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Solarenergie

Schrott vom Dach Was tun mit alten Solarmodulen?

Wenn der Rasierer stumm bleibt, das Bügeleisen nicht mehr warm wird, die Waschmaschine leckt – dann ist das Elektroschrott. Und wie das in Deutschland so ist, wird der getrennt gesammelt. Denn wenn man die Geräte noch ausschlachtet und Brauchbares wiederverwertet, dann ist das gut für Umwelt und Klima. In dem Elektroschrottgesetz ist aber neuerdings auch die Rede von einem ganz anderen Schrott, der getrennt gesammelt werden soll: Solarmodule. Seit knapp einem Monat heißt es: alte Solarmodule dürfen nicht einfach weggeworfen werden. Getrenntes Sammeln und Recyceln ist jetzt Pflicht.


Wir sind vorbereitet!

Auf dem Recyclinghof in Mainz-Budenheim herrscht Betrieb. Menschen bringen kaputte Energiesparlampen, alte Holzplatten, Elektroschrott vorbei. Seit neuestem könnte man hier auch mit seinem kaputten Modulen von der Photovoltaikanlage vom Dach ankommen.

"Wir sind gerüstet, das Gesetz gibt das ja auch vor, auf unseren beiden Recyclinghöfen können Photovoltaik-Module abgegeben werden," erklärt Thomas Strack. Er ist bei den Entsorgungsbetrieben der Stadt Mainz für die Beratung zuständig. Für die Bürger ist die Abgabe von Solarmodulen kostenlos. Seit es die neue Gesetzesregelung gibt, hat allerdings noch keiner danach gefragt. Aber wenn, dann weiß Thomas Strack, muss sorgsam mit den abgelieferten Modulen umgegangen werden. "Wir werden die natürlich pfleglich behandeln. Die Vorgabe ist, dass die praktisch auf Palette ordentlich gesetzt werden und da wird's auch verzurrt, damit da nichts kaputt geht und damit wir die Geräte dann auch ordentlich lagern können, eben auch zerstörungsfrei, wie es sich gehört.

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Alte Solarmodule werden zum Recycling in einen Ofen gefahren. So erhalten gebrauchte Solarmodule ihr zweites Leben.

Recycling soll sich lohnen

Der Modul-Schrott aus der Solaranlage soll wiederverwertet werden – deshalb die pflegliche Behandlung. Und das Sammeln, Recyceln und Entsorgen soll, wie beim Elektroschrott, von den Herstellern und Händlern finanziert werden. Stichwort: Produktverantwortung. Bei der Stiftung Elektro-Altgeräte Register wird gemeldet, wer wieviel verkauft hat und hier wird gemeldet, wo wie viel an Schrott anfällt und was damit gemacht wird. Entsprechend dem Marktanteil werden die Hersteller dann an der Entsorgung finanziell beteiligt.

"PV Cycle" nennt sich ein brancheneigenes Sammelsystem. PV-zu deutsch PV für Photovoltaik. Hier haben sich europäische Solarmodul-Hersteller zusammengeschlossen. Zum Sammeln und – wie Sprecherin Pia Alina Lange betont, zum recyceln: "PV Cycle arbeitet mit bis zu 10 Recyclingpartnern in Europa zusammen, die befinden sich in Deutschland, Belgien, Spanien und Italien. Was das Schöne an der PV-Recycling-Industrie ist, dass nach drei bis fünf Jahren schon zwischen 80 und 90 Prozent des PV-Moduls recycelt werden können."

Wertvolle Rohstoffe

Das Meiste an Gewicht bei einem Solarmodul bringt das Glas auf die Waage. Da ist das Recycling schon fast Routine. Auch für die Aluminiumrahmen gibt es eine Wiederverwertung. Silizium, Tellur, Indium, Seltene Erden – das sind allerdings wertvolle Rohstoffe in den Modulen, die noch oft verloren gehen. "Tatsache ist, dass diese Inhaltsstoffe in sehr, sehr geringen Mengen in PV-Modulen vorkommen, also wir reden hier wirklich von Null-Komma bis ein Prozent. Wir hoffen, dass sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren die zurückgekommenen Abfallmengen steigern."

Es gibt erst wenige Unternehmen in Deutschland, die Solarmodule recyceln können. Und Verfahren für die nur in Minimengen vorhandenen Inhaltsstoffe lohnen sich derzeit noch nicht. Der europaweit agierende Zusammenschluss PV Cycle hat inzwischen schon über 10.000 Tonnen Solarmodulschrott gesammelt. Gut die Hälfte davon wurde in Deutschland recycelt. Im Verhältnis zu den derzeit installierten Solaranlagen, ist das allerdings Kleinkram.

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Recyceltes Silizium kann für neue Zellen genutzt werden.

Lange Lebensdauer

Auf dem Hof der baden-württembergischen Firma Ruoff Energietechnik in Riederich in der Nähe von Reutlingen lädt ein Team den Wagen für die nächste Tour zu einem Kunden. Ruoff Energietechnik installiert Solaranlagen. Und arbeitet mit PV Cycle zusammen. Das Unternehmen nimmt alte oder defekte Solarmodule zurück. Bislang seien das aber überschaubare Mengen, meint Firmenchef Uli Ruoff: "Das sind um die 20 Module pro Monat, also verhältnismäßig geringe Mengen, das liegt aber auch daran, dass die Lebensdauer von den Anlagen überdurchschnittlich hoch ist. Wenn man das mit anderen Konsumartikeln vergleicht, gibt es wohl selten Gerätschaften die man erst nach 20 Jahren zum ersten Mal austauscht."

Das was im Moment zurück kommt, sind defekte, beschädigte Module. Zum Beispiel nach Hagelunwettern. Altersschwache sind kaum dabei. Das wird sich aber ändern. Im Schnitt wird die Lebensdauer einer Solaranlage auf um die 25 Jahre geschätzt. Schaut man zurück: die ersten größeren Photovoltaik-Anlagen wurden seit Anfang der 90er Jahre installiert. Fachkreise rechnen daher damit, dass der Rücklauf von alten ausrangierten Modulen jetzt langsam losgeht.

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