alles, um auch das noch zu verhindern. Außerdem nehmen immer mehr Supermärkte und Discounter auch krummes Bio-Obst und -Gemüse in ihr Angebot auf. Bei Aldi etwa heißen sie ‚Die krummen Dinger‘, und bei Penny gibt es seit 2016 die ‚Naturgut-Biohelden‘. Mirka Stark arbeitet im Bereich Nachhaltigkeit bei der Rewe Group, zu der die Penny-Märkte gehören:

Wir verkaufen im Jahresdurchschnitt rund 99% der Lebensmittel bei Rewe und Penny und das eine Prozent, das übrig bleibt, das ist auch relativ konstant, das geben wir an die Tafeln ab.

Alexander Warzocha leitet den Penny-Markt in Köln-Bayenthal. Er versichert: Beim Mindesthaltbarkeitsdatum gebe es klare Richtlinien: "MHD plus drei Tage ist okay, danach werden alle Artikel, die unter 99 Cent sind, weggeschmissen. Alles, was da drüber ist, wird mit minus 30% beklebt, und wenn der Artikel dann das MHD erreicht, wird er rausgeholt."

Das in Deutschland übliche Mindesthaltbarkeitsdatum, kurz MHD, trägt ebenfalls zur Lebensmittelverschwendung bei. Eigentlich sagt es nur aus, bis wann ein Lebensmittelkonzern für die Frische und Unversehrtheit eines Produktes garantiert, etwa wie lange ein Joghurt schön cremig ist. Grundsätzlich genießbar kann er auch noch mehrere Wochen danach sein.

Im Gegensatz zum Mindesthaltbarkeitsdatum muss das Verbrauchsdatum wirklich ernst genommen werden. Es gilt für Fleisch und Fleischprodukte, bestimmte Fischprodukte oder auch Salatarten. Bei diesen Lebensmitteln können sich nach dem Verbrauchsdatum unbemerkt gefährliche Keime bilden.

Tafel Neuwied Konserven (Foto: SWR, SWR -)
Die Tafel verteilt Lebensmittel, die sonst im Müll landen würden SWR -

Die allermeisten Produkte, die endgültig aussortiert werden, gibt der Lebensmittelhändler an gemeinnützige Tafeln ab. Das wird sich wohl auch nie ganz verhindern lassen, sagt der Nachhaltigkeitsplaner von Rewe, Mirka Stark:

Also ich glaube, dass die modernste Technik und auch die erfahrensten Mitarbeiter letztlich nicht alles vorhersehen können. Ich finde, so ein typisches Beispiel ist die Grillsaison. Man geht davon aus, nächstes Wochenende wird super Grillwetter, dann wird entsprechend bestellt. Dann schwingt das Wetter um und dann wird man leider die Grillware nicht in dem Maße verkaufen können, wie man es ursprünglich kalkuliert hat. Das sind Unwägbarkeiten, die man nicht komplett vorhersehen kann.

Privathaushalte sind für zwei Drittel aller Lebensmittel verantwortlich, die in Deutschland weggeworfen werden

Besonders viel weggeworfen wird in Haushalten mit Kindern. Das hat die Ernährungswissenschaftlerin Erika Claupein herausgefunden. Kinder wollen gerne viel auf dem Teller haben, essen ihre Teller aber nicht immer leer, essen womöglich zu unterschiedlichen Zeiten, je nachdem wann sie von der Schule nach Hause kommen und haben dann noch unterschiedliche Ansprüche an ihr Essen.

Mittagessen in einer Ganztagsschule (Foto: imago/JOKER -)
Die Ganztagesbetreuung in BW wird massiv ausgebaut imago/JOKER -

Gerade in Familien könnte man also viel tun, um Lebensmittelverschwendung zu verhindern. Allerdings lassen sich dort nicht einfach Verhaltensänderungen anordnen, so Claupein. Durch Aufklärung und Bildungskampagnen soll künftig aber das Bewusstsein der Familienmitglieder geschärft werden.

