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Voyager 1 - Sonde (Illustration) - Die Zwillings-Sonden fliegen seit 40 Jahren durchs All

Botschafter der Erde im All 40 Jahre Voyager

Seit 40 Jahren durchqueren die beiden Raumsonden Voyager 1 und 2 nun das Sonnensystem.  Dass sie heute immer noch funktionieren, war eigentlich nicht geplant.

Am 20. August 1977 haben die Amerikaner Voyager 2 ins All geschossen, kurze Zeit später folgte dann das baugleiche Schwesterschiff Voyager 1. Die zwei Sonden haben die äußeren Planeten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun passiert und befinden sich längst auf dem Weg hinaus aus unserem Sonnensystem. Und dennoch senden sie weiterhin zuverlässig Funksignale zur Ende.

Goldene Schallplatte im All

Mit den Voyager-Sonden sollen sich "die Sinne der Menschheit weiter ins Sonnensystem ausdehnen als jemals zuvor", so der Sprecher der amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA. Aber die Sonden tragen nicht nur Sensoren und Kameras zur Planetenerkundung.

Die Goldene Schallplatte der Voyager-Sonde

Die Goldene Schallplatte der Voyager-Sonde enthält analog gespeicherte Bilder, Musik und Geräusche aus aller Welt und Grußbotschaften.

Sie tragen auch eine Botschaft in die Weiten des Alls: 1977 war der Österreicher Kurt Waldheim Generalsekretär der Vereinten Nationen. Und so fiel ihm die Aufgabe zu, eine Schallplatte zu besprechen. Eine goldene Schallplatte mit Grüßen in vielen Sprachen – Grüße an irgendjemanden dort draußen. Auf der Platte finden sich außerdem verschiedene Musikbeispiele und typische Geräusche des Planeten Erde.


Blindflug

Hinter Uranus und Neptun begann die Dunkelheit. Die Augen der Sonden sind für immer geschlossen. 1 und 2 fliegen blind durchs All. Zwar sind die Kameras nicht mehr in Betrieb, doch andere Instrumente der Voyager 2 sind nach wie vor aktiv. Damit übernimmt die Sonde die Funktion einer Wetterstation im Weltall. Sie misst Magnetfelder sowie die Stärke und Strahlungsrichtung hochenergetischer Partikel. So kann die NASA die interstellare Umgebung beobachten, die die Sonde gerade durchquert.

Jupiter

Voyager-Aufnahme des Jupiter mit zwei Monden ("pickelförmig" im Vordergrund). Der größte Planet unseres Sonnensystems war die erste Station der beiden Voyager-Missionen.

Doch es dürfte in den kommenden Jahren noch zu weiteren Alterserscheinungen kommen. Die größte Herausforderung besteht im verbleibenden Energievorrat der Sonden. Ab 2025 wird die bordeigene Energiequelle zu schwach sein, um überhaupt noch ein einziges wissenschaftliches Instrument mit Strom zu versorgen. Dann können bis 2030 nur noch flugtechnische Daten empfangen werden.

Raumfahrt -"Rentner" betreuen die Voyager-Sonden

Trotz dieser heute schon mageren Ausbeute an wissenschaftlichen Daten ist Voyager immer noch eines der Vorzeigeprogramme der NASA. Niemand denkt ernsthaft daran, die Sonden vorzeitig vom Netz zu nehmen – zumal das Programm mittlerweile nur noch etwa 5,5 Millionen Dollar im Jahr kostet. Das verbliebene Team aus nur acht Ingenieuren frisst kein großes Loch in den Haushaltstopf.

Raumfahrtrentner Ed Stone vor goldener Schallplatte

Ed Stone ist 82 Jahre alt und immer noch der Chefwissenschaftler des Voyager-Programms. Bevor die Sonden nicht ihren Geist aufgegeben haben, kommt so etwas wie Ruhestand für Ed Stone und sein kleines Team aus Ingenieuren nicht in Frage.

Doch das Voyager-Programm wird es nicht für immer geben – wahrscheinlich nicht einmal mehr für lange. Weiterfliegen werden die beiden Botschafter des Planeten Erde jedoch auf ewig. Auch wenn sie das eigentliche Sonnensystem nunmehr so gut wie hinter sich gelassen haben - in etwa 300 Jahren werden sie den inneren Rand der Oortschen Wolke erreichen, einer Ansammlung aus Kometen, Gas, Eis- und Gesteinsbrocken, die das Sonnensystem kugelförmig umhüllt. In 30 000 Jahren werden die Voyager-Sonden diese Wolke durchquert haben. Und danach? Droht immer noch keine Kollision mit einem anderen Stern.

Jeden Tag legt die Sonde fast anderthalb Millionen Kilometer zurück. Das ist die vierfache Entfernung von der Erde zum Mond. Auch Voyager 2 verfolgt einen Kurs, der sie nicht in die unmittelbare Nachbarschaft eines anderen Sterns und damit zu möglicherweise bewohnten Planeten schießen wird. Es scheint ganz so, als blieben die Grüße, Geräusche und die Musik der goldenen Schallplatten für immer ungehört.

Botschaft an die Menschheit

Doch darin liege auch nicht der eigentliche Grund der Mission, sagt Ed Stone. Er ist 82 Jahre alt und immer noch der Chefwissenschaftler des Voyager-Programms: "Das war eigentlich mehr eine Botschaft an uns, an die Menschheit selbst. Wir wollten uns beweisen, dass wir dazu in der Lage sind, so etwas zu leisten. Ich vermute, nur sehr wenige Menschen glauben daran, dass die Platten wirklich irgendwann gefunden werden. Aber: Man muss sich vorstellen, dass wir etwas auf die Reise geschickt haben, dass auf ewig um das Zentrum der Galaxis kreisen wird."

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Sie betreuen die Voyager-Mission

Die Raumfahrt-Rentner

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Die Raumfahrt-Rentner der Voyager-Mission

Seit 1977 fliegen die US-amerikanischen Voyager-Raumsonden durch den Weltraum. Sie haben die äußeren Planeten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun passiert und befinden sich längst auf dem Weg hinaus aus dem Sonnensystem. Dass sie heute, fast 40 Jahre nach ihrem Start, immer noch funktionieren würden und Daten zur Erde übertragen - das war nicht geplant. Auch bei der US-Raumfahrtbehörde NASA hatte damit niemand gerechnet. Und so wurde versäumt, die nachfolgenden Generationen von Raumfahrtingenieuren mit der Computersoftware der 70er-Jahre vertraut zu machen. Nur eine Handvoll Techniker versteht sie heute noch, kann sie deuten und mit den Daten arbeiten. Und so müssen diese Raumfahrt-Rentner auch heute regelmäßig zum Dienst antreten, um mit den antiquierten Raumschiffen am Rand des Sonnensystems zu kommunizieren.

Die Raumfahrt-Rentner der Voyager-Mission

Seit 1977 fliegen die US-amerikanischen Voyager-Raumsonden durch den Weltraum. Sie haben die äußeren Planeten Jupiter, Saturn, Uranus und Neptun passiert und befinden sich längst auf dem Weg hinaus aus dem Sonnensystem. Dass sie heute, fast 40 Jahre nach ihrem Start, immer noch funktionieren würden und Daten zur Erde übertragen - das war nicht geplant. Auch bei der US-Raumfahrtbehörde NASA hatte damit niemand gerechnet. Und so wurde versäumt, die nachfolgenden Generationen von Raumfahrtingenieuren mit der Computersoftware der 70er-Jahre vertraut zu machen. Nur eine Handvoll Techniker versteht sie heute noch, kann sie deuten und mit den Daten arbeiten. Und so müssen diese Raumfahrt-Rentner auch heute regelmäßig zum Dienst antreten, um mit den antiquierten Raumschiffen am Rand des Sonnensystems zu kommunizieren.

Lange her, kaum erwartet

Im Auditorium des Jet Propulsion Laboratory präsentiert Ed Stone sein „Baby“: Ein Modell der beiden baugleichen Voyager-Raumsonden, die „vor vielen, vielen Jahren“ gestartet seien, sagt der inzwischen 79-Jährige. Genau genommen war es vor 38 Jahren, als zunächst Voyager 2 und wenige Wochen später Voyager 1 ihre jahrzehntelange Reise antraten. Ed Stone arbeitet seit dem 1. Juli 1972 im Voyager-Programm. Noch länger ginge auch nicht, denn an diesem Sommertag erblickte das Programm das Licht der Welt. "Wir konnten damals gar nicht wissen, dass Irgendetwas rund 40 Jahre im Weltraum überleben könnte." - Ed Stone

Goldener Tonträger

Solche goldenen Langspielplatten mit akustischen Eindrücken der Erde fliegen seit fast vierzig Jahren durch das All, befestigt an den Außenseiten von Voyager 1 und Voyager 2. Mittlerweile befinden sich die beiden Sonden am Rand des Sonnensystems. Und bevor sie nicht ihren Geist aufgegeben haben, kommt so etwas wie Ruhestand für Ed Stone und sein kleines Team aus Ingenieuren nicht in Frage.

Reichlich Action

In den 80er Jahren wollte Tom Weeks eigentlich Rockstar werden, spielte in mehreren Bands und hatte sogar einen Plattenvertrag in Aussicht. Daraus ist letztlich nichts geworden, der Deal kam nie zustande. Sein zweites Standbein, das Voyager-Programm, besteht noch heute. Als Hardware-Ingenieur – so seine Berufsbezeichnung – ist er dafür zuständig, dass es den beiden Sonden gut geht, und dass sie auf Kurs bleiben.

17 Stunden

Einmal pro Woche stellt Ingenieur Roger Ludwig Kontakt zur Raumsonde her. Das alles passiert in „Echtzeit“. Hier meint „Echtzeit“ nur, dass die Funksignale eins zu eins angezeigt werden, so wie sie in diesen Sekunden auf den Bodenstationen eintreffen. Das heißt nicht, dass es Live-Signale sind. Das Licht – und damit auch Funksignale – benötigt 17 Stunden für einen Übertragungsweg von etwa 17 Milliarden Kilometer bis zur Erde. „Normalerweise kommen wir rein, schicken frühmorgens ein Kommando Richtung Raumsonde und sehen dann am Nachmittag des nächsten Tages das Ergebnis.“ – Roger Ludwig

Die Weltraumforscher von nebenan

Auf dem Hauptcampus des Jet Propulsion Laboratory (Kalifornien), steht ein Nebengebäude. Dort befindet sich das Voyager-Kontrollzentrum. Aktuelle Mars-Missionen oder die Cassini-Sonde am Saturn benötigen viel größere Mannschaften hier auf dem Boden. Deshalb hat man Stone und sein Team verlegt. Stone selbst sagt, dass sie heute lediglich „Cruise Science“ betreiben würden.

„Cruise Science“

Das klingt nach Kreuzfahrt und ist gar nicht mal so falsch. Das winzige Voyager-Team fungiert wie die Besatzung eines Ozeanriesen, die ihr Schiff eigentlich nur noch auf Kurs halten muss. Und selbst das funktioniert fast von selbst. Das bisschen Wissenschaft, was am Rande noch abfällt – das nennt Ed Stone eben „Cruise Science“.
Auf dem Campus des JPL treffen die Rohdaten der Sonden ein, die später in Diagrammen und Tabellen dargestellt werden. Mehr wollen die Ingenieure hier gar nicht. Die inhaltliche Auswertung der Daten übernehmen anschließend fünf Wissenschaftlerteams, die über die ganzen USA verstreut sind. Zwei- bis dreimal im Jahr treffen sich alle beim JPL, vergleichen ihre Daten und entscheiden, zu welchen Ergebnissen es wissenschaftliche Fachveröffentlichungen geben wird.

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