STAND
AUTOR/IN

Audio herunterladen (2,1 MB | MP3)

Gewaltsam der Familie entrissen

Geboren wird Amo vermutlich um das Jahr 1700 in der Nähe von Axim im heutigen Ghana. Hunderttausende Afrikaner*innen werden gewaltsam ihren Familien und ihrer Heimat entrissen und zur Arbeit in Europa und den europäischen Kolonien gezwungen.

Vor allem die niederländische Westindien-Kompanie beherrscht damals das schmutzige Geschäft mit dem Menschenhandel – und eines ihrer Schiffe ist es auch, auf dem Amo als kleines Kind nach Amsterdam gebracht wird.

Völkermord und Raubgüter Deutschland und der Kolonialismus

Die Frage nach kolonialen Raubgütern hat Diskussionen über die Bedeutung des deutschen Kolonialismus ausgelöst. Der Afrikanist Andreas Eckert beschreibt diesen Perspektivwechsel.  mehr...

SWR2 Wissen: Aula SWR2

Amo landet am Hof des Herzogs von Braunschweig

1707 landet er schließlich am Hof des Herzogs Anton Ulrich von Braunschweig. In Europa hat damals gerade das Zeitalter der Aufklärung begonnen. Man ist interessiert an allem Neuartigen und Exotischen und der Besitz sogenannter „Hofmohren“ gilt an den Adelshäusern der Zeit als schick.

Hier wird der kleine Amo aus Axim christlich getauft, erhält die Taufnamen Anton Wilhelm und Zugang zu Bildung. Sein Status bleibt jedoch der eines Bediensten. In den Unterlagen des Hofs von Braunschweig-Wolfenbüttel wird er als herzoglicher Lakai aufgeführt.

Nach einer Promotion über das Leib-Seele-Problem wird er selbst Dozent

Amo erweist sich nicht nur als gelehrig, sondern geradezu als Überflieger. Mit Mitte Zwanzig schreibt er sich an der Universität Halle ein – einem Zentrum der damaligen Aufklärungsphilosophie – und bereits zwei Jahre später verteidigt Amo eine juristische Disputation, in der er den rechtlichen Status von „Mohren“ in Europa diskutiert.

1730 erwirbt Amo an der Universität Wittenberg den Titel „Magister der Philosophie und der Freien Künste“. Er promoviert mit einer Dissertation über das Leib-Seele-Problem, habilitiert sich mit einer Schrift über die Kunst des nüchternen und sorgfältigen Philosophierens und lehrt schließlich selbst an den Universitäten Halle und Jena als Privatdozent.

Die Berliner Mohrenstraße wird künftig nach Anton Wilhelm Amo benannt

Um 1747 kehrt Amo in seine afrikanische Heimat zurück, der er als Kind entrissen wurde. Ob der Grund für seine Abreise aus Europa eine nicht erwiderte Liebe war, der Tod von Freunden und Unterstützern oder rassistische Anfeindungen, ist ungeklärt.

Ebenso ungeklärt wie die Ursache und das Jahr seines Todes. Mehr als 300 Jahre nach seiner Geburt macht der Mann, der sich vom Sklaven zum Gelehrten hocharbeitete, nun im 21. Jahrhundert eine weitere Karriere: als Ikone der deutschen Anti-Rassismus-Bewegung.

Die Berliner Mohrenstraße wird in Anton-Wilhelm-Amo-Straße umbenannt (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Emmanuele Contini; )
Die Berliner Mohrenstraße wird nach einem Beschluss aus 2020 in Anton-Wilhelm-Amo-Straße umbenannt, nachdem sich verschiedene Bündnisse für Amo als Namensgeber der Straße eingesetzt hatten. Emmanuele Contini;

Jahrelange begehrten Berliner Aktivist*innen gegen die rassistische Bezeichnung „Mohrenstraße“ auf und forderten eine Umbenennung. 2020 kam die Politik der Forderung nach: Die Berliner Mohrenstraße soll künftig Anton-Wilhelm-Amo-Straße heißen.

Geschichte Kolonialmythen in Deutschland

Statt „Helden“ waren sie knallharte Rassisten – oder skrupellose Militärs: die Größen der deutschen Kolonialgeschichte. Engagierte Afrodeutsche und Bundesbürger versuchen aufzuklären.  mehr...

SWR2 Wissen SWR2

Bildung Kolonialgeschichte im Schulunterricht – Zu weiße Perspektive?

Was lernen Schüler*innen über Rassismus und Kolonialismus? Während manche Klassen das Thema zeitgemäß diskutieren, sprechen andere nicht oder nur einseitig über Kolonialgeschichte.  mehr...

SWR2 Wissen SWR2

2.7.1960 "Afrikanisches Jahr" 1960: Kolonien werden zu unabhängigen Staaten

2.7.1960 | 1960 war das "Afrikanische Jahr". Fast 20 ehemalige Kolonien in Afrika werden zu unabhängigen Staaten, darunter Mali, die Republik Kongo, Nigeria und Madagaskar. Am 1.7.1960 auch Somalia, das aus gleich zwei Kolonien hervorging: Italienisch-Somaliland und Britisch-Somaliland. In diesem Jahr entstand im Südwestfunk eine Sendereihe mit dem Titel "Tribüne der jungen Völker", die sechs Jahre lang über die Situation in den ehemaligen Kolonien berichtete. Diese Folge vom 2. Juli 1960 macht deutlich, wie damals über die Entkolonialisierung berichtet wurde.  mehr...

Ausstellungen

Stuttgart

Gespräch Ein „Kind der Kolonialzeit“ – Das Stuttgarter Linden-Museum stellt sich der Kolonialvergangenheit

Auch in der historischen Forschung hat die Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte lange Zeit keine Priorität gehabt, sagt Markus Himmelsbach, Provenienzforscher am Linden-Museum in Stuttgart. Die Periode der deutschen Kolonialzeit sei lange verdrängt worden. Auch das Linden-Museum Stuttgart müsse seine eigene koloniale Geschichte hinterfragen, denn es sei ein „Kind der Kolonialzeit“.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

Kunst Museumsbund sensibilisiert mit Leitfaden für Umgang mit kolonialem Erbe

Der Leitfaden für Museen will sensibilisieren für den gleichberechtigten Umgang mit Herkunftsländern, aus denen die Kulturgüter stammen. Diese Länder wünschten sich Inventarlisten mit sämtlichen Kunst- und Kulturgütern in Europa. Museumsverantwortlichen sollten bewusst sein, dass die meisten Sammlungsgüter nicht als Museumsobjekte entstanden sind. Sie sind Zeugnisse verschiedener Kulturen mit in den Herkunftsgesellschaften verankerten eigenen Bedeutungen.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Ausstellung Neue Perspektiven: Frankfurter Doppelausstellung über Kolonialismus und Rassismus

Die Habseligkeiten eines von der Polizei getöteten Flüchtlings oder eine Kunstinstallation, die die Atmosphäre in einem Flüchtlingslager widerspiegelt – solche Exponate sind derzeit im Historischen Museum Frankfurt in der Ausstellung „Ich sehe was, was Du nicht siehst. Rassismus, Widerstand und Empowerment“ zu sehen.  mehr...

SWR2 Journal am Mittag SWR2

STAND
AUTOR/IN