Die Lebensmittelverschwendung in Deutschland soll bis zum Jahr 2030 um 50 Prozent reduziert werden

Das ist das Ziel der Bundesregierung. Daran arbeitet hat auch die bundesweite Initiative „Zu gut für die Tonne“. Sie ist im Bonner Bundeszentrum für Ernährung und wird von Sarah Hermges geleitet. Sie spricht von drei wichtigen Tatorten:

  • Das ist einmal das Verhalten im Supermarkt, also wenn ich einkaufen gehe, dass ich mich da nicht verführen lasse von zu großen Packungen oder von Angeboten, die ich dann vielleicht doch nicht brauche.
  • Der zweite Bereich ist die Lagerung zuhause, da kann man eine Menge falsch machen. Gerade wenn man die Sachen richtig lagert, werden sie nicht so schnell schlecht.
  • Der dritte Bereich ist am Herd: Was mache ich mit Resten oder wie koche ich so, dass erst gar keine Reste entstehen? Viele wissen zum Beispiel gar nicht, was man mit altem Brot noch machen kann oder wie man Gemüsereste verwertet.

Kantinen und Schulmensen gehören zu den Orten, an denen am meisten Lebensmittel weggeworfen werden

Frank Waskow von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat an elf Schulen unterschiedlichen Typs zehn Tage lang geschaut, wie gekocht wird und welche Reste übrig bleiben. Das Ergebnis: Mehr als ein Viertel des Essens landet im Müll. Die Gründe dafür sind klar, sagt Waskow: 

In den allermeisten Schulen wird nicht frisch gekocht, sondern das Essen von einem Caterer geliefert. Der kocht aber in der Regel nicht nur für eine Schulart – sondern von der Grund- bis zur Berufsschule. Dann sind die Bedürfnisse und Geschmäcker so unterschiedlich, dass sie kaum alle befriedigt werden können. Zumal auch der Preis eine große Rolle spielt: Günstig soll es sein, mit Nachtisch und Getränk weniger als vier Euro kosten. Das schränkt die Möglichkeiten ein. Dazu kommt, dass an der Essens-Ausgabe selten Fachkräfte stehen.

Essensausgabe an einer Gefängniskantine. (Foto: Getty Images, Thinkstock -)
Thinkstock -

Sie haben in der Regel wenig Erfahrung damit, wieviele Portionen jeweils in der Ausgabe gebraucht werden. Doch alles, was einmal in der Essensausgabe war, darf nicht weiter verwertet werden. Es muss weggeworfen werden. Auch eine Weiterverwertung des Essens, das gar nicht bis in die Auslage gelangt ist, geschieht nur in Kantinen, die selbst kochen und planen. Und das sind die wenigsten.

image-swr-59838Das Wegwerfen von Lebensmitteln nicht nur ein ethisches, sondern auch ein ökonomisches Problem. Ein Kilo Äpfel zum Beispiel brauchen rund 1.000 Liter Wasser im gesamten Herstellungsprozess. Landen die Äpfel dann beim Verbraucher auf dem Kompost oder im Biomüll, ist das eine enorme Ressourcenverschwendung.

Dagegen läuft die Verwertungskette für Obst und Gemüse, dass Schönheitsmängel aufweist, schon ziemlich gut, versichert Frieder Thomas, Geschäftsführer des Agrarbündnisses, eines Zusammenschlusses von 24 unabhängigen Organisationen aus Landwirtschaft, Umwelt- und Verbraucherschutz:

Tomaten, die es wegen einiger Schönheitsmängel nicht bis in den Handel schaffen, werden sofort zu Tomatensoßen oder Tomatenmark verarbeitet. Möhren werden in Salat geraspelt, Erdbeeren püriert und als Soße oder Marmelade verkauft. Der Agrarwirt sieht beim Anbau und der Ernte deshalb nicht mehr viel Einsparpotential.

Foodsaver bieten die Lebensmittel zum Beispiel über das Internet an oder – sofern sie nicht gekühlt werden müssen – werden sie in sogenannte Fairteiler gestellt : das sind frei zugängliche Vorratsschränke. Allein sechs davon gibt es in Stuttgart. Wer etwas hineinstellt, informiert darüber auf foodsharing.de.

