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The Wave Quartet spielt Cembalokonzerte von Bach, arrangiert für Marimba-Ensemble und Orchester Virtuos und mitreißend

CD-Tipp vom 24.10.2017

CD-Cover Bach

CD

Titel:
Bach | Concertos
Interpret:
The Wave Quartet | L‘Orfeo Barockorchester
Label:
Sony Classical 889854 36462

Ungewöhnliche Besetzung
Schon die Frage, ob man heute Bachs Cembalokonzerte auf dem Cembalo oder Klavier aufführen soll, ist ja sehr umstritten. Aber Marimbaphon? Darf man das?
Das Wave Quartet ist tatsächlich entstanden, um Bachs Cembalokonzerte auf Marimbas spielen zu können. Alle vier Musiker lieben die Barockmusik. Für ihr Album „Bach Concertos“ haben sie sich mit dem auf die historische Aufführungspraxis spezialisierten L‘Orfeo Barockorchester unter der Leitung von Konzertmeisterin Michi Gaigg zusammengetan, um vier Cembalokonzerte in dieser ungewöhnlichen Besetzung aufzunehmen.

Originaltext notengetreu beibehalten
Dabei ging es von Anfang an darum, die Marimba für Bach zu bearbeiten und nicht umgekehrt. Der Grundsatz war dabei, den Originaltext notengetreu beizubehalten – eine Marimba übernimmt jeweils eine Hand eines Cembalisten. Außerdem spielen Instrumenten- und Schlägelwahl eine große Rolle, schließlich sollen auch die Klangfarben passen. Für Ensemblemitglied Christoph Sietzen, Preisträger des ARD-Musikwettbewerbs 2014 und aktueller „Rising Star“ der European Concert Hall Organisation, besteht eine Ähnlichkeit in der Klangcharakteristik zwischen Cembalo und Marimba: „Beide Instrumente weisen einen präzisen Anschlag auf, nach dem der Ton relativ schnell verklingt und nicht mehr beeinflussbar ist.“

Unwiderstehlicher Sog
So erlebt man etwa den zweiten Satz für zwei Cembali c-Moll in diesem Klangspektrum völlig neu. Die Marimbas entfalten gemeinsam mit den sensibel und präzise agierenden Musikern des L‘Orfeo Barockorchesters eine starke meditative Wirkung. Die Intimität des Marimbaklangs eröffnet einen ganz eigenen Klangzauber. Man muss sich bei dieser CD einige Zeit einhören, da die Klangfülle der Marimba nicht an die eines Cembalos heranreicht. Aber dann entfaltet sich ein unwiderstehlicher Sog, dem man sich nicht mehr entziehen kann.

Klangspektrum innovativ erweitert
In der Musik wie überhaupt in der Kunst wird es dann spannend, wenn scheinbar nicht Zusammengehörendes aufeinandertrifft. Bogdan Bacanu, der Gründer des Wave Quartet, hat gemeinsam mit Christoph Sietzen, Emiko Uchiyama und Vladi Petrov auf dem Album „Bach Concertos“ das Klangspektrum der Cembalokonzerte innovativ und höchst virtuos erweitert – dabei haben die Musiker aber immer noch das Original respektvoll im Blick. Dies zeigt sich zum Beispiel präzise und durchsichtig im dritten Satz des Konzerts für zwei Cembali C-Dur. Das Fugato eröffnet ohne Orchesterbegleitung, nur mit vier Marimbaphonen.

Herausforderndes Klangabenteuer
Drei der auf dieser CD eingespielten Cembalokonzerte lagen bereits existierende Werke Bachs für andere Besetzungen zugrunde. Das Konzert für vier Cembali a-Moll zählt hingegen zu einer Sammlung von Bearbeitungen, die Bach von Konzerten Antonio Vivaldis anfertigte. Die ungewöhnliche Besetzung der CD fordert noch zusätzliche Logistik, da das Ensemble immerhin auf acht Marimbas erweitert werden muss – die Kombination von Vivaldis Leichtigkeit und Bachs Komplexität bilden eine faszinierende Symbiose.
Was für den Schlusssatz gilt, steht auch über dem gesamten Album des Wave Quartet und des L‘Orfeo Barockorchesters: virtuos und mitreißend, alle Klangregister werden subtil und leidenschaftlich ausgekostet, ein herausforderndes Klangabenteuer.

CD-Tipp vom 20.10.2017 aus der Sendung „SWR2 Cluster“

Im Programm

Mit Doris Blaich

Johann Sebastian Bach:
Allegro aus dem Konzert für Violine, Streicher und Basso continuo a-Moll BWV 1041
SLIXS
Richard Wagner:
"Trauermarsch" aus der "Götterdämmerung"
Hong Kong Philharmonic Orchestra
Leitung: Jaap van Zweden
Abram Chasins:
"Rush Hour in Hong Kong" aus "Three Chinese Pieces"
Jenny Lin (Klavier)
Ralph Vaughan Williams:
"Silence and music" für vierstimmigen gemischten Chor a cappella
SWR Vokalensemble Stuttgart
Leitung: Marcus Creed
Jean-Philippe Rameau:
"Platée", Suite aus der Comédie lyrique
European Union Baroque Orchestra
Leitung: Roy Goodman
Christoph Willibald Gluck:
"Reigen seliger Geister" aus "Orphée et Eurydice"
Pygmalion
Leitung: Raphaël Pichon
Ludwig van Beethoven:
Klaviertrio Nr. 5 D-Dur, op. 70 Nr. 1
Trio Isimsiz
Heinrich Ignaz Franz Biber:
Passacaglia aus der Partita V aus "Harmonia Artificiosa-Ariosa"
Les Passions de l'ame
Violine und Leitung: Mereth Lüthi

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