Der Süden lockt nicht mehr So verhalten sich Zugvögel im Klimawandel

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Im Klimawandel verändern Vögel ihr Zugverhalten: Manche bleiben inzwischen in den mildern Wintern gleich ganz hier. Andere ziehen erst später los - und dann auch nicht mehr bis Afrika. Und auch die Weißstörche, die in Deutschland fast schon ausgestorben waren, gehören zu den Gewinnern.

Jedes Jahr ziehen mehr als 200 Millionen Vögel von Deutschland nach Südeuropa oder Afrika.

Viele Arten machen sich derzeit auf den Weg nach Süden. Gut beobachten lässt sich zum Beispiel der Star. Große Staren-Schwärme sammeln sich auf Bäumen und Stromleitungen. Ornithologe Wolfgang Fiedler vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell ist fasziniert von den riesigen Flugwanderungen, die diese kleinen Vögel zweimal im Jahr vollbringen. Er resümiert:

Durch den Klimawandel hat sich das Verhalten einiger Vogelarten verändert

  • Weit ziehende Zugvögel werden seltener.
  • Manche Vögel ziehen gar nicht mehr weg.

Zugvögel: Der Kranich (Video von Planet Schule)

TT

Den typischen Zugvogel gibt es nicht

Dann gibt es flexiblere Vogelarten, die ihre Wanderung später beginnen. Oder nicht mehr so weit in den Süden ziehen wie früher. Zum Beispiel Mönchsgrasmücken, die eigentlich nach Südfrankreich ziehen sollten oder nach Spanien, überwintern immer häufiger hier. Auch der Zilpzalp überwintert gerne in Deutschland oder etwas südlicher. Der kleine Laubsänger ist früher auch immer in den Mittelmeerraum gezogen.

Arten, die sowieso bis spät in den Herbst bei uns bleiben, wie z.B. die Amsel, entscheiden offensichtlich von Fall zu Fall, auch sehr kurzfristig, ob sie diesen Winter jetzt weiterwandern oder hier bleiben.

Amsel (Foto: Colourbox, Foto: Colourbox.de -)
Amseln sind flexibel. Zeichnet sich ein milder Winter ab, dann bleiben sie gerne in Deutschland. Foto: Colourbox.de -

Wanderrouten bergen viele Gefahren
Am schwierigsten ist die Anpassung für die sehr weit wandernden Zugvögel. Sie spulen offenbar ein genetisches Programm ab und können so nur viel langsamer auf sich verändernde Umweltbedingungen reagieren. Veränderungen vollziehen sich bei ihnen über die Selektion von Mutationen. Außerdem durchqueren die weit ziehenden Arten viele verschiedene Lebensräume in verschiedenen geografischen Breiten. Auf dem Weg von hier bis Ostafrika kann deutlich mehr schief gehen als wenn ein Vogel beispielsweise nur zwischen Süddeutschland und Nordspanien pendelt.

Ein Vogelzug von Kranichen fliegen im Abendrot. (Foto: NABU - Tom Dove)
Jedes Jahr im Oktober und November fliegen Kraniche gen Süden - sie ziehen weit bis nach Afrika. NABU - Tom Dove

Nur Vogelarten, die sich anpassen werden überleben

Ornithologe Wolfgang Fiedler warnt: Vogelarten, die sich dem Klimawandel anpassen können, werden auf jeden Fall noch die nächsten Jahrhunderte mithalten können. Aber Arten, die sich jetzt nicht anpassen können, bei denen passt dann einfach zeitlich und räumlich nichts mehr. Und das sind die, die aussterben werden. Also unsere ganz klassischen Zugvögel, die über die Wüste bis nach Mittel- oder Südafrika fliegen.

So zum Beispiel der Gartenrotschwanz, der Sumpfrohrsänger, die Nachtigall, aber auch Kraniche und Greifvögel.

Störche gehören zu den Gewinnern

Manche Vogelarten sind jedoch flexibel und haben sich als Kulturfolger schon darauf eingestellt, wo der Mensch ihnen den besten Lebensraum bietet. Ornithologe Fiedler nennt zum Beispiel die Weißstörche. Sie waren schon fast ausgestorben. Doch seit sie ihre Winter größtenteils auf Müllplätzen in Spanien verbringen, haben sich die Bestände im Westen Deutschlands sehr gut entwickelt.

Störche in Nest (Foto: © Colourbox.com -)
Die Störche haben ihre Flugrouten an die Klimaveränderung angepasst. Statt nach Afrika geht es jetzt oft nur noch nach Spanien. Dort ist es warm genug und es gibt viel zu essen. © Colourbox.com -

Übrigens: Der Naturschutzbund Deutschland- kurz Nabu - veröffentlicht zu der jährlichen Birdwatch-Aktion eine Liste der Top 12 der Zugvögel.

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