Da heißt es dann zum Beispiel: Fairteiler ist frisch befüllt mit Brot und Brötchen für Knödel, kommt vorbei und bedient euch, solange die Sachen frisch sind. Oder: Es gibt noch einiges an Gemüse im Fairteiler: Fenchel, Rettich, Tomaten, Salat.

Jeder, der das liest oder zufällig am Fairteiler vorbei kommt, kann sich mitnehmen, was er braucht.

Im Schnitt schmeißen die deutschen Supermärkte nur noch rund fünf Prozent ihrer Waren weg

Das ist das Ergebnis einer Studie der Universität Stuttgart. Und schon aus rein wirtschaftlichen Gründen tun sie alles, um auch das noch zu verhindern. Außerdem nehmen immer mehr Supermärkte und Discounter auch krummes Bio-Obst und -Gemüse in ihr Angebot auf. Bei Aldi etwa heißen sie ‚Die krummen Dinger‘, und bei Penny gibt es seit 2016 die ‚Naturgut-Biohelden‘. Mirka Stark arbeitet im Bereich Nachhaltigkeit bei der Rewe Group, zu der die Penny-Märkte gehören:

Wir verkaufen im Jahresdurchschnitt rund 99% der Lebensmittel bei Rewe und Penny und das eine Prozent, das übrig bleibt, das ist auch relativ konstant, das geben wir an die Tafeln ab.

Alexander Warzocha leitet den Penny-Markt in Köln-Bayenthal. Er versichert: Beim Mindesthaltbarkeitsdatum gebe es klare Richtlinien: "MHD plus drei Tage ist okay, danach werden alle Artikel, die unter 99 Cent sind, weggeschmissen. Alles, was da drüber ist, wird mit minus 30% beklebt, und wenn der Artikel dann das MHD erreicht, wird er rausgeholt."

Das in Deutschland übliche Mindesthaltbarkeitsdatum, kurz MHD, trägt ebenfalls zur Lebensmittelverschwendung bei. Eigentlich sagt es nur aus, bis wann ein Lebensmittelkonzern für die Frische und Unversehrtheit eines Produktes garantiert, etwa wie lange ein Joghurt schön cremig ist. Grundsätzlich genießbar kann er auch noch mehrere Wochen danach sein.

Im Gegensatz zum Mindesthaltbarkeitsdatum muss das Verbrauchsdatum wirklich ernst genommen werden. Es gilt für Fleisch und Fleischprodukte, bestimmte Fischprodukte oder auch Salatarten. Bei diesen Lebensmitteln können sich nach dem Verbrauchsdatum unbemerkt gefährliche Keime bilden.

Die allermeisten Produkte, die endgültig aussortiert werden, gibt der Lebensmittelhändler an gemeinnützige Tafeln ab. Das wird sich wohl auch nie ganz verhindern lassen, sagt der Nachhaltigkeitsplaner von Rewe, Mirka Stark:

Also ich glaube, dass die modernste Technik und auch die erfahrensten Mitarbeiter letztlich nicht alles vorhersehen können. Ich finde, so ein typisches Beispiel ist die Grillsaison. Man geht davon aus, nächstes Wochenende wird super Grillwetter, dann wird entsprechend bestellt. Dann schwingt das Wetter um und dann wird man leider die Grillware nicht in dem Maße verkaufen können, wie man es ursprünglich kalkuliert hat. Das sind Unwägbarkeiten, die man nicht komplett vorhersehen kann.

Privathaushalte sind für zwei Drittel aller Lebensmittel verantwortlich, die in Deutschland weggeworfen werden

Besonders viel weggeworfen wird in Haushalten mit Kindern. Das hat die Ernährungswissenschaftlerin Erika Claupein herausgefunden. Kinder wollen gerne viel auf dem Teller haben, essen ihre Teller aber nicht immer leer, essen womöglich zu unterschiedlichen Zeiten, je nachdem wann sie von der Schule nach Hause kommen und haben dann noch unterschiedliche Ansprüche an ihr Essen.

