Die Welt in Zahlen

72 Prozent der Hunde lassen sich vom menschlichen Gähnen anstecken

STAND
AUTOR/IN

Gähnen ist ansteckend. Ein Mensch steckt einen Mitmenschen in 60 Prozent der Fälle an. Noch besser funktioniert das aber mit Hunden. 72 Prozent der Hund gähnen, wenn Frauchen oder Herrchen auch gegähnt haben. Das ist das Fazit einer Studie aus London.

Audio herunterladen (2,6 MB | MP3)

Es wird gar nicht so einfach sein, diese Geschichte hier bis zu Ende zu erzählen, ohne Sie andauernd zum Gähnen zu bringen. Denn es geht ums Gähnen, und das ist ja bekanntlich ansteckend. Zwischen Menschen, ja, das können wir öfter beobachten.

Seinen Hund aber mit dem eigenen Gähnen anzustecken, klappt noch besser, und zwar in 72 Prozent aller Fälle. Zum Vergleich: Menschen stecken einander in höchstens 60 Prozent aller Gähn-Fälle an. Das hat der Psychologe Dr. Atsushi Senju von der Universität London in einer Studie herausgefunden. Während er den Zweck des Gähnens beim Menschen ermitteln wollte, sollen ihm gleich mehrere Herrchen und Frauchen berichtet haben, dass sie ihre Hunde ebenfalls zum Gähnen gebracht haben. Also: Tests mit Hunden.

Das Interesse daran war offenbar ebenso ansteckend, denn auch Forscherinnen und Forscher der Universität in Porto fingen zu experimentieren an. Sie hatten das Phänomen nämlich schon bei Affen erfasst, also innerhalb einer Art – mit einem Erfolg von gerade mal 33 Prozent. Bei Hunden ist der Ansteckungseffekt mit eben 72 Prozent noch viel stärker und dazu artübergreifend.

Ob Dobermann, Dogge oder Dackel besonders häufig mitgähnen, scheint übrigens nicht untersucht worden zu sein. Zugegebenermaßen ist diese Studie vielleicht auch nicht so weltbewegend, dass man auch noch nach Hunderassen unterschieden hätte. Spannend ist sie trotzdem, schon allein wegen des Unterhaltungswerts. Sonst hätte es diese Geschichte ja nicht ins Radio geschafft.

Gähnen als Zeichen von Empathie?

Nun hat man sich qua der neuen Erkenntnisse auch mehr Wissen über den Zweck des Gähnens erhofft. Tatsächlich gähnten die Hunde in allen Experimenten besonders häufig, wenn sie ihre Herrchen und Frauchen ebenfalls laut gähnen hörten. Die Wissenschaftler der Universität Porto schlossen daraus, dass sich die Tiere in vertraute Personen besser hineinversetzen könnten als in Fremde. Das heißt, die treibende Kraft könnte Empathie sein. Das ist bei den meisten Menschen und Affen wohl auch so. Bestimmte Spiegelneuronen im Gehirn, die auf die Stimmung anderer Menschen reagieren, nehmen demzufolge Einfluss auf das Mitgähnen. Dafür spricht auch ein Test unseres Londoner Psychologen Dr. Senju, der vor der Hunde-Gähn-Entdeckung festgestellt hatte, dass sich Menschen mit weniger Empathiefähigkeit, zum Beispiel Menschen mit Autismus, bei einem gähnenden Gegenüber deutlich weniger anstecken lassen.

Wenn einem also durch herzhaftes Mitgähnen eine höhere Empathiefähigkeit bescheinigt werden würde, könnte es womöglich bald als weniger unhöflich gelten, beim Gähnen in der Öffentlichkeit den Mund weit aufzureißen. Also: Nur zu!

Gehirn Warum ist Gähnen ansteckend?

Beweisen kann man es nicht, aber es hängt wohl mit den sogenannten Spiegelneuronen zusammen. Das sind bestimmte Gehirnstrukturen, die man zumindest bei Affen und Menschen findet. Von Gábor Paál | Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0  mehr...

Medizin Gähnen im Grünen: So besiegen wir die Frühjahrsmüdigkeit

Viele fühlen sich im Frühjahr müde und sind schlecht gelaunt. Die Wissenschaft hat die berüchtigte Frühjahrsmüdigkeit im Blick. Gute Nachricht: Viel Licht und Bewegung an frischer Luft können das Problem schon lösen.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Tiere Unbedingt nötig: Zähneputzen bei Hund und Katze

Es klingt eigenartig: Aber auch bei Hunden und Katzen ist eine ordentliche Zahnhygiene nötig. Die Tiere leiden oft unter Zahnfleisch- und Kieferentzündungen. Mehr als 80 Prozent der Hunde und 70 Prozent der Katzen haben im Alter von 2 Jahren einen kranken Zahnhalteapparat. Nur die Tiere können sich nicht äußern.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Tierverhalten Was tun gegen starken Jagdtrieb beim Hund?

Gerade bei den Hunden aus Spanien, Ungarn oder Rumänien, die sich in den ersten Lebensmonaten über dieses Verhalten ernähren mussten, können Sie dieses Jagdverhalten nur durch großen Aufwand unter Kontrolle bekommen. Von Franziska Kuhne | Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Tiere Hunde, die bellen, beißen nicht. – Stimmt das?

Wenn Hunde bellen, ist das eine Warnung und auch einfach ein Zeichen für Erregung. Die Frage ist, warum der Hund genau bellt. Von Franziska Kuhne | Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.  mehr...

SWR2 Impuls SWR2

Reihe Die Welt in Zahlen

Die Welt ist voller überraschender und kurioser Zahlen. SWR2 Impuls beschreibt in dieser Reihe die Welt in und aus Zahlen.  mehr...

STAND
AUTOR/IN