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Ist Glück messbar?

Zufrieden mit dem Leben? Wie Forscher Glück messen

Im Deutschen wird der Begriff "Glück" für zwei verschiedene Dinge verwendet; einmal für dieses Zufallsglück: Ich hab Glück, dass ich den Bus noch erwischt hab, ich hab Glück, dass ich im Lotto gewonnen hab. Und das andere ist das, was man eher als Lebensglück bezeichnen würde: Ich hab ein glückliches Leben, ich bin ein glücklicher Mensch. Doch wie komme ich zu diesem Lebensglück? Charlotte Grieser sprach mit der Kölner Glücksforscherin Maike Luhmann darüber, was Glück ist und wie man es misst.

Können Sie mir jetzt gerade ansehen, ob ich glücklich bin oder nicht?

So ein bisschen kann ich Ihnen das gerade ansehen, weil Sie lächeln mich gerade an und Sie zeigen mir ein so genanntes Duchenne-Lächeln. Das ist ein echtes Lächeln, Ihre Augen haben mitgelächelt. Und es gibt Studien, die zeigen, dass Menschen, die häufiger ein echtes Lächeln zeigen, dass die auch später glücklicher sind.

Und zwar über Jahre und Jahrzehnte – ha! Ein Punkt für mich. Insgesamt spricht die Forschung aber nicht von Glück, sondern von subjektivem Wohlbefinden. Das setzt sich woraus zusammen?

Einerseits Lebenszufriedenheit. Also, wie zufrieden bin ich mit meinem Leben, wenn ich mich hinsetze und mir überlege, wie es mir geht: Zu welchem Schluss komme ich? Und die andere Facette von Wohlbefinden ist das eher emotionale Wohlbefinden: Wie häufig spüre ich positive oder negative emotionale Zustände, also positive Gefühle oder negative Stimmungen.

Ein Lottoschein auf dem es Geld regnet (Fotomontage)

Im Deutschen wird der Begriff "Glück" für zwei verschiedene Dinge verwendet, einmal für das Zufallsglück: Ich hab Glück, dass ich im Lotto gewonnen hab - und das andere ist das, was man eher als Lebensglück bezeichnen würde



Gemessen wird das per Fragebogen: Wie zufrieden sind Sie auf einer Skala von 0 bis 10 mit Ihrem Leben? Der Mittelweg liegt in Deutschland übrigens bei 7, also eher im positiven Bereich. Und dann: Wie oft haben Sie heute zum Beispiel Ärger oder Zufriedenheit gespürt? Anschließend kann man vergleichen: Hat sich das subjektive Wohlbefinden dieser Person im letzten Jahr verändert? Im letzten Jahrzehnt?

Maike Luhmann nutzt dazu unter anderem die Daten des sozioökonomischen Panels. Das erhebt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung seit 1984: Eine repräsentative Stichprobe der Deutschen beantwortet Fragen zu ihren Lebensumständen, zum Beispiel auch zum Wohlbefinden. Ergebnis: Glück hat zum Beispiel mit den Lebensumständen zu tun.

Also wenn man Personen miteinander vergleicht sind tendenziell die Verheirateten glücklicher als die Nichtverheirateten. Und die mit mehr Geld sind glücklicher als die mit weniger Geld. Aber insgesamt betrachtet machen diese äußeren Faktoren, diese Lebensumstände, relativ wenig aus.

Mann und Frau, die sprachlos nebeneinander sitzen

Tendenziell sind Verheiratete glücklicher als die Nichtverheirateten - aber insgesamt betrachtet machen diese äußeren Lebensumstände relativ wenig aus

Nämlich schätzungsweise 10%. Uff. Und die restlichen 90%?

Der größte Batzen geht auf genetische Unterschiede zurück. Die Schätzungen variieren, aber 50% ist so ein Wert, den man immer wieder liest. Das bedeutet, dass jeder von uns eine gewisse genetische Disposition dazu hat, also eine genetische Veranlagung, eher ein glücklicher oder eher ein unglücklicher Mensch zu sein. Und das spiegelt sich wieder in bestimmten Persönlichkeitseigenschaften, die man hat, und die wiederum wirken sich darauf aus, wie glücklich man ist.

Wow. Wenn ich also genetisch betrachtet Pech habe, stehe ich erst mal dumm da. Aber 40% sind ja noch übrig. Die müssen es jetzt aber rausreißen, Frau Luhmann!

Es gibt auch Studien, die zeigen, dass es bestimmte Dinge gibt, die Menschen tun können, um glücklich zu werden, und die funktionieren. Und das ist jetzt vielleicht die positive Nachricht.

Und die 40%, das sind jetzt die, die wir selber beeinflussen können. Jeder von uns kann also Dinge im Alltag tun, die einen so ein bisschen glücklicher machen. Es gibt keine Garantie auf vollkommenes Glück. Aber man kann an seinen eigenen Einstellungen und Verhaltensweisen ein bisschen was ändern.

Ein Beispiel: Menschen, die regelmäßig sich hinsetzen und überlegen, wofür sie dankbar sind in ihrem Leben, die sind über längere Zeit glücklicher.

Zwei ältere Frauen liegen am Strand, essen Eis und lachen sich an

Jede(r) von uns hat eine gewisse genetische Disposition dazu, also eine genetische Veranlagung, eher ein glücklicher oder eher ein unglücklicher Mensch zu sein



Auch wenn es also ein bisschen nach Lebensratgeber-Lyrik klingt: bewusst auf die positiven Dinge im Leben schauen und genauso bewusst den negativen Dingen nicht zu viel Gewicht beimessen. Ist das also die Glücksformel, Frau Luhmann?

Es gibt kein 08/15-Rezept, es gibt nicht die Glücksformel. Was wir als Glücksforscher tun können, ist, dass wir sagen können, was wir herausgefunden haben, was tendenziell die meisten Menschen glücklich macht. Und dabei ist immer wichtig, dass das nur für die meisten Menschen gilt und nicht unbedingt für Sie! Für Sie kann das ganz anders sein.

Das hilft mir jetzt aber bei meiner persönlichen Glückssuche auch nicht gerade weiter. Vielleicht doch noch ein Tipp?

Ich glaube, eine Sache, die sehr wichtig ist, ist, dass man weiß, dass die äußeren Lebensumstände nicht so wichtig sind.

Und dass also der perfekte Job, die glücklichste Beziehung und das große Geld immer weniger wichtig sind als die Einstellung dazu. Jedenfalls bei den meisten Menschen.

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Im Programm

Jean Sibelius, Kalevi Aho:
Scherzo für Violine, Violoncello und Klavier zu 4 Händen e-Moll
Jaakko Kuusisto (Violine)
Taneli Turunen (Violoncello)
Peter Lönnquist, Folke Gräsbeck (Klavier)
Antonio Vivaldi:
Konzert für Laute, 2 Violinen und Basso continuo D-Dur RV 93
Rolf Lislevand (Laute)
und Ensemble
Bernhard Henrik Crusell:
Introduktion und Variationen für Klarinette und Orchester über ein schwedisches Lied op. 12
Thea King (Klarinette)
London Symphony Orchestra
Leitung: Alun Francis
Franz Schubert:
Rondo für Klavier zu 4 Händen D-Dur D 608
Maria João Pires, Hüseyin Sermet (Klavier)
Dmitrij Schostakowitsch:
2 Sätze aus der Suite für Jazz-Orchester Nr. 2 op. 27a
Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR
Leitung: Rumon Gamba

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