Gerade in Familien könnte man also viel tun, um Lebensmittelverschwendung zu verhindern. Allerdings lassen sich dort nicht einfach Verhaltensänderungen anordnen, so Claupein. Durch Aufklärung und Bildungskampagnen soll künftig aber das Bewusstsein der Familienmitglieder geschärft werden.

Die Lebensmittelverschwendung in Deutschland soll bis zum Jahr 2030 um 50 Prozent reduziert werden

Das ist das Ziel der Bundesregierung. Daran arbeitet hat auch die bundesweite Initiative „Zu gut für die Tonne“. Sie ist im Bonner Bundeszentrum für Ernährung und wird von Sarah Hermges geleitet. Sie spricht von drei wichtigen Tatorten:

  • Das ist einmal das Verhalten im Supermarkt, also wenn ich einkaufen gehe, dass ich mich da nicht verführen lasse von zu großen Packungen oder von Angeboten, die ich dann vielleicht doch nicht brauche.
  • Der zweite Bereich ist die Lagerung zuhause, da kann man eine Menge falsch machen. Gerade wenn man die Sachen richtig lagert, werden sie nicht so schnell schlecht.
  • Der dritte Bereich ist am Herd: Was mache ich mit Resten oder wie koche ich so, dass erst gar keine Reste entstehen? Viele wissen zum Beispiel gar nicht, was man mit altem Brot noch machen kann oder wie man Gemüsereste verwertet.

Kantinen und Schulmensen gehören zu den Orten, an denen am meisten Lebensmittel weggeworfen werden

Frank Waskow von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen hat an elf Schulen unterschiedlichen Typs zehn Tage lang geschaut, wie gekocht wird und welche Reste übrig bleiben. Das Ergebnis: Mehr als ein Viertel des Essens landet im Müll. Die Gründe dafür sind klar, sagt Waskow: 

In den allermeisten Schulen wird nicht frisch gekocht, sondern das Essen von einem Caterer geliefert. Der kocht aber in der Regel nicht nur für eine Schulart – sondern von der Grund- bis zur Berufsschule. Dann sind die Bedürfnisse und Geschmäcker so unterschiedlich, dass sie kaum alle befriedigt werden können. Zumal auch der Preis eine große Rolle spielt: Günstig soll es sein, mit Nachtisch und Getränk weniger als vier Euro kosten. Das schränkt die Möglichkeiten ein. Dazu kommt, dass an der Essens-Ausgabe selten Fachkräfte stehen.

Sie haben in der Regel wenig Erfahrung damit, wieviele Portionen jeweils in der Ausgabe gebraucht werden. Doch alles, was einmal in der Essensausgabe war, darf nicht weiter verwertet werden. Es muss weggeworfen werden. Auch eine Weiterverwertung des Essens, das gar nicht bis in die Auslage gelangt ist, geschieht nur in Kantinen, die selbst kochen und planen. Und das sind die wenigsten.

Im Schnitt schmeißt jeder Deutsche jedes Jahr auf diese Art 230 Euro einfach in den Müll

Das Wegwerfen von Lebensmitteln nicht nur ein ethisches, sondern auch ein ökonomisches Problem. Ein Kilo Äpfel zum Beispiel brauchen rund 1.000 Liter Wasser im gesamten Herstellungsprozess. Landen die Äpfel dann beim Verbraucher auf dem Kompost oder im Biomüll, ist das eine enorme Ressourcenverschwendung.

Dagegen läuft die Verwertungskette für Obst und Gemüse, dass Schönheitsmängel aufweist, schon ziemlich gut, versichert Frieder Thomas, Geschäftsführer des Agrarbündnisses, eines Zusammenschlusses von 24 unabhängigen Organisationen aus Landwirtschaft, Umwelt- und Verbraucherschutz:

Tomaten, die es wegen einiger Schönheitsmängel nicht bis in den Handel schaffen, werden sofort zu Tomatensoßen oder Tomatenmark verarbeitet. Möhren werden in Salat geraspelt, Erdbeeren püriert und als Soße oder Marmelade verkauft. Der Agrarwirt sieht beim Anbau und der Ernte deshalb nicht mehr viel Einsparpotential.

(Produktion 2018